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Die Welt · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Article
Die sechste Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten
Date
1903-07-03
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die & Welti» Nr. 27 vielen Vereinen als interne Veranstaltung betrachtet wurde und bloss in geringem Masse zur Gewinnung neuer Anhänger und Schekelzahler benützt worden ist. Die Föderation hat im Berichtsjahre auch auf die Aufgaben der jüdischen Erziehung ihr Augenmerk gerichtet. Hebräische Sprach- und jüdische Geschichtskurse wurden in vielen Vereinen eingerichtet. Insbesondere haben sich in dieser Beziehung die Frauenorganisationen hervorgetan. Doch eine grossartigere Bemühung als all dies, war das dank der unverdrossenen Arbeit des Dr. B. L. Gordon zustande gekommene Zion-Institut inPhiladelphiri Die Propaganda ist durch Verbreitung von Flugschriften, durch Entsendung von Wanderredern und durch das Zeitungsorgan der Föderation, den „Maccabean", wesentlich gefördert worden. Der ,Maccabean" ist jetzt Eigentum einer Stock - Kompagnie (Aktiengesellschaft) deren Anteilesich grösstenteils in den Händen der Föderation und einzelner zionistischer Korporationen befinden. Das Blatt, das neuerdings auch von der südafrikanischen Zionistenföderation zu ihrem offiziellen Organe erhoben worden ist, macht in finanzieller Beziehung gute Fortschritte und berechtigt zu den schönsten Erwartungen. Die Einnahmen der Föderation sind im Berichtsjahre wesentlich gestiegen, aber auch die Ausgaben haben sich vergrössert, vermöge der erhöhten Anforderungen, die das wohlverstandene Interesse der zionistischen Sache an die Föderation gestellt hat. Der Bericht fordert die Vereine auf, der Föderation tatkräftigen, materiellen Beistand zu leisten und schliesst mit den Worten : „In diesem Sinne und im Bewusstsein dessen, dass ernste Anstrengungen Erfolg bringen müssen, dass nationaler Wille gleichbedeutend ist mit nationalen Leistungen, fordern wir jeden einzelnen in unseren Reihen auf, seine Kräfte allezeit treu und ernst dem jüdischen Volke zu weihen. In dem grossen Daseinskampfe, der unserer Rasse bevorsteht, müssen wir entweder siegen oder im Kampfe fallen. Wir werden aber siegen!" Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes wurden die eingelaufenen Begrüssungsschreibeu von Dr. H e r z 1, Dr. Nordau, Israel Z an g wi 11 und andere vorgelesen. Max Nor da u schreibt unter anderem, er setze grosse Hoffnungen in die diesjährige Konvention der amerikanischen Zionisten, da ihm bekannt sei, wieviel fruchtbringende Arbeit im verflossenen Jahre in Amerika geleistet worden ist. Er hoffe darum, auf dieser Konvention werde es zutage kommen, dass der Zionismus in Amerika eine Macht geworden sei. Nordau gedenkt auch der Kischenewer Ereignisse, die gezeigt hätten, dass nicht die fortschreitende Zivilisation, sondern bloss die Anstrengung der Juden selbst dem jüdischen Volke Erlösung bringen könne. Israel Z an gwill knüpft ebenfalls an die Kischenewer Exzesse an und schliesst sein Begrüssungsschreiben mit den Worten: „Möge Pittsburg, die Stadt des Stahlsund der Essen, in der ihr versammelt seid, euch den Flammengeist einhauchen, der euch befähige, die eiserne Brücke zu schmieden, über die das jüdische Volk den Weg in die alte Heimat finden wird/ Es wurde beschlossen, an Dr. Herzl ein Begrüssungskabel abzuschicken. Ferner wurde eine Resolution angenommen, die des heimg^gangenen Rev, Dr. Gustav Gottheil in pietätvollen Worten gedenkt. Nachdem die Ausschuss wählen vorgenommen worden waren, wurde die erste Sitzung in gehobener Stimmung geschlossen. Zweite Sitzung: Sonntag nachmittags. Zu Beginn der Sitzung erstattete der Referent des Verifikationsausschusses Bericht, später Mr. E. P.Schinsky in Angelegenheit des Sharesabsatzes. Sodann schlug Doktor Magnus eine Resolution in Angelegenheit der Kischenewer Exzesse vor, die aussprechen soll, „dass die sechste Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten ^ne jüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten und jeden einzelnen Juden auffordert, dem Hilferufe unserer Brüder Gehör zu schenken und ihnen in ihrer Not durch moralische und materielle Unterstützung der zionistischen Bewegung beizustehen, die allein imstande ist. durch Schaffung einer gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk dauernde Abhilfe zu treffen/ Die Resolution wurde mit Begeisterung ^angenommen. Die Konvention trat hierauf in die Beratung über den neuen Organisationsentwurf ein. Bei einzelnen Punkten entspann sich eine äusserst lebhafte Debatte. Insbesondere gab die in dem Starutenentwurf vorgesehene Schaffung eines neuen „Board of Society Deputies" (Vereinstelegierten- Kollegium) Anla^s zu eingehenden Erörterungen. Dieser Punkt wurde einer Spezi«lkommission zur Berichterstattung in der nächsten Sitzung übprwiesen. EineRoihe etylistischer und meritorischer Amendements zu dem Entwürfe wurden angenommen. Schliesslich wurde die Debatte auf die nächste Sitzung vertagt. Das Massenmeeting: Sonntag Abend. Sonntag abends fand im Bijou-Theater unter dem Vorsitze des Mr. Josiah Cohen eine Massenversammlung statt, an der üher 2000 Personen teilnahmen. Ansprachen hielten: Mr. H. K. Porter, Mitglied des amerikanischen Kongresses, Prof. Richard G o 11 h e i 1, Rabbiner Dr. Emil G. Hirsch und andere. Eine Resolution zugunsten des Zionismus wurde mit grosser Begeisterung einhellig angenommen. An der Versammlung wirkten auch ein SOstimmiger gemischter jüdischer Chor und ein Lokal- Orchester mit. Dritte Sitzung: Montig vormittags. Die Spezialdebatte über den neuen Statutenentwurf wurde fortgesetzt.. Der Entwurf wurde schliesslich mit einigen geringfügigen Aenderungen angenommen. Die Mitgliederzahl des Exekutivkomitees wurde auf 15 — gegenüber der bisherigen Zahl von 8 Mitgliedern — erhöht. Ausserdem gehören dem Exekutivkomitee 5 Beamte an, so dass diese Körperschaft nunmehr aus 2u Personen bestehen wird, Diejenigen Bestimmungen des neuen Statutenentwurfes, welche eine Einschränkung des Resolutions- und Petitionsrechtes bei den Jahresversammlungen bezwecken, wurden verworfen und an ihrer statt weitherzigere Amendements angenommen. Weitere Begrüssungstelegramme und Zuschriften waren in grosser Zahl eingelaufen, unter anderen von Rev. Dr. P e r e i r a - M e n d e s aus New- York und Rev. Schön f e 1 d aus M i 1 w a u k e e. Alderman J. Le vi aus Pittsburg hatte der Konvention einen Blumenkranz nebst einem Begleitbriefe eingeschickt, in dem er der Versammlung in enthusiastischen Worten Erfolg wünscht. Der von der Jahresversammlung mit der Prüfung des Rechenschaftsberichtes und der Tätigkeit des Exekutivkomitees betraute Ausschuss meldet der Versammlung, dass er den Tätigkeitsbericht des Exekutivkomitees in Ordnung gefunden habe und dem Exekutivkomitee insbesondere für seine grossartige Aktion aus Anlass der Kischenewer Ereignisse Anerkennung zollen müsse. Ueberhaupt habe das Exekutivkomitee alles getan, was in seiner Macht stand, urn die zionistische Idee in die weitesten Kreise des amerikanischen Judentums zu tragen. Der Ausschuss empfiehlt der Versammlung die Herausgabe einer Monatsschrift im Jargon nach dem Master des „Maccabean." Vierte Sitzung: Montag nachmittags. Die Montag-Nachmittagssitzung war ganz den Erziehnngsfragen gewidmet. Dr. A. M.Radin aus New- York referierte über die Frage: „Wie können wir das Studium der hebräischen Sprache fördern?ft Er schlug

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