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Die Welt · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Article
Unsere Aufgabe
Date
1903-06-26
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die & Welt" Nr. 26 Sympathie für die Juden darstellen. Angenommen., wenn auch nicht zugegeben. Solche momentane Impulse sind leider noch nie von nachhaltiger Wirkung gewesen, und wenn sie es wären, das Unglück einer unvorbereiteten Massenemigration könnten sie höchstens lindern, nie aber in seinen Folgen ungeschehen machen. Darum müssen wir, so schmerzlich es ist, unsere Brüder ermutigen, nach Möglichkeit auszuharren, bis eine planmässige Emigration begonnen werden kann. Wir wissen, dass es eine grosse Aufopferungsfähigkeit voraussetzt, einem solchen Rate zu folgen. Wir wissen leider auch, dass von vielen, nur allzu vielen, dieser Eat nicht befolgt werden wird, weil er nicht befolgt werden kann. Und doch müssen wir ihn aussprechen', weil wir die Hoffnung nicht aufgeben wollen, dass endlich doch die hervorragendsten jüdischen Korporationen aller Erdteile sich an der Vorbereitung und Durchführung einer geregelten Auswanderung beteiligen werden. Noch einmal ergeht unser Aufruf an alle Juden, dass sie helfen mögen, unseren im entsetzlichsten Elend schmachtenden Brüdern und Schwestern eine Heimstätte zu schaffen. Viel haben die bisher gefehlt, die nicht alle ihre Kraft anspannten, um dieses Ziel zu erreichen. Unverzeihlich wäre es aber, wenn sie auch jetzt noch zögerten. Mögen sie beraten, mögen sie sich aber auch zur Tat aufraffen. Einer einzigen grossen gemeinsamen Anstrengung bedarf es — und wir können wenigstens den Anfang mache n! Wer, den eine jüdische Mutter geboren, den ein jüdischer Vater erzogen hat, wer wird es wagen, sich einer solchen heiligen Pflicht zu entziehen? i Was aber auch die anderen tun wollen, uns Zionisten ist unser Weg vorgezeichnet. Die höchste Kraft einsetzen, unermüdlich, das grosse Ziel vor Augen, vorwärtsstreben, und, wollen die Geschäftigen nicht helfen, die so viel zu tun haben, dass sie endlich gar nichts tun, dann wollen wir wenigstens unsere Pflicht gegen unsere Volksgenossen erfüllen. Ein Wille muss uns alle beseelen, ein Gedanke uns alle erheben, ein Glaube uns alle 7ai den unerhörtesten Anstrengungen anspornen, um unserem Volke eine Heimstätte zu schaffen, ihm endlich ein Land zu sichern. „N ever to be doing nothing!" Der sechste Kongress. Mit dem Herannahen des Kongresstermines wird die zionistische Agitation im allgemeinen wieder lebhafter. Damit ergibt sich vielfache Gelegenheit, Missverständnissen und Unwahrheiten über den Zionismus entgegenzutreten. Diese Agitation muss aber überall plamnässig geleitet und in sachlicher Form gehalten sein. Damit ist sie auch eines der besten Mittel zur Verbreitung des zionistischen Gedankens. * „17E choSioniste"in Paris und der „F r e u n d" in Petersburg erheben die Forderung nach strenger Sichtung der neu auftauchenden Kandidaturen. Die Situation ist zu ernst, die Aufgaben, die des Kongresses harren, sind zu gross und zu verantwortungsvoll, das Aktionsprogramm für die nächste Zeit ist zu wichtig, als dass den Delegiertenwahlen nicht die grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Nur überzeugte und bewusste Zionisten, die in keiner Hinsicht irgend welchen Zweifel aufkommen lassen, dürfen die Vertreter des zionistischen Gedankens in Basel sein. * In den letzten Tagen ist eine interessante Kandidatur bekannt geworden. Dem Oberrabbiner von Papa (Ungarn), Herrn M. A. Rot h, wurde von auswärts ein Mandat angeboten. Oberrabbiner Roth hat aber diese Kandidatur abgelehnt und wird in einem ungarischen Wahlkreise, in T a p o 1 c z a n y, selbst kandidieren. Mkn kann von dieser Kandidatur eine kräftige Förderung der zionistischen Agitation in Ungarn erwarten. * Wrir werden mehrfach angefragt, ob es für die Schweiz einen Passzwang gebe. Ein solcher Passzwang existiert allerdings nicht. Dennoch können wir nur empfehlen, Legitimationspapiere mitzunehmen. Geldbriefe und rekommandierte Sendungen werden z. B. nur gegen Legitimation ausgefolgt. * Das Kongressbureau wird in den ersten Augusttagen in Basel eröffnet. Bis dahin sind alle den Kongress betreffenden Schriftstücke an das Kongressbureau in Wien zu senden. * Die Vertrauensmänner werden hiermit dringend aufgefordert, den ganzen Wahlakt nach vollzogener Wahlhandlung sofort dem Kongressbureu zu übermitteln. Ebenso sind die gewählten Kandidaten sofort von der auf sie entfallenden Wahl zu verständigen. * Die Delegiertenkarten werden erst in Basel ausgefolgt. Der österreichische Parteitag. In wenigen Tagen hält der Zionismus in Oesterreich seine jährliche Heerschau ab. Aus allen Teilen des Reiohes werden unsere getreuen Gesinnungsgenossen, die Führer und Förderer unserer grossen Idee in den österreichischen Landen, in Wien zusammenkommen, begrüsst von den Spitzen unserer Organisation, willkommen geheissen vom Aktionskomitee und dem österreichischen Landeskomitee, Aber nicht nur um die Bande der persönlichen Beziehungen zwischen unseren Vertretern im Wiener Zentrum und den Distrikten enger zu knüpfen, um die alten Freundschaften zu festigen und neue anzubahnen — ein Ziel, welches an sich schon bedeutend ist und dem Zionismus zum grossen Nutzen gereichen muss, weil dadurch die zweckbewusste, planvolle Arbeit wesentlich gefördert wird — ist dieser Parteitag ein wichtiges Ereignis für die Zionisten Oesterreichs. Machen ihn alle angeführten persönlichen Momente zu einem Festtage des Zionismus, so gestaltet ihn andererseits sein Programm, die Fülle und Wichtigkeit des von ihm zu bewältigenden Materials zu einem bedeutsamen Arb eitstage. Die österreichische Organisation ist noch jung, viel jünger noch als die gesamte, junge — und doch schon grosse Organisation des politischen Zionismus. Es soll auf diesem nächsten österreichischen Parteitage nun vor allem gezeigt werden, wie wir gewachsen sind während der kurzen Zeit, da wir in unsere Arbeit in Oesterreich Plan und Methode gebracht haben. In Parade wollen wir vorbeiziehen vor den prüfenden Augen der Zionisten aller Länder, aber nicht bloss im blossen, einförmigen Manöverschritte, sondern mit den Resultaten unserer eifrigen, mühevollen und doch so freudigen Arbeit kommen wir. An dem, was wir erreicht, soll man unsere Kraft bemessen an dem, was wir nur als die Arbeit uns gesetzt haben, unseren Willen. Schon verlautet nach flüchtiger Prüfung der Berichte aus allen Distrikten, dass die Zahl der Zionisten in Oesterreich im letzten Jahre um das Dreifache gewachsen ist. Die kraftvolle Erstarkung, der Ausbau der Organisation ist gelungen.

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