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Die Welt · 1903-05-19 · 25 (19.5.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
25 (19.5.1903)
Article
Vorboten!
Date
1903-05-19
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die j£ Welt'6 Nr. 25 Unsere Organisation und Agitation^ die geistige Arbeit^ die von zionistischer Seite bisher geleistet wurde, all das und vieles andere wird jetzt vor dem Kongresse neuerlich einer Prüfung unterzogen. Die Landeskomitees der einzelnen Länder haben bereits ihre Parteitage abgehalten oder bereiten sie für die nächste Zeit vor. Auch hier wird sich manches wichtige Material für den Kongress ergeben, für den es ja in allererster Linie gesammelt werden soll. Unsere Gesinnungsgenossen sind bereits geschult genug, um nur wirklich Nützliches und Lebenverheissendes zu beraten und dem Kongresse zu empfehlen. Mancher unserer Gesinnungsgenossen mag ja mit dem Gange der Entwicklung unserer Bewegung nicht in allen Einzelheiten einverstanden sein. Es ist sogar ganz gut denkbar, dass die eine oder andere zionistische Gruppe findet, dass ihre Spezialwüiische zu wenig berücksichtigt wurden. Dann wird wolü die Kritik hie und da einsetzen und bemängeln oder verurteilen, was ihr nicht gut scheint. Das aber wissen wir schon heute, dass allen Ohrenbläsern und allen Geschieh teil trägem zum Trotz die starke innere Einigkeit unserer Bewegung nicht leiden wird, nicht leiden kann; denn zu gross ist das Verantwortlichkeitsgefühl, das unsere Delegierten erfüllt, als dass je die Wurzel unserer Kraft und unseres endlichen unausbleiblichen Erfolges, als dass unsere. Einigkeit ernstlich erschüttert werden könnte. Und diesmal noch, viel weniger als jemals früher. In schwerer Zeit tritt diesmal der Kongress zusammen. Die dunklen Schatten der Kischenewer Affäre verdüstern selbst dieses grösste, wichtigste und feierlichste Ereignis während des verflossenen zweijährigen Zeitraumes. Mit noch grösserem Ernste als sonst werden die Erwählten der zionistischen Organisationen an ihre Arbeit gehen. Ist es doch sicher, dass gerade durch diese Ereignisse der Wunsch nach Betätigung immer inniger und heftiger wird. Freilich Hegt darin auch die Gefahr, dass man sich vielleicht zu Entschlüssen drängen lassen könnte, die als Ausfluss der erregten und vielfach schmerzlich angespannten Stimmung wohl begreiflich, aber darum noch keineswegs auch förderlich wären. Wir wollen nicht vergessen, dass unsere Aufgabe eine überaus schwere ist, die keine Uebereilung aus welchem Grunde immer verträgt, und wir wollen ruhig und bedachtsam die Vorsehläge prüfen, die vor den Kongress gelangen. Nicht das Drängen Unbefugter, wenn auch Wohlmeinender, sondern die klar erkannten Grenzen unserer Kraft und unserer Mittel müssen den Ausschlag geben. Darum sei schon jetzt vor aller Projektenmacherei eindringlich gewarnt. Die zionistische Bewegung hat ein festes Programm. Innerhalb seines Umfanges liegt die . Möglichkeit unserer Betätigung. Mit berechtigter Erwartimg sehen unsere Gesinnungsgenossen dem Kongresse entgegen. Er wird ein wichtiger und vielleicht auch für die Zukunft unserer Bewegung besonders bedeutungsvoller sein. An den zionistischen Organisationen, liegt es nun, durch die Wahl berufener, einsichtsvoller Gesinnungsgenossen, der Bedeutung dieses Kongresses Rechnung zu tragen. Der sechste Kongress. Die Delegiertenwahlen für den Kongress werden in kurzer Zeit beginnen, Nach all den vorliegenden Berichten versprechen die Bewerbungen um die Mandate heuer viel zahlreicher zu werden wie in den vergangenen Jahren. Es ist selbstverständlich, dass unsere Gesinnungsgenossen nur erprobten Männern, deren Gesinnungstreue ausser Zweifel steht und die bereits ihren Arbeitswillen und ihre Arbeitsfähigkeit bewiesen haben, ihr Vertrauenschenken werden. Nichtsdestoweniger wird es sich empfehlen, die Kandidaten zu einer deutlichen Erklärung zu verhalten, welche Stellung sie zu den Hauptfragen des Zionismus nehmen. * An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von Schekelzahlern gewählten Delegierten teilnehmen. Die Vereine und Gruppen werden besonders den zahlreich ausserhalb ihrer Organisationen stehenden Zionisten ihre Aufmerksamkeit zuwenden müssen, um sie zu rechtzeitiger Schekelzahlung zu veranlassen. Die langjährige Uebung, in jeder Stadt schon jetzt eine Hauptliste aller Zionisten anzulegen, wird sich sicherlich auch diesmal bewähren. * Die Agitation für den Kongress hat fast überall mit voller Kraft eingesetzt. Die Versammlungstätigkeit ist eine stärkere geworden, gilt es ja alle Vorkehrungen zur Delegiertenwahl zu treffen. Die Vereine erlassen dringende Aufrufe zur Schekeliehdung, Wahlbesprechungen finden statt und die Anträge, die seitens der Landsmannschaften an den Kongress gerichtet werden, sind Gegenstand eifriger Beratungen. Der sechste Kongress tagt nach fast zweijähriger Pause. Die Befürchtungen, die laut wurden, die Agitation werde durch die lange Pause leiden, waren nicht begründet. Das Interesse an den Vorgängen in der Partei ist nicht geringer geworden. Im Gegentheil. Stärker als sonst setzt die Agitation ein und schon jetzt kann man sagen, dass der sechste Kongress den Fortschritt der zionistischen Bewegung in imposanter Weise zum Ausdruck bringen wird. * Die Zentrale in Russland erlässt an die Vereine einen begeisterten Appell, die letzten Wochen vordem Kongress zu eifrigster zionistischer Tätigkeit zu benützen. „Vergessen wir nicht, dass der Kongress nur der Spiegel ist, in dem wir unsere eigene Arbeit sehen. Soll der Kongress uns etwas geben, müssen wir dem Kongress vorher geben, was ihm gebührt. Je mehr wir geben, umso mehr bekommen wir. Nur mit Hilfe einer intensiven Agitation, die uns bevvusste Anhänger und materielle Mittel zuführt, werden unsere Fuhr er auch unsere Sache dem Ziele näher bringen können. Gehen wir also an die Arbeit, kommen wir in den Vereinen zusammen, sorgen wir für die rechtzeitige Einzahlung des Schekels, bereiten wir unsere Referate vor, wählen wir, jeder Verein für sich, einen Delegierten und seien wir einig in unseren Wünschen und Anregungen, die wir ihnen zum Kongresse mitgeben." \ * Aus Italien kommt die Nachricht, dass auch unsere Gesinnungsgenossen in Italien den sechsten Kongress zahlreicher beschicken werden. Im letzten Jahre haben sich neue Vereine in Venedig, Florenz und Bologna konstituiert und auch in anderen Städten sind Ansätze zu Neugrimdungen bereits vorhanden. Besonders erfreulich sind die Fortschritte, die der Zionismus in der gebildeten Welt gewonnen hat. Dies wird, nach Meldungen, die dem Aktionskomitee zugekommen sind, deutlich in der Delegation der italienischen Zionisten zum Ausdruck gelangen. Journalistische Spielereien. In einigen jüdischen Zeitungen wurden in jüngster Zeit Berichte und Besprechungen über Landkaufprojekte veröffentlicht, die mit dem zionistischen Aktionskomitee in Zusammenhang gebracht wurden.

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