Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 24 (12.6.1903)
- Article
- Zur Lage
- Date
- 1903-06-12
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die # Welt'? Nr. 24 Nur wenige Wochen trennen uns noch vom Kongresse, auf dem wir unsere Lage und die Mittel und Wege, die zu einer Besserung führen können, ruhig und vor aller Welt besprechen wollen. Wir haben das Vertrauen zu unseren Gesinnungsgenossen, dass sie in Ruhe die Entscheidung abwarten werden, die unser Volksrat treffen wird. Der sechste Kongress. Die Vorbereitungen zum Kongress sind in vollem Gange. Das Sekretariat trifft alle Anordnungen, um, wie in den vergangenen Jahren, auch diesmal den Delegierten in Basel alle möglichen Erleichterungen und Bequemlichkeiten bieten zu können. Die Verhandlungen werden in den den Delegierten bekannten und liebgewordenen Räumlichkeiten des Kasinogebäudes stattfinden.. Um allen Anforderungen zu genügen, werden den Teilnehmern auch andere Säle zur Verfügung stehen, da der Kongress voraussichtlich sehr zahlreich beschickt sein wird. m In allen Ländern rüsten die Zionisten zum Kongresse. Schon werden einzelne Bewerbungen um die Delegiertenmandate bekannt. So wird Kanada eine grössere Deputation entsenden, mit Mr. Cläre nee de Sola, dem Präsidenten der kanadischen Federation, an der Spitze. Zum erstenmal dürften diesmal Griechenland, Indien und Marokko auf dem Kongresse vertreten sein. Die Schrecknisse, die die Thronstreitigkeiten in Marokko för die Juden im Gefolge hatten, haben diese dem Zionismus zugeführt, so weit er eben zu ihnen gedrungen ist. Die intensive Agitation, die die bulgarische Organisation im letzten Jahre in den Balkanländern entfaltete, wird ihren Ausdruck in einer stattlichen Delegation finden. Die Anmeldungen aus Russland werden täglich zahlreicher und ebenso wird die Teilnahme in England und Amerika immer reger. In den kommenden Nummern sollen die Fortschritte dieser Kongressarbeit regelmässig verzeichnet werden. Mitteilung des Präsidiums der Nationalfondskommission. Freitag den 19. Juni vormittags 10 Uhr wird im Kongressbureau in Wien eine Sitzung der Nationalfondskommission stattfinden. An dieser Sitzung wird sich auch das Aktionskomitee beteiligen. Die Mitglieder der. Nationalfondskommission werden direkt eingeladen, zu dieser Sitzung nach Wien zukommen. Der Präsident der Nationalfondskommission wird einige Tage vor dieser Sitzung in London in Sachen der Nationalfondskommission sein. In der Wiener Sitzung soll das Statut des Nationalfonds festgesetzt und es sollen eventuell Anträge an den Kongress beraten werden. Mitteilungen des österreichischen Landeskomitees. Parteigenossen! Gedenket der Opfer von Kischenew! Flugblätter und Sarnmelbogen sind bei den zuständigen D. K. erhältlich. Sorget für die Eintragung der Märtyrer ins goldene Buch durch wöchentliche Leistung von bloss 50 h. Der III. österreichische Zionisten tag findet am 28. und 29. Juni in Wie n statt. Aus der Tagesordnung seien hervorgehoben: 4. AenderungderStatutendes Verbandes „Zion" und Organisation des L.-K's., Referent: Dr. Max Bernhardt, Wien. 5. Agitation und Organisation, Referent: Dr. Sal. Krenberge r, Wien. 6. Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgemeinden: a) Programm, Referent: Dr. E. M. Zweig, Wien, b) Taktische Fragen, Referenten: Kultusvorsteher Julius B o n d y, Horowitz und Dr. Ludw. Goldwasser, Krakau. 7. Kulturelle Fragen, Referent: Mich. Berkow i c z, Wien; Korreferent: Gustav Bader, Lemberg. 8. Gründung eines Z e n t r a 1 o r g a n e s der österr. Zionisten und sonstige Parteipresse, Referent: Ahr. We issberge r, Wien. 9. S t e 11 u n g n a h m e zum Kongress und seinen Organen, Referent: Dr. I. W. Marmorek, Wien. Anregungen und Anträge für die Referenten sind unverzüglich an das L.-Kzu' leiten. Die Thesen der Referate werden am 18. Juni publiziert. Die Wahlen zum Parteitag finden vereinsweise zwischen de m 10. und 18. Juni statt. § 17 des Bi elitzer 0 r g.-S t a t. bestimmt hierzu: „An dem Parteitage nehmen nur Personen von mindestens 20 Jahren teil, u. zw.: A. Mit Sitz und Stimme: 1. Die Mitglieder des L.-K-, sowie 2 Mitglieder 'von jedem D.-K., 2. Die Delegierten der Vereine, u. zw. entsenden Vereine mit einer Steuer n d e n Mitgliederzahl von bis 50 einen, über 50—100 zwei, über 100—200 drei und über 200 vier Delegierte, bezw. deren Ersatzmänner. Die Wahlen müssen dem L.-K. sofort angezeigt und von dem Legitimationsaiisschuss des Parteitages beglaubigt werden. Jeder Delegierte führt nur eine Stimme, kein Mandat ist übertragbar. B. Mit bloss beratender Stimme. 1. Die Mitglieder des engeren A.-C, die österr. Mitglieder des grossen A.-C. und die restlichen Mitglieder des D.-K., 2. die Distrikts- Vertrauensmänner." Ferner wurde in Bielitz auf Grund des Referates: „Budget und Parteisteuer'4 beschlossen: 6. Jeder Parteigenosse hat jährlich eine Krone Parteisteuer zu zahlen. 10. Die Vereine berechnen die Parteisteuer nach der Zahl ihrer Mitglieder zur Zeit des letzten Parteitages. Die Entrichtung der Parteisteuer (des Landesbeitrages) ist also statutengemäss Voraussetzung der Wahlberechtigung. Die Parteiblätter werden um Nachdruck dieser Mitteilungen ersucht. Ein Brief Max Nordaiis.*) Paris, rue Leonie, 5. Juni 1903. Sehr geehrter Herr Doktor! Herr Dr. H e r z 1 hat die Güte gehabt, mir Ihren Brief an ihn mitzuteilen, der sich mit meiner Zuschrift an Herrn Gabel-Budapest beschäftigt. Es gibt offenbar in der jüdischen Presse eine Anzahl Leutchen, die an jedem meiner Worte ebenso Anstoss nehmen wie an meinem Schweigen. Es diesen Leutchen jemals recht zu machen, kann ich nicht mehr hoffen. Ich muss mich also damit bescheiden, sie mit mir unzufrieden zu wissen. Dass meine Aeusserung über die Juden in Ungarn einer Erklärung bedarf, leuchtet mir nicht ein. Ich glaube, meine Briefe an Herrn Gerhard C. Polak in Amsterdam („Die Welt", Jahrgang 1901), mein „Offener Brief" an Herrn Ernst Mezei („Zionismus und Nationalität" („Die Welt", 27. März 1903), meine Aufsätze „Der Zionismus und die weltlichen Juden" („Israelitische Rundschau", 23. August 1901) und *) An Dr. Werner.