Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 23 (5.6.1903)
- Article
- Der Zwang zur Liebe
- Date
- 1903-06-05
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316044-3333041--40536-3333210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 2 Die S^WeltfJ ihrem Zeichen wurde die rassische Regierungskurist von Kischenew gekrönt, in ihrein! Zeichen holt Rumänien zu neuen Schlägen gegen die Juden aus» Hörst du nicht die nöffentliche Meinung*, Rumänien? Gelten dir die Zeitungen nichts? Schrecken dich keine amerikanischen Protestnoten, nicht einmal die Leitartikel der jüdischen Blätter, die dich streng auffordern. Recht und Menschlichkeit der Juden wegen nicht mit Füssen zu treten? Einige Zeiten unter diesen steht die Grabschrift der „hellsichtigen und klaren*, der Politik unserer Gegner. Ihre ganze. Macht, \ aufgebaut auf klarem Recht, haben sietRumänien füllen lassen* Und weit entfernt, altes ijprecht zu sühnen, fügt dieses Land neues hinzu. Also nicht einmal Rumänien, verschuldet und in den Händen unserer Finanzbarone, industriearm und voll brachliegenden jüdischen Fleisses, nicht einmal dieses kleine Land lässt sich von der gesammten Macht des Judentums zur Liebe zwingen. Kein Bojare folgt der „Frankfurter Zeitung", kein Tschinownik dem „Berliner Tagblatt*. Und diese Kleinigkeit bringt den Erfolg der nichtzionistischen, der hellsichtigen und klaren Politik um. Sie gibt uns den berühmten Spruch gegen beissende Hunde, der r unfehlbar ist, wenn der Hund ihn anhört. Der Hund will aber nicht. J. Upfimny. Aus Rumänien. Das „Roumanian Bulletin" bringt folgende Nachricht: „Wi e w e n i g d i e E r e i g n i s s e d e r1e t z t en Zeit dazu beigetragen haben, die antisemitische Politik des r u m änischen Pariamenteszu m ä ssigen, geht aus einem Gesetzentwurf hervor, dessen Zweck es ist, das bestehende Gesetz für die Förderung der nationalen Industrien zu ergänzen. Unter dem augenblicklichen Gesetze werden den Fabrikanten, die gewisse Bedingungen erfüllen, Prämien, Subventionen und andere Privilegien gewährt. Der neue Entwurf enthält unter anderem nachstehende neue Bestimmungen: § 7. Die Vergünstigungen dieses Gesetzes sollen nur denjenigen Fabriken und Werkstätten zuteil werden, in denen während der ersten fünf Jahre ihres Bestehens wenigstens 50 Prozent der Arbeiter Rumänen sind. Nach Ablauf von sieben Jahren soll eine Weitergewährung der Vergünstigungen nur in solchen Fällen gewährt werden, wo während der letzten zwei Jahre wenigsten.s 50 Prozent der Gesamtsumme der Löhne und Gehälter an rumänische Angestellte gingen. § 9. Technische Schulen, die von* Fabrikanten dem Gesetz für den Fachunterricht entsprechend zur1 Ausbildung rumänischer Arbeiter in den verschiedenen Industriezweigen errichtet wurden, werden subventioniert." Das „Roumanian Bulletin" bemerkt zu diesen Bestimmungen: „Da nach dem Gesetze ,der rumänische Jude ein Ausländer ist, so wird die Folge'dieser Bestimmungen die sein, dass die Verwendung von Juden in allen vom Staate unterstützten Industrien beschränkt wird, und dass die Juden von allen technischen Schulen der Fabriken, in denen sie arbeiten, ausgeschlossen werden. So wird dieses Gesetz die ungünstige Lage, in der sich die jüdische Arbeiterbevölkerung bereits befindet, noch in zweierlei Hinsicht erschweren. Bisher war die Bestimmung, durch die die Anstellung nichtrumänischer, das heisst jüdischer Arbeiter, eingeschränkt, wurde, nur für die grosseh Fabriken massgebend. Das neue Gesetz , wird diese Bestimmung auf alle Fabriken, mögen sie nun gross oder klein sein, ausdehnen. Es werden aber nicht nur die jüdischen Arbeiter darunter zu leiden haben. Die Bestimmung über die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter wird in beträchtlichem Masse zur Verminderung der Anstellung jüdischer Kierks, Ingenieure und Leiter beitragen. Welche Bedeutung 'diese. Tatsache für Städte hat, in denen die jüdische Bevölkerung gross ist, lässt sieh leicht voraussehen. Hunderte u nd1 v i e 11 e i c h t Tau sende werden arbeitslos werden und dadurch in die No 11 a g e k o.m m e n, zwischen dem Hunger und der A u s w anderungzu wählen.." Der sechste Köngress. Der sechste Zionistenkongress findet Sonntag den 23. August d. und die folgenden Tage in Basel statt. . ** - , Die „Jüdische Rundschau8 in Berlin, das Organ der deutschen Landsmannschaft, schreibt zur Einberufung des Kongresses: „Bei aller Wahrung des Rechtes ehrlicher Kritik werden wir Gelegenheit haben, unseren selbstgewählten Führern das Vertrauen zu zeigen, das uns zu ihnen beseelt. Denn das ist das Wesen wahrer demokratischer Freiheit, sich freiwillig dem selbstgewählten Oberhaupte unterordnen zu können. Unser Aktionskomitee hat aber unser Vertrauen und unsere Folgsamkeit in erhöhtem Masse verdient, und hat uns in-hingebungsvoller Arbeit bewiesen, wie wichtig es ist, die Kraft eines Volkes in e i n e r festen Hand zusammenzufassen. Für ein zerstreutes und zersplittertes Volk ist es aber doppelt wichtig, sich freiwillig unterordnen zu können, und wichtiger sind uns die „Dutzendmenschen", die sich führen lassen, als die feinsten Köpfe, deren unangebrachte Kritik unsere Disziplin gefährdet. Damit ist aber der grosse Leitstern für unsere Haltung auf dem Kongresse gegeben. Jeder Kongress soll und muss dazu beitragen, die feste Geschlossenheit, die Einheit und Einigkeit des Zionismus^ das heisst der jüdischen Nation, noch mehr zu festigen und enger zu schliessen. Bei der unendlichen Vielseitigkeit des zionistischen Programms bleibt doch noch jedem einzelnen von uns Gelegenheit und Stoff genug, seine Individualität und Anschauung zur Geltung zu bringen. Wir freiheitlichen, demokratisch gesinnten Zionisten aber wollen eine Ehrenpflicht darin erblicken, dass wir unseren anderen Brüdern in dieser Richtung mt gutem Beispiele vorangehen. In der „auswärtigen Politik" gibt es keine „inwärtige Kritik"! Jetzt gilt es für den Kongress zu arbeiten! Möge der sechste Kongress die Einigkeit und Einmütigkeit der Juden in Nord und Süd, in West und Ost von neuem beweisen, und zugleich das - gänze jüdische Volk hinter unsere Führer, hinter uns.er Aktionskomitee scharen." Nach den Bestimmungen des Organisationsstatutes müssen die Delegiertenwahlen am' 23. Juli bereits abgeschlossen sein. An diesem Tage muss auch das Sekretariat des Kongressbureaus im Besitze aller Wahlergebnisse sein. Das Aktionskomitee hat die Landsmannschaften im Zirkularwege aufgefordert, für die Ausschreibung der Delegiertenwahlen im Sinne obiger Bestimmungen Sorge zu tragen. Die jüdische Orient-Kolonisations-Gesellschaft (Schaare Zion). Wir werden vom Präsidium des Zentral-Komitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland um die Veröffentlichung des folgenden Zirkulars ersucht: Der seschäftsführende Ausschuss des Zentral-Komitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland weist die Vorsitzenden der Distriktbureaus darauf hin, dass die in Berlin neugegründete Orient-Gesellschaft keine zionistische Gesellschaft ist dass sie zur Vorbedingung ihrer Tätigkeit nicht die öffentlich-rechtliche Sicherung des zu besiedelnden Terrains in Aussicht genommen hat und dass vorläufig von einer privaten Beteiligung der Zionisten wegen der dadurch notwendig hervorgerufenen Zersplitterung der Kräfte abgeraten wird. Wir ersuchen freundlichst, diesen Beschluss zur Kenntnis Ihrer Ortsgruppen zu bringen. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss; Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland: gez. Dr. Bodenheimer. Gustav Wolff. Eine Warnung vor überstürzter Emigration. Die Mitglieder des Aktionskomitees in Russland, Herr Dr. Jakob Be rnste in- Kohan, Ing. M. Uss isch kin, Dr. S. ßenderski und Ing. W.Temkin veröffentlichen ein Zirkulär an die russischen Zionisten und warnen sie vor einer voreiligen und überstürzten Emigration nach Palästina, zu der man unter der erschreckten jüdischen Bevölkerung Busslands und besonders JBessarabiens rüstet Die Emigration, sagt das Zirkulär, würde nur-zur Wieder-