Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 22 (29.5.1903)
- Article
- Schewuoth / W.
- Date
- 1903-05-29
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die a^.-Welf^ Nr. 22 opfern, und die sich, schandenhalber mit irgend einerSpende loskaufen, wenn es unser Volk:gilt? Wo sind sie, die alle Ehren für sich einheimsen und alles Elend den andern lassen? Ist das ihre Mission, dass sie im Beichtum verkommen, schlimmer als unsere Brüder in ihrem Elend? Wir sahen, wie der Sturmwind kam. Und wir wissen, dass er noch öfters kommen wird. Wir wollen ihn meiden. Wir wollen unsere Brüder in ein Heim bringen, wo der Sturm sie nicht erreichen kann. Wir wollen sie schützen, so weit es menschliche Voraussicht überhaupt kann. In eigenem Boden sollen sie wurzeln, dass der Sturm ihnen nichts anhaben kam, fest und tief. Aus ihm sollen sie Kraft gewinnen ux l unerschütterliche Festigkeit. Stolz und Mut soll sie emrorheben, dass kein Gewölk sie schreckt, kein. Feuer sie ängsflgt. Unser Schewuoth. aber wollen wir als Fest der Verheissung feiern, der Verheissung einerschöneren Zukunft. Und still und behutsam wollen wir die grünen Zweige von den Wänden unserer Gotteshäuser nehmen. Auf die Gräber unserer Lieben wollen wir sie legen, da wir sie nicht auf die Erdhügel legen können, die unsere Märtyrer decken. Und unseren Lieben wollen wir zuschwören, was wir unserem Volke halten wollen: für seine Zukunft zu arbeiten, bis auch uns einst der Hügel deckt. Das sei unser, das zionistische Schewuoth. Der sechste Kongress. Der sechste Zionisten-Kongress findet den 23. August dieses Jahres und die folgenden Tage in Basel statt. » Die Bestimmungen des Organisationsstatutes über den Kongress lauten: §8. Der Zionisten-Kongress tagt jedes zweite Jahr an einem vom grossen A.-C. zu bestimmenden Orte. Eine frühere Einberufung des Kongresses bestimmt das grosse A.-C. § 9. Aufgaben des Kongresses sind: a) Entgegennahme und Prüfung des Rechenschaftsberichtes des Aktionscomites. (A.-C). b) Ausgestaltung des zionistischen Programmes. c) Feststellung des Programmes der nächsten Verwaltungs-Periode. d) Wahl des?A.-C. und sonstiger Körperschaften für die nächste Verwaltungs-Periode. e) Entgegennahme und Beratung von Petitionen und Anträgen. , •ir> - i ■ m § 10. * ~ Die Arbeiten eines Kongresses werden nach der vom III. Kongresse beschlossenen Geschäftsordnung durchgeführt. § 11. An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von Schekelzahlern gewählten Delegierten teilnehmen. § 12. Jeder Schekelzahler hat das active Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive bei erreichtem 24. Lebensjahre. Die Wahlen sind mindestens vier Wochen vor Beginn des Kongresses möglichst an ein und demselben Tage in der ganzen Welt vorzunehmen. Bei Verhinderung eines Gewählten ist bis zum Beginn des Kongresses eine Ersatzwahl zulässig. Die Vereine werden ermächtigt, zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten gleich beim Wahlacte für den Fall von Verhinderung der Delegierten Ersatzmänner mitzuwählen, welche gleichzeitig anzumelden sind. § 13. Die Wahlgruppen sind Hundertschaften. Die Einteilung der Wahlgruppen wird von der Landes-Organisation vorgenommen durch Zuweisung einer Delegierten-Anzahl, welche der Schekelzahler-Anzahl entspricht, so weit es sich um Vereine handelt, oder durch Zusammenlegung solcher Schekelzahler-Gruppen, deren Zahl 100 nicht erreicht. § 14. Die Wahl der Delegierten für den Zionisten-Kongress ist eine directe und geheime. Die sonstigen Wab' bleiben den Landes-Organisationen überlassen. J jedoch mindestens drei Monate vor dem Kongresse die Bestätigung des Wahlmodus vom engeren A.-C. einzuholen. Die Verständigung über die vorgenommenen Wahlen kann mir durch die Landes-Organisation erfolgen. Die Landes-Organisation ist verpflichtet, den Gewählten eine Legitimation über die erfolgte Wahl auszustellen. §15. Jeder Delegierte verfügt im Kongresse nur über eine Stimme. § 16. Die jDelegierten-Mandate sind nicht übertragbar. § 17. Jedes Landes-Comite führt eine eigene Liste seiner Schekelzahler, die es, ebenso wie den Namen der gewählten Delegierten, dem A.-C. wenigstens vier Wochen vor jedem Kongresse mitzuteilen hat. Demnach müssen die Delegiertenwahten am 23. Juli bereits abgeschlossen sein. An diesem Tage muss auch das Sekretariat des Kongressbureaus im Besitze aller Wahlergebnisse sein. Das Aktions-Komitee hat die Landsmannschaften im Zirkularwege aufgefordert, für die Ausschreibung der Delegiertenwahlen im Sinne obiger Bestimmungen Sorge zu tragen. Was sollen nun die Juden tun? Die Schrecknisse von. Kischenew haben in Russland die sogenannte Judenfrage mit grosser Kraft wieder aufgerollt. Die anständigen Blätter im Zarenreiche glauben in der Rechtlosigkeit und in der Bedrückung der Juden in Russland die Ursache des schrecklichen Massacres von Kischenew suchen und demgemäss eine Aenderung dieser Lage verlangen zu müssen. Die juöenfeindlichen und hetzerischen Journale schieben die Schuld an den Grausamkeiten von Kischenew auf die Juden, weiche sie, ihre alten Gewohnheit gemäss, für alle Uebel im Zarenreiche verantwortlich machen . .; In diesem Chorus der Stimmen für und wider die Juden in Russland erhob sich aber eine, welche der Wahrheit am nächsten kam und deshalb wohl auch die weitestgehende Aufmerksamkeit verdient. Diese Stimme erscheint noch bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass sie von einem hervorragenden national-russischen Publizisten und Denker herrührt, welcher seine Anschauung über die Lehre der Kischenewer Massacres für die Juden nicht aus irgendwelchen Parteirücksichten, sondern aus Mitleid und Liebe zu den Juden zum Ausdrucke brachte. Der russische Publizist und Denker JVL. Menschikow, welcher diese bemerkenswerte, vollkommen wahrheitsgemässe Ansicht ausgesprochen hatte, nimmt in der russischen Publizistik eine hervorragende Stellung ein. Vor allem aber sind es seine Werke über Moral, Ethik und über wichtige soziale und politische Fragen, welche in -Russland mit Recht grosse Popularität geniessen. Menschikow erscheint in diesen Werken nicht nur als hervorragender Denker und Moralist, sondern auch als unentwegter Wahrheitssuchender, der in den verwirrten Fragen und Erscheinungen nur die blosse Wahrheit zu suchen und aufzudecken bestrebt ist. Von tiefem Ernste in allen seinen Arbeiten getragen, von seltenem Reichtum an Wissen und an Kenntnis der theologischen Wissenschaft, steht Menschikow in seinen Urteilen hoch über den Parteien und über niedrigen Leidenschaften. Das bewies er deutlich in seinem Feuilleton: „Was sollen nun die Juden tun?'4, welches er angesichts der Massacres von Kischenew in der Petersburger „Nowoje Wremja" vom 17. Mai publiziert hat. In geistreichen Ausführungen bringt Menschikow im ersten Teile seiner Arbeit untrügliche Beweise dafür, dass die Juden in Russland jedwede Hoffnung aufgeben müssten, jemals als Söhne des russischen Vaterlandes betrachtet zu werden, nicht einmal, wenn sie tausende und tausende von Jahren im - --^.ni^g leben sollten. Sogar in Westeuropa, meint Men-