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Die Welt · 1903-05-29 · 22 (29.5.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
22 (29.5.1903)
Article
Schewuoth / W.
Date
1903-05-29
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Und zugleich das Fest der Erstlinge, da unsere Vorfahren, Herren im eigenen Lande, hinauf zogen nach Jerusdiolajim, ihrem Gotte de Erstlingsgabe zu opfern. Durch die herrlichen, saatens.ehweren Gaue wanderten sie mdächüg, uniblüht von der leuchtenden Pracht des Gartens, zu dem ihr Fleiss ihr Land gemacht hatte, dfcmi Feste entgegen, ihres Gottes und der Schönheit voll, die seiner Erden Blühten und Eeif en ihrer Seele gegeben hatte. Längst iü uns das Land der Ahnen geraubt, Jahrtausende sind seit jenen Tagen vorübergezogen. Den Abglanz der damaligen Schönheit, des damaligen Glückes haben sie uns nicht rauben können. Im «dumpfen Ghetto, in dem Staub und JVfoder alles Blühende, allen Augentrost unter ihrer feinen, schweren Hülle zum "Welken brachten, da war es Schewuoth, das mit seinem jungen Grün den Bedrückten ein Stück Natur, den Duft der Erde schenkte. In ihren festlich geschmückten Synagogen erinnerten de sich der Ganzopfer und Speiseopfer, der Feuergaben d<3s "Wohlgeruches, dex Brote der Erstlinge^ der Erstlinge ihres Landes, der Ernten ihres Bodeiiis. So ist Scliewuoth ein Fest der Schönheit geblieben für alle, die ihr Volk kannten und seine- Feste und Erinnerungen liebten. Mag a.uch unter den senge nden Strahlen der Sonne der Emanzipation das Grün in dem Tempeln und Häusern verdorrt sein, dort, wo diese StraMenglut nur langsam hindrang, war es in seiner trostreichen Frische geblieben. Und seit wir wieder daran dachten, unseren Boden zu -pflügen und unsere Erstlinge als Opf ergäbe darzubringen, war das Grün freudiger und glorreicher geworden, wie unsere Seeion durstiger nach seinem Anblick. Und auch als wir am vergangenen Passah die sieben Wochen zu züüen begannen, die ums von Schewuoth trennen, hofften wir ein frohes Fest feiern zu können, das die Schönheit d&& Spätfrühlings, mit leuchtenden Farben schmücken sollte. Wohl! Das Fest nahte heran, aber wehe! „Ich sah, wie ein Sturmwind vom Norden her kam, ein dichtes Gewölk und ein um sich greifendes Feuerfc Und der Sturmwind knickte die BLiten, das Gewölk verhallte die Sonne und ins Feuer, das Feuer ergriff die Wohnstätten unserer Brüder und verzehrte sie und machte ihre Frauen zu Witwen und ihre Kinder zu "Waisen. Und wir feiern das Pest der Offenbarung, Wir predigen den Völkern seit Jahrtausenden: „Du sollst nicht morden!" Ladet sie ein in euere Synagogen! PTun ist wieder einmtil, ach, zum wie hielten Male, die Gelegenheit gekommen, ihnen von euere! Mission zu predigen. Wahrhaftig! Ungelehrig sind euere Schüler und schlecht sind die Lehrer! Zehn Gebote lehrt ihr sie bereits ein paar Jahrtausende lang und noch immer haben sie das nicht begriffen, was ein jüdisches IChid in seinen ersten Lebensjahren erlernt hat — die zehn Gebote! Wo rind die Herren Prediger, die unser, Volk in den Schlaf singen mit der süsslichen Melodie von seiner Mission? Die ihm seine Spannkraft nehmen, seinen Trotz uimL seine Kraft! Die wissen, dass es Jahrtausende langbeschwiekt igt wurde mit demRulim. einer angeblichen Mission und die noch den Mut und die H-erzenshärte haben, es weiter leiden zu sehen! Die sich in den Mantel der Konfession hüllen, über dessen Fadens«üieinigkeit und Zerlumptheit sie bei ihren Grossen kein Wort zu sagen wissen., und denen das Unglück ihrer Brüder nicht einmal eine ihrer wohlfeilen^ nein, nicht wohlfeilen, aber doch prof essicnellen Trauerre den entlocken kann, ohne dass man Bittgänge zu ihnen veranstaltet öder sie förmlich nötigt, ihrer Pflicht nachzukommen. Die den Armen von d_ör Mission schwatzen und sich nicht die Mühe nehmen als Missionäre zu unseren Feinden zu gehen, und ihnen, die es nötig haben, und nicht uns von -der Erhabenheit unserer Lehre zu erzählen? Wo sind sie, die Führer von IsraeL, die in ihren Palästen leben und es sich wöliL sein lassen, während man ihre Brüder mordet, ihre Schwestern schändet, kleine Kinder martert und in. Stücke reisst oder aa den Mauern zeischmettert? Wo sind sie, die höhnisch läclieln, wenn anlege für eine Erlösung ihrer Brüder arbeiten und leiden? Wo sind sie, die mit Begeisterung in. ihre Taschen greifen, wenn es gilt, iiir unjüdische od«r antijüdische Zwecke Hunderttausende zu

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