Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 17 (24.4.1903)
- Article
- Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis
- Date
- 1903-04-24
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 jn» # Wem Nr. 17 Arbeitsvermittlungs - Bureau des „Allgemeinen jüdischen Arbeiter- Vereines % Wien, IL, Stefaniestrasse 8. Stellengesuche: 2 Schlosser, 2 Schmiede, 12 Hilfsarbeiter, 6 Geschäftsdiener, 2 Packer, 1 Tischler, 1 Buchbinder, 3 Kommis, 1 Kontorist. Offene Posten: 2 Damenschneider und mehrere Schneiderinnen, 1 Lehrmädchen für Miederfabrik, 1 Schirmmacherin. Jüdische Arbeitsgeber 1 Beschäftigt arbeitslose Volksgenossen! Bedient euch unserer unentgeltlichen Arbeitsvermittlung! & Stellenvermittlung des „Verein jüdischer Kandelsangestellter" Wien, II., Stefaniestrasse Nr. 8. Offene Stellen: 1 Manufaktur war enkommis, 1 Galanteriewarenkommis, 1 Manufakturenwaarenpraktikant für Böhmen, 1 Schnittwaarenkommis für Mähren, böhmische und deutsche Sprache erforderlich, 1 Kontorist, absolvierter Handelsakademiker, Stenographie und französische Sprache erforderlich. Vorgemerkte Bewerber: Kommis für Manufaktur und Lederhandlung, Kontoristen, Kontor- und Lagerpraktikanten und Agenten, * Wien. An eine verehrliche Eedaktion der „Welt." Das „Israelitische Schwestern heim" zu Hamburg, fordert junge jüdische Mädchen auf, in das Heim einzutreten. Es ist mit dem jüdischen Krankenhause in Verbindung, welches nicht nur dem Namennach ein jüdisches ist, sondern auch wirklich in jüdischem Sinne geleitet wird. Wenn auch der Beruf einer Krankenschwester ein schwerer und aufopferungsvoller ist, so glaube ich doch, dass sich jüdische Mädchen finden werden, die einen solchen ergreifen wollen. Die Ausbildung ist hier unter bewährter Leitung eine ganz vorzügliche und es wird für jedes Mitglied des Schwesternheims in bester Weise gesorgt. Da nach den Statuten die Schwestern auch in die Privatpflege gesandt werden, so bietet sich hier Gelegenheit, unendlich viel gutes zu tun, nicht nur durch das Wirken als Krankenpflegerin, sondern auch durch moralischen Einfluss. Ich glaube daher, geehrter Herr Redakteur, dass Sie der jüdischen Sache einen guten Dienst erweisen würden, wenn Sie das Schwesternheim durch Veröffentlichung dieser Zeilen unterstützen würden. Das gute Vorbild und die gute Anleitung, welche die jungen Mädchen dort finden, wird sicher ihre Früchte tragen. Ihnen im voraus bestens dankend, zeichne Hamburg. ergebenst Dr. L. Allen. Reverend Dr. Gustav Gottheil Gestorben am 16. April 1. J. in New -York. Geboren im Jahre 1827 in Pinne (Preussen), von frommen Eltern stammend, besuchte Gjo 11 h e i 1 die Berliner Universität und das Rabbinerseminar. Von 1855—1860 war er Rabbiner an dem Berliner Reform-Tempel zusammen mit Samuel Holdheim. Dann übersiedelte er nach England, wo er von 1860—1873 Rabbiner in Manchester war. Im Jahre 1873 kam er nach Amerika, wo er bis zu seinem Tode in einem der grössten Tempel New-Yorks — Emanuel — den Rabbinerposten bekleidete. In den letzten Jahren war er ein sehr tätiger und begeisterter Zionist. Sein Sohn, Professor Richard Gottheil, ist der Präsident der aAmerikanischen Zionistischen Föderation". Korrespondenzen und Telegramme. Oesterreich - Ungarn. Wien. (Aus der Sitzung des Kultusvorsandes.) Am 15. April wurde über die Rabbinerwahl gehandelt. Das Resultat haben wir bereits in der vorigen Nummer der „Welt" mitgeteilt. Wir können uns das Vergnügen nicht versagen, den offiziellen Bericht über diesen Handel ebenfalls mitzuteilen. Unsere Gesinnungsgenossen wissen, ja bereits, wie wir über diese — verzeihen Sie das harte Wort — „Wahr* denken. — Zum ersten Punkte der Tagesordnung, Bestellung von drei Gemeinderabbinern, bemerkt der Präsident, dass zur Beschlussfassung über diese Angelegenheit die Anwesenheit von 22 Vorstandsmitgliedern erforderlich sei, konstatiert gleichzeitig die Anwesenheit von 29 Mitgliedern und ersucht Herxn I. Vizepräsidenten Dr. Stern, das Referat zu erstatten. Vizepräsident Dr. Alfred Stern (!) gibt eine Darstellung der Vorgeschichte der Rabbinerbestellung. Auf Grund von Berufungen wurden zwölf Probepredigten am Freitag abend im Leopoldstädter Tempel und ebensoviel Exhorten beim Mittelschul - Jugendgottesdienste am Samstag - Nachmittag im Stadttempel abgehalten. Es fanden sodann mehrere Besprechungen der Vertrauensmänner statt, aus welchen der Vorstand Gelegenheit hatte, die in der Gemeinde herrschenden Ansichten kennen zu lernen. Hieraus, sowie aus verschiedenen Kundgebungen aus der Mitte der Gemeinde, von Bethausvorstands- und Bezirkskollegien, von anderen Korporationeu und von vielen Gemeindemitgliedern hat sich sozusagen (!) eine öffentliche Meinung gebildet. Es ist den Herren erinnerlich, dass sohin eine allgemeine Besprechung, zu welcher sämtliche Vorstandsmitglieder geladen waren und auch nahezu vollzählig erschienen sind, stattfand, und dass die Erschienenen mit einer an Einhelligkeit grenzenden Majorität sich zugunsten jener Kandidaten erklärten, welche bereits in den früher erwähnten Versammlungen als die geeignetsten bezeichnet worden waren. Das Vertreterkollegium, welches der Frage der Rabbinerbestellung nicht weniger als sieben Sitzungen gewidmet hat, fand keinen Anlass, gegenüber dieser konstatierten communis opinio eine abweichende Stellung einzunehmen, zumal die in Frage kommenden Persönlichkeiten kraft ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten, ihrer bisherigen Wirksamkeit und ihrer Charaktereigenschaften einer Berufung nach Wien würdig erscheinen. Ueberdies wurden neuerlich nach allen Seiten genaueste Erhebungen gepflogen und es liegen über jeden einzelnen der in Aussicht genommenen Kandidaten seitens der glaubwürdigsten Stellen die glänzendsten Auskünfte vor. Das Vertreterkollegium schlage also nach eingehendsten, wiederholten Beratungen und nach genauester Prüfung aller in Betracht kommenden Momente die Herren Rabbiner Dr. E. David aus Düsseldorf, Dr. D. Feuchtwang aus Nikolsburg und Dr. M. Grunwald aus Hamburg zur Berufung als Gemeinderabbiner vor. Der Referent bespricht sodann eingehend deren Studiengang, die bisherige Wirksamkeit und die wissenschaftliche Betätigung jedes einzelnen der genannten drei Herren, bringt zur Kenntnis, dass bezüglich zweier der genannten Kandidaten von hochachtbarer gelehrter Seite Bedenken angeregt wurden, dass diese jedoch von autoritativer (!?) Seite ihre Widerlegung gefunden haben. Er resümiert sohin, dass die drei genannten Kandidaten alle zur Anstellung als Gemeinde-Rabbiner erforderlichen gesetzlichen und statutarischen Qualifikationen, sowohl in Bezug auf die allgemeine Bildung als auch hinsichtlich der theologischen Befähigung zweifellos besitzen. Die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft bei zweien der Genannten sei eine selbstverständliche Voraussetzung für die Bestellung ..... Referent empfiehlt sohin die Annahme der Anträge des Vertreterkollegiums. Anknüpfend an dieses Referat bemerkt der Präsident, dass selbstverständlich bisher keinerlei bindende Unterhandlungen mit den Vorgeschlagenen gepflogen wurden, sondern dass mit denselben nur über jene Bedingungen konferiert wurde, auf Grund welcher dem Plenum die Berufung in Antrag gebracht wird. Nach mehr als zweieinhalbstündiger Debatte, an welcher sich beteiligten die Herren: kais. Rat. Wilhelm Pollak, Prof. Dr. Ehrmann, S. Kauders, Ritter von Taussig, kais. Rat J. WeiL Dr. M. Spitzer, H. Teltscher, Vizepräsident Dr. Kohn, Hofrat S. Taussig, Emanuel Hoffmann, Dr. A. Berger, S. Rosner und Dr. M. Steiner und nach Beantwortung einiger im Laufe der Debatte gestellten Anfragen durch den Präsidenten wird nach dem Schlussworte des Referenten zur Abstimmung geschritten* Bei derselben werden die Anträge des Vertreterkoilegiums auf Berufung der Herren Dr. E. David, Dr. D. Feuchtwang und Dr. M. Grunwald zu Gemeinde-Rabbinern mit einer die statutengemäss erforderliche Zahl weit übersteigenden Majorität angenommen. Nach erfolgter Abstimmung widmet der Referent noch Worte der An-