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Die Welt · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · p. 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Article
Ma nischtano?
Date
1903-04-10
Page
17 (sequence 2)
Language
German
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— 17 — und als jüngst ein jüdischer Schriftsteller dich aufsuchte, weshalb empfingst Du ihn bei der Türe mit den Worten „Ein Almosen kann ich Ihnen geben, aber Llir Werk brauche ich nicht?"____ Warum sind so oft im den Zeitungen deine Spenden für nichtjüdische Zwecke zu lesen und warum hassl; du noch niemals etwas für jüdische Zwecke gespendet. Weshalb macht Mama so eifrig alle Bälle and Wohltätigkeitsakademien mit und wenn es sich um feine Veranstaltung zugunsten der Talmud-Thora-Schule handelt, warum klagt sie da über die Unerträglichkeit des jüdischen Schnorrertums? . ... Weshalb hast Du mich denn just „AlkMades* benannt und nicht „Akiba", wie mein Grossvater eigentlich hiess, dessen Namen ich tragen soll? Inwiefern ist Alkibiades ruhmreicher für uns als unser grossei Gelehrter Rabbi Akiba? . Weshalb tanzt denn meine Schwester Klara so gern an allen Sylvesterabenden, trotzdem ich selber geliört habe; wie man sie „Chaika" und „Zydöwka" (Jüdin) n&nnt? Weshalb mengen sich denn Motel, der Scheider, und Berl, der Tischler und Chaim der Schuster überall hinein, wohin sie nicht gehören und kämpfen für die Rechte anderer, während die anderen sich dies schön verbitten und allerzeat bereit sind, sie nrit Stockhieben auf den rechten Weg zu weisen? .. ♦. Weshalb? War am? Wofür?,---- Das sind meine vier Fragen. Willst I>a sie mir beantworten? Wenn nicht, so werde ich mir selbst eine Antwort suchen .... Unstetes Wandern. Und so zieh' ich meine Strasse Ohne Hast — und ohne Ruh' Still und müd und weltvergessen Immerzu und immerzu. Wie ein Kind, das wegverloren Durch die Heidefremde schweift, Bis die Nacht es schlummerleise Irgendwo am Rain ergreift. Brünn. Richard Preund. tt, Organisation und Separation. Von Lazar Felix Pinkus (Bern). Der kommende Kongress wird eine gegen früher wesentlich veränderte Sachlage vorfinden. War vordem die Masse der Kongressmitglieder eine mehr oder minder heterogene, die sich auch auf dem Kongress heterogen, ohne besondere Differenzierung, zusammenfand, so werden wir heuer verhältnismässig homogene Gruppierungen erblicken, die, von einem bestimmten Bewussts^in getragen, in einer „Teilung der Zionisten in Fraktionen, Gruppen" eine „notwendige Folge der vorhandenen Verschiedenheiten* sehen. (Programm der demokratisch-zionistischen Fraktion.) Dieser Grundsatz — an und für sich richtig — wirft aber doch die Frage auf, inwieweit eine solche Teilung als berechtigt, als .Organisation zu bezeichnen ist und wann sie in ihr Gegenteil, die Separation, umschlägt. Unsere ganze Gegenwartspolitik muss darauf hinauslaufen, die Kongresse so leistungsfähig in organisatorischer und politischer Hinsicht als nur möglich zu machen. Hierbei gilt für unser Parlament ein Wort, natürlich entsprechend modifiziert, das einmal Eduard Bernstein für die Sozialistenkongresse gebrauchte: „Was können und was sollen internationale sozialistische und Arbeiterkongresse? Sie sind zunächst keime Gelehrtentage. Es handelt sich bei ihnen nicht um Feststellungen objektiver, wissenschaftlicher Ergebnisse. Siee sind auch keine Konzilien, die zusammenkrümmen, mm. für alle Zeit giltige Dogmen aufzustellen. Sie sind Zusammenkünfte um praktischen aktuellen Jorderungen der Arbeiter und der Arbeiterparteien Aiasdruck zu geben, die allgemeinen Tendenzen der B-ewegung festzustellen und über die zweckmässigste JUzrt der Geltendmachung dieser Forderungen im d Tendenzen sich zu verständigen." Im allgemeinen gelten diese Ausführungen auch für uns, obgleich unser Kongress in 'viel schärferer Weise oberste Behörde der Partei ist ui«(L sein muss. Es fragt sich nun, auf welche Weise die .Leistungsfähigkeit des Kongresses zur Vollkommenheit gebrieben werden kann. Als oberster Grundsatz wir i uns hierbei gelten müssen, dass die Leistungsfähigkeit des Kongresses eng an die der einzelnen Landesorganisaii onen gebunden ist. Ja dass die Leistungsfähigkeit um so grösser wird, je grösser das Quantum der Arbeit ist, welch es^ die Landesorganisationen geleistet haben. Hieraus ergibt sich, dass jede sich bildende Gruppe oder Fraktion dem Schwerpunkt auf die Arbeit innerhalb der Landesorganisationen verlegt, tdas heisst im Rahmen der Landesorganisation arbeitet, aber nur in diesem Rahmen. In dem_ Augenblicke, wo eine Organisation — sei sie oppositioneller Art oder nicht — sich innerhalb unserer Partei über verschiedene Länder erstreckt, ist ihre Wirksamkeit als lesorganisatorisch, als separatistisch zu bezeichnen, weil ihre Tätigkeit sie jeden Augenblick in Konflikt mit der Landeszentrale bringen kann. Ist ein solcher Konflikt einioal vorhanden, so sind, nur zwei Wege gegeben, ihn auszu tragen. Entweder man fügt sich dem Majoritätsspruch oder man separiert sich. Eine —- beispielsweise oppositionell! e — Gruppe, die, wie unsere Partei selbst, in mehreren Ländern organisiert ist, wird in steter Versuchung sein, uigesichts eines solchen Falles einen dritten Weg zu wählen. Sie wird ihre Kraft benützen, um dem Spruch der Lain desleitung Widerstand zu leisten und doch innerhalb der Partei zu bleiben. Das aber bedeutet ein&« derartige Schädigung des M a j o r i t ä t s p r in zl p s, dassdadurch jeder beliebigen Willkür Tür und Tor geöffnetwird. Was das für unsere junge Partei zu bedeuten hätte, leuchtet ohne Weiteres ein. Hierzu kommt noch, dass es ja einfach widersinnig ist, eine Opposition in unserer Partei derartig organisieren zu wollen. Ebensowenig wie die Parteileitung den Zionisten „aller Länder ohne Rücksicht auf lie jedesmaligen besonderen Verhältnisse eine gebundene Marschroute" vorschreibt, ebensowenig kann demnach die Opposition an allen Orten dieselbe sein. Ja, ich kann mir s^lir wohl einen Fall vorstellen, dass in einem Lande die Opposition sich gegen etwas stemmt, was in dem anderen Lande die Opposition gegen die — nun, sagen wir — Regierungspartei vertritt. Finden sich irgendwo Gruppe» oppositionell gesinnter Parteigenossen, so sollen und müss&n sie sich innerhalb ihrer Landesorganisation zusarnifli-enschliessen und dort ihrem Standpunkt zum Siege zu verhelfen suchen. Die oppositionellen Gruppen der verschiedenen Länder werden sich dann — insofern sie gleichartige Interessen vertreten — auf dem Kongresse schon vom selbst zusammenfinden. 3ine Zusammenfassung der «oppositionellen Gruppen der verschiedenen Länder ist aber unter allen Umständen als verderblich zu bezeichnen. Ei» Beispiel möge das noch des Näheren erläutern. Eine der :noeh weniger geklärten Fragen innerhalb unserer Partei iai; die der ökonomischen Tätigkeit. Es ist sehr wohl möglich, dass sogar innerhalb

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