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Die Welt · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Article
Achad-Haam über "Altneuland"
Date
1903-03-13
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. \4' $mr & Seite5 5 der nicht politisch wäre, dass heisst, der nicht die Schaffung einer Heimstätte für den nicht anpassungsfähigen oder nicht anpassungswilligen Teil des jüdischen Volkes anstrebte, wäre überhaupt kein Zionismus, und wer sich dieses Wortes in einem andern Sinne als in dem vom Baseler Programme definierten bedient, der macht sich gewöhnlicher Bauernfängerei schuldig. Das inussten wir unseren russischen Brüdern sagen, die gute Zionisten sind öde? es doch sicherlich sein möchten und die im Spiele Achad-Bfaams nicht klar sehen. Scheikh-üMsIam Abdullah Quiiiiam Effendi Uber den Zionismus* Am 22. Februar wurde in Manchester ein imposantes zionistisches Meeting abgehalten, in dem auch Abdullah Quiiiiam Effendi eine Rede hielt. A bd u 11 a h Qcu iii iam Effendi ist bekanntlich der Scheikh-ül-Islam der englischen Inseln und selbstverständlich ein eifriger Mohammedaner. Er zeichnet sich durch seine Menschenfreundlichkeit, seine Toleranz und durch seinen grossen politischen Blick aus. Er ist ein überzeugter Philozionist. Dies bewies er wieder durch die Rede, die er in Manchester gehalten hat, in der er — ein Mohammedaner — vor einer grossen öffentlichen Versammlung für den Zionismus plaidierte. Er sprach von den grossen Leiden des jüdischen Volkes und von den innigen, freundschaftlichen Banden, welche die* Juden mit den Mohammedanern verbinden. „Der Zionismus und das Judentum interessieren die Muselmanen lebhafter als die Christen, weil die Moslims mit den Juden durch Bluts- und Geistesverwandtschaft von altersher verbunden sind/ Der Redner bewies durch eine Reihe geschichtlicher Daten, dass die Türkei den Juden gegenüber immer freundlich und wohlwollend gesinnt war und dass die Türken seit jeher den Juden vielmehr Toleranz bewiesen haben als die christlichen Völker. „ Niemals zum Beispiel hat sich die Türkei darüber beklagt, wie es jetzt sogar die Engländer tun, dass ihr Land verjudet werde, trotzdem die Juden in der Türkei immer eine grosse Rolle im Handelsverkehr gespielt haben und immer an ihrer Sprache, ihren Sitten und Gebräuchen festhielten.* „Der Zionismus/ sagte der Redner, „hat b eiS ein er Maj estät dem SultanSympathie gefunden ... denn wäre dem nicht so, wie manche behaupten wollen, dann wäre ich g ewi ss nicht in Ihrer Mitt e," Der Redner ermahnte die Juden, ohne Hast und Uebereilung dem sicheren Ziele des Zionismus zuzusteuern, denn der Zionismus habe die Zukunft für sich. Die Rede wurde von den Teilnehmern des Meetings mit grossem Enthusiasmus, aufgenommen. Die „Ica" vor, dem englischen Parlament Die „Ica" hat sich an das englische Parlament mit dem Ersuchen gewendet, ihre Tätigkeit dahin erweitern zu dürfen, dass sie in die Lage versetzt werde, Schulen, Seminarien, Musterwirtschaften, Vorschusskassen, Industrien und Fabriken zu errichten, zu erhalten oder zu unterstützen, die geeignet sind, Juden zur Auswanderung zu befähigen und ihre Niederlassung in verschiedenen Teilen der Welt zu erleichtern. Ferner suchte die „Icaa darum an, ihr Einkommen zur Unterstützung der Juden auch in anderer Weise verwenden zu dürfen als im Stiftsbriefe vorgegesehen ist. EstltfeiY Im zehnten Monate, das ist im Monate Tebeth, im siebenten Jahre seiner Regierung, wurde Esther vor den König Ahasveros gebracht; Der König aber liebte Esther vor allen Frauen, sie gewann Gunst und Huld bei ihm, mehr denn alle-Jungfrauen..... In einem stillen Hause lebte Hadassa-Esther bei ihrem Verwandten Mordechai Sie war eine elternlose Waise. Kein warmer Blick äi»s Mutteraugen senkte sich tief in die ihrigen, wenn sie sehnsüchtig aus ihren stillen Kinderträumen, aus ihrer heissen" Mädchen sehn sucht ins Leben schaute. Der kluge MordW<fnai leitete ihre Erziehung. Er tat für die Waise, was er lcönnte, und betreute sie, so gut er es verstand. Kann eil Mann, und wäre er selbst ein Edelmensch, die Seele eines aufblühenden Mädchens belauschen, sie lind und leise formen? Den tiefen prophetischen Mutterblick tun in ihr Innerstes Sein? Mordechai war aber vor allem ein klugBT Mann. Und Hadassa war schön und gross geworden und lebte allein .mit ihren Mädchenträumen im stillen Harnse ihres Verwandten. Der König Ahasveros sfber gedachte eines Tages seiner verstossenen Gattin un i fühlte sich einsam. Seine Höflinge wussten guten Rat. Di« schönsten Mädchen seines grossen Reiches sollten ihm worgeführt werden, damit er sich an ihnen erfreue und eine Königin wähle. Und es war im zehnten Monate des sisbenten Jahres der Regierung des Ahasveros, da fiel Esthers Los. Esther hatte ihre Herkunft, ihr;e Abstammung nicht verraten. Ihr kluger Pflegevater hatte es ihr so befohlen. Jetzt war Hadassa Königin. Und in den schimmernden Gemächern des Frauenhauses träumte sie wieder. Sie hatte viele Diener und Dienerinnen- Die Gemächer waren von märchenhafter Pracht. Sie leuchteten von Byssus und Purpur und Marmor, von Golä und Silber. Und der Estrich war „von Porphyr, Marmor, Dar und Soheret". Esther aber blieb einsam in diesem königlichen Gefängnisse. Zum Könige durfte sie nur komimu, wenn er sie zu sich beschied. Und oft vergingen Monate, ohne dass er ihrer begehrte. Und mit durstigen Augen sah Esther in all die zauberische Pracht ihrer Umgebung. Die Krone war auf ihrem Haupte. In ihrem Heizen aber brannte die alte Sehnsucht nach dem Leben. Und Esther lechzte nach dem Leben, tieiss dürstend. Nach dem Leben, das vom Tode gekrönt wird* Der Günstling des König s aber war Haman geworden. Er warf das Los über die Juden, die er hasste. Das Los fiel auf den dreizehnten Tag des zwölften Monates. Das hatte der kluge Mordechai-nicht vorausgesehen. Jetzt musste Esther für ihr Volk «eintreten, sollte es nicht zugrunde gehen. In dieser Gefahr verlangte er von ihr das Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zu einem dem Tode verfallenen Volkskörper. Und als Esther zauderte, drohte er mit der göttlichen Vergeltung- Da fühlte Esther, dass endlich das Leben gekommen sei, mit seinem verheissungsvollen, gebieterischen, qualvollen Mysterium, das Leben, das aufjauchzt vor dem Tode. Utid ihre Augen flammten auf, und ihr Zagen verschwand, und mit heissem Begehren umfasste sie es. Seliges Ringen mit dem Leben, mit dem Tode! Aber keine Mutter hatte dies Herz veredelt. An den höchsten Aufschwung ihres Giesens hängt sich bleischwer die Tagesklugheit des Pflegevaters. Und nimmt den Schmelz von den Flügeln dieser äufstwebenden Seele. Sie-wägt die Chancen. Langsam bereiteFaie den König vor und macht den Feind durch geheucheltes Wohlwollen sicher» Mit wohlberechneter Voraussicht rüstet sie zum vernichtenden Schlage. Und als der Kötiig Haman vor ihrem Lager' knieend findet, da tut sie nichts, um den jäh aufflammenden

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