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Die Welt · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Article
Achad-Haam über "Altneuland"
Date
1903-03-13
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: «ICH IX., Tflrkenslrasse Nr. 9. Telephon 141&9. Erscheint jeden Freitag, Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr, 8, zn richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuserlpte nicht zurückgesendet Sprechstunden der Redaction Häßlich von (0 — 7,12 Uhr. Prtiso der Aoligen: laut aufliegendano. Tarif. Der Inseratemüieü wird Dienstag abends ^«schlössen. Einzelne Nummern 80 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr, 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr, S.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 131,70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mb 3.45, England ganzjährig Shg. 14<—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 5,10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig K, 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien^ Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegjrpten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzj ährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, viertel »ihrig Doli. —.85 Nr. II. Wien, 13. März 1903 — 14. Adar 5663. 7* Jahrgang Achad'Haam Uber „Alineuland". Von Max Nordau. Als ich Herds Roman „ Altneulandu gelesen hatte, drängte es mich, all das Gute, das ich davon dachte, laut auszusprechen. Ich hätte gern im einzelnen gezeigt, wie Begeisterung für den Gegenstand und hohe Schriftstellerbegäbung die etwas unsichere, etwas zweifelhafte Dichtungsgattung der Utopie erneuen, die menschlichen Träger der Fabel, die als Symbole naturgemäss etwas schattenhaft sein riiüssen, in individualisierte Charaktere umzaubern und mit sprudelndem Leben erfüllen, die eisige Lehrhaftigkeif, die von einer Utopie unzertrennlich ist, durch erquickende poetische Wärme ersetzen, einer Luftspiegelung cl*i Phantasie einen erstaunlichen Wirklichkeitsschein verleihen können. Ich hätte auch hervorheben wclilen, welche zugleich schwungvoll schaffende und nüchtern rechnende Verstandesarbeit in den Einzelheiten der perspektivisch geschilderten Einrichtungen des. als neuerstanden gedachten jüdischen Gemeinwesens im Lande der Väter steckt Eine Art Schamhaftigkeit, die jeder fein organisierte Mensch mir nachfühlen wird, bestimmte mich, mir diese Genugtuung zu veisagen.- Man kennt die Freundschaftsbande, die mich mit Herzl verknüpfen. Auf Gerechtigkeit und nun gar auf Wohlwollen haben weder er noch ich zu rechnen. Ich fürchtete, gegnerische Bosheit würde über Kameraderie höhnen, und war nicht tapfer genug, darüber im voraus die Achsel zu zucken. Ich fürchtete es ja auch nicht für mich, denn ich lasse mir die Nichtswürdigkeiten von Burschen, die schlechten Glaubens sind, nicht nahegehen; ich scheute es um Herzls willen, dem es verletzen konnte, wenn unterstellt wurde, er häitte sich von mir Freundesdienste ausgebeten. > Eine Kritik, in der Achäd-Haam an dem Buche und seinem Verfasser sein ' Mütchen gekühlt hat, bestimmt mich indes, meine Zurückhaltung zu überwinden. Es gibt Angriffe, gegen die ein hochgesinnter und stolzer Marii Sich nicht verteidigen kann, die aber gleichwohl abgewehrt und gesühnt werden müssen, wenn das Gerechtigkeitsgefühl nicht allzu schwer beleidigt sein soll. Mein freund Herzl wird mir deshalb verzeihen, wenn ich mich mit seinem Kritiker auseinandersetze. Sehen wir, was Achad-Haam „ilneuland" vorzuwerfen hat. Es ist unwahrscheinlich, dass die Dinge sich so zutragen werden, wie „Altneuland" sie effzählt. Zwanzig Jahre sind ein zu kurzer Zeitraum für dües Vorgänge, die geschildert sind. Es ist nicht der Mühe wert, Uesen Einwand zurückzuweisen. Vorhersagungen gegenüber kann jeder Flachkopf überlegen tun. Herzl stellt Vorgänge dar, die sich seiner Ansicht nach begeben können, wenn seine" Voraussetzungen zutreffen. Ackid-Haam weiss ■es besser. Er kennt die Zukunft ganz genau. Er vermag auf ein Haar anzugeben, was siieh in zwanzig Jahren zutragen wird, was nicht. Wen' ihn für einen untrüglichen Propheten hält, mag ihm glauben. Wer dagegen bezweifelt, dass irgend ein Sterblicher sich unfehlbarer Sehergaben erfreut, der wirfl sich nur über die Dreistigkeit wundern, mit der ikchad-Haam im Namen seiner eigenen Voraussicht Sie doch wohl mindestens ebenso berechtigte Voraussicht Herzls für falsch erklärt, Es ist nicht möglich, durch rasches Aufkaufen alles käuflichen Landes spekulative Preistreiberei zu verhüten, vielmehr müssen diese plötdüchen und umfassenden Landkäufe selbst die Preis© in die Höhe schnellen. Wer die Gründungsgeschichte den Trusts kennt, der weiss, dass gleichzeitige plötzlich^ diskrete Verhandlungen und Abschlüsse mit allen in Betracht kommenden Besitzern das bewährte Mittel sind, um Einverständnisse zwischen diesen und masslose Preisforderungen zu verhüten. Aber woher soll Achad-Haam wissen, was ein Trust ist und wie er gemacht wird? „Es ist nicht ganz klar, wie die Meue Gesellschaft es fertiggebracht hat, hinreichenden Boden für die aus der ganzen Weit zusammengeströmten Millionen Juden zu erwerben, wenn das ganze Getreideland, welches früher in den Händen der Araber war, d. h. also der grösste Teil von Palästina überhaupt, auch fernerhin ungeschmälert in den Händen der Araber verblieb..* Achad-Haam ist das begreiflicherweise nicht ganz klar. Jedem andern Leser ist es ganz klar. Heute gilt in Palästina als. Getreideland nur dasjenige, das den Getreidebau nach arabischen Methoden lohnt. AP.es

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