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Die Welt · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Article
Die Frauen der Bibel
Date
1903-02-27
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 *Die & Welt6? Nr; 9 einer Frau gesetzt wurde. Ans diesem Liede dringt auch heute noch an all jene jüdischen Frauen, welche durch sich selber gross sein wollen, leise, leise die Mahnung, dass? sie sich nicht damit begnügen dürfen, eine Tochter ' ihres Volkes, sondern dass sie ihren Ehrgeiz darein setzen mögen, eine Mutter ihres Volkes zu sein. Das dritte Gemälde ist ein Stimmungsbild; es stellt eine Abenddämmerung dar. Die Sonne neigt sich eilends dem Meere zu; im Norden bedecken graue Gewitterwolken den Himmel und es hat den Anschein, als könnte die finstere Nacht schon im nächsten Augenblicke hereinbrechen. Doch im tiefen Hintergrunde des Bildes erscheint eine Frauengestalt, von welcher ein ganzes Liehtmeer heranflutet, und die weichende Angst macht der Zuversicht Platz, dass es noch eine geraume Zeit hindurch zum mindesten hell bleiben wird. Die Liehtgestak auf diesem Gemälde ist die Prophetin Huldah. Zur Zeit dieser Prophetin herrschte in Judäa eine noch grössere Zerrissenheit als zur Zeit Deborahs. In den Tagen Deborahs waren die Stämme noch nicht miteinander verbunden, wollte jeder Stamm für sieh ein Ganzes sein, in denTagen Huldahs gab es im ganzen nur noch zwei Stämme im Lande, und wenn man die Stimme der Propheten Jeremiah und Zephanjah hörte, konnte man nicht im unklaren darüber sein, dass die Tage Jerusalems gezählt seien. Wohl machte der fromme König Josia die grössten Anstrengungen, dem Götzend'enct und der damit verbundenen Unsittlichkeit zu steuern, aber die Verkehrtheiten wurzelten viel zu tief, als dass er sie hätte beseitigen können. Da trat ein Ereignis ein, welches den König Josia tief erschütterte und zu einer durchgreifenden .Reform aufrüttelte. Der Hohepriester Chilkijah hatte bei der Ausbesserung des Tempels das von Mosens Hand her- Tührende Gottesbuch aufgefunden, und als der König aus diesem Buche die Strafandrohung für des Volkes Abfall sich vorlesen Hess, war er derart entsetzt und erschüttert, dass er vor Schmerz und Eeue seine Kleider zerriss. In dieser Bestürzung sendete Josia auf den Bat desHohepriesters eine Gesandtschaft an die Prophetin Huldah, um sie wegen der Zukunft zu befragen. Wir wissen von dieser Huldah sonst nichts, als dass sie mit Umgehung der zwei- Propheten Jeremiah und Zephanjah um Aufschluss über den Inhalt des Gottesbuches angegangen wurde. Das genügt, um uns darüber aufzuklären, dass die Gattin des Hofbeamten Schallum eine ganz hervorragende Polle im damaligen Staatsleben gespielt hat. Sie hat ganz gewiss öffentlich gegen den Götzendienst geeifert und ihren Zuhörern das herannahende Gottesgericht geschildert, und wenn sie auch wenig Erfolg gehabt, und wenn es auch feststeht, dass die Frauen in Judäa ihre eigenen Männer und Sohne nicht zur Umkehr gebracht, so kann man ihnen doch nicht den Vorwurf machen, dass sie, wie in Hellas und in Pom, die Auflösung des Staates beschleunigten. Im Gegenteil, ein Staat, in welchem 39 Jahre vor seinem Untergange ein Weib, eine Prophetin so viele Geister und Gemüter bewegt und beherrscht, kann und darf sieh dessen rühmen, dass seine Frauen den Zerfair eher hingehalten als herbeigeführt haben. Das vierte Bild der zweiten Gruppe, welches man füglich „Die ersten Frauenrechtlerinnen" nennen kann, belehrt uns,m anschaulicher Weise darüber, dass die Geschichte unseres Volkes neben den Prophetinnen auch solche Frauen aufzuweisen hat, welche durch ihren natürlichen Verstand, durch ihr treffsicheres Urteil, durch ihr kluges Auftreten und durch ihr besonnenes Handeln einen klangvollen tarnen sich erworben haben. Das Bild zeigt uns fünf junge Mädehenköpfe mit flammenden Augen und schwellenden, halb geöffneten Rosenlippen. Es sind Schwestern; das sieht man sofort, denn die Aehnlichkeit in Hallung und Bewegung, in Ausdruck und in Geberde ist eine unverkennbare, Mut und Entschlossenheit verleihen den jungen Gesichten einen über ihr Alter hinausgehenden Ernst. Aber es ist auch eine tiefernste Sache, die sie erfüllt und bewegt. Und man darf kühn behaupten, Männer hätten eine solch heikle Sache niemals so taktvoll in Angriff nehmen können, und was vielleicht ebenso bedeutsam ist, kein Mann der Welt hätte es fertig gebracht, die grosse Frage mit weniger Worten vorzubringen, als es, um endlich ihre Namen zu nennen, die Töchter Zelofehads getan. Es handelte sich für sie um nichts Geringeres als um ihre ganze Zukunft. Ihr Vater war ohne männlichen Erben aus dem Leben geschieden und nach dem herrschenden Gewohnheitsrechte hätten sie bei der Besitzergreifung Palästinas leer ausgehen müssen. Dagegen wehrten sich die fünf Jungfrauen und sie erhoben Protest, indem sie Mose zuriefen: Warum soll, weil unser Vater keinen Sohn hat, sein Name getilgt werden aus seinem Geschlechte? Gib uns Erbbesitz inmitten der Brüder unseres Vaters. Diese erste und letzte jüdische Frauenfrage erhielt auch bald die denkbar günstigste Lösung — durch die Ehe. Die Töchter Zelofehads erhielten ihr väterliches Erbe an Grund und Boden unter der Bedingung, dass sie, wohl nach freier Wahl, aber innerhalb ihres Stammes, ' sich verheiraten. Damit waren die Erbfolge und das Erbrecht der Töchter auf die Dauer gesichert, und die Frauen in Israel konnten sich der Tatsache nicht verschliessen, dass, wenn auch der Mann als Stammhalter, als Träger der Stammeseinheit grössere Rechte hat, die Frau immerhin wesentlich dazu beiträgt, die Stämme miteinander r,u einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. (Fortsetzung folgt.) Der Zionismus als nationale Idee. Von Ernst Mezei. Es gibt noch heute viele in der gebildeten Judenschaft, bei denen die Idee des Zionismus Verwunderung, Staunen und Verlegenheit erregt; auch bei solchen, welche mit innigem Interesse in jedes traurige Problem und jeden schmerzlichen Kampf des modernen Judenlebens blicken; denn es ist Tatsache, dass der moderne Zionismus weder aus dem traditionellen Gefühle der orthodoxen noch aus den bekannten Bestrebungen der fortschrittlichen Judenschaft direkt abgeleitet werden kann. Gewiss ist jedoch, dass diese neue Erscheinung während einiger Jahre in den Strömungen der europäischen Judenschaft eine genug auffällige Furche gezogen hat. — Schon dies muss jedermann davon überzeugen, dass diese Bewegung nicht ohne tiefen Grund sein kann. Davon ist eben die Bede, dass es ein allgemeines Bedürfnis gibt, das die Triebkraft und der gesunde Kern der zionistischen Bewegung ist. Niemand kann die Augen vor der traurigen Tatsache verschliessen, dass der grössere Teil der europäischen Judenschaft tatsächlich in die unerträglichste Lage geraten ist. Hunderttausende verloren in ihrem Vaterlande die elendesten Arten der Lebenserhaltung und sahen keine andere Bettung als den Wanderstab. Musste nicht in jedem Judenherzen das Gefühl des Mitleids sich regen, den Verfolgten beizustehen, den Heimatlosen eine Eichtling zu zeigen? Doch wie und wo kann man mehreren Hunderttausenden heimatlos gewordener und hungernder Mensehen die Vorbedingungen des Fortkommens verschaffen? Hier drang unwillkürlich die Idee in den Vordergrund, welche das positive Zdel des heutigen Zionismus ist. — Was könnte auch unseren heimatlosen Glaubensgenossen, die in ihrem Geburtslande nur ein stiefmütterliches Vaterlaad gefunden,

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