Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 8 (20.2.1903)
- Article
- Philanthropie und Zionismus
- Date
- 1903-02-20
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 „Die & Welt" Seite 3 höher und schöner, stolzer und mächtiger die Symphonie der reinsten Volksliebe, die im wahren Zionismus ertönt und die erstarrte Seele des jüdischen Volkes, sie lind lösend, aufwärts hebt zum sonnigen Ideal, zum Göttlichen! Di\ Sieg.Werner. Eine Erklärung. In mehreren Blättern waren im vorigen Jahre gegen die „Jüdische Kolonialbank" verleumderische Berichte erschienen. Durch die Vertreter der Bank vor Gericht gezogen, haben alle die Geklagten Abbitte geleistet und ihr Vorgehen bedauert. Herr Dr. Bloch, der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", hat nunmehr ebenfalls die Ehrenerklärung abgegeben. Diese Prozesssache hat ihren Abschluss inhaltlich der nachstehenden Protokoll-Erklärung gefunden: Protokoll vom 10, Februar 1903, aufgenommen beim k. k. Landesgerichte in Strafsachen, Wien, Abteilung V. Gegenwärtige: Beginn 10 Uhr. k. k. (X-L.-G.-R. Schwab. Rpt. Dr. Lechner. Es erscheinen Herr Dr. Gustav H a r p n e r, als Vertreter der Privatankläger, weiters Herr Dr* Josef Bloch in Begleitung seines Verteidigers Herrn Doktor Hermann F i a 11 a. Der Vorsitzende der für den 21. Februar 1903 anberaumten Schwurgerichts-Verhandlung in der Ehrenbeleidigungssache der „Jüdischen Kolonialbank" gegen Dr. Josef Bloch, O.-L.-G.-R. Schwab, richtet an den letzteren die Frage, ob er bereit sei, die vorliegende Strafsache aussergerichtlich auszutragen. Herr Dr. Bloch erklärt hierauf, dass er bei der Reproduktion der in der Nummer 23 des Mainzer „Israelit" vom 20. März 1902 erschienenen Kritik der Bilanz der zionistischen Kolonialbank in der Nummer 14 seines Blattes vom 4. April 1902 in keiner Weise beabsichtigte, die persönliche Ehre der an der Verwaltung und Leitung dieser Bank beteiligten Persönlichkeiten antasten oder der Gebarung dieser Bank nahetreten zu wollen. Er verweist darauf, dass die „Oesterreichische Wochenschrift" spontan sowohl die von der „Jüdischen Kolonialbank" an die Redaktion des Mainzer „Israelit" gerichtete Berichtigung, und zwar gleichzeitig mit dem inkriminierten Artikel, als auch inweiterer Folgedie im Mainzer „Israelit" vom 14. Juli v. J. publizierte Erklärung dieses Blattes, sowie das darauf bezügliche Ausgleichs-Protokoll vollständig zur Kenntnis seiner Leser gebracht habe, was den Abgang jeder beleidigenden Absicht auf seiner Seite dartue. Herr Dr. Bloch fügt als selbstverständlich hinzu, dass er auch dermalen keinen Anlass habe, an der vollständig korrekten Gebarung der „Jüdischen Kolonialbank" zu zweifeln; er bedaure, wenn die Publikation in seinem Blatte Anlass zu einer anderen Auffassung gegeben haben sollte und sei ohneweiters bereit, den Inhalt dieser Protokollar-Erklärung durch Abdruck in der nächsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift", und zwar unmittelbar nach dem ersten Artikel, zur Kenntnis seiner Leser zu bringen. Der Vertreter der Privatankläger erklärt, dass er mit Rücksicht auf diese von Herrn Dr. Bloch abgegebene Erklärung nach erfolgter Publikation der letzteren in Dr. Blochs „Oesterreichischen Wochenschrift" die erhobene Anklage zurückziehen werde. Dr. Bloch m. p. Dr. F i a 11 a m. p. Dr. Gustav H a r p n e r m. p* Schwab m. p. Dr. Lechner nu p. Die Kläger haben diese Erklärung angenommen, weil man ihre Nachgiebigkeit mit dem Hinweis auf den Chilhil Haschern von vielen Seiten erbat. Es wäre aber für die Zukunft angezeigt, dass auch unsere Gegner bei ihren Angriffen auf uns auf den Chillul Haschern Rücksicht nähmen» Umso mehr, weil wir Zionisten unseren Gegnern immer in anständiger Weise entgegentreten und derartigen Angriffen, wie sie oft gegen uns geführt werden, nicht ausgesetzt werden sollten. Ein russischer Theologe über den Zionismus. Wir haben in der vorigen Nummer unseres Blattes mitgeteilt, dass der bekannte russische Theologe und Professor der Petersburger Geistlichen Akademie, Iwan Troitzkij, einen Vortrag über den Zionismus halten werde, für welchen in den intelligenten Kreisen von Petersburg sich grosses Interesse kundgebe. Wir sind nun in der Lage, einen Auszug aus diesem Vortrage schon jetzt unseren Lesern mitzuteilen. Professor Troitzkij sagte unter anderem: „Der Zionismus ist das Streben der Judenschaft auf den Grundlagen der jüdischen Geschichte and der modernen Kultur ein autonomes Gemeinwesen zu begründen. Die Grundsätze des Zionismus befinden sich teilweise in den Gebeten und in den theologischen Büchern des jüdischen Volkes, welche von dem Gedanken der Wiederherstellung des jüdischen Reiches und Jerusalems als Residenzstadt durchdrungen sind. Der äussere Anstoss, welcher den Zionismus ins Leben rief, liegt in dem Antisemitismus, welcher in den letzten zwei Dezennien in den Staaten der alten und neuen Welt mit besonderer Kraft zum Ausdrucke kam. Unter dem Einflüsse von Krawallen und der sich immer mehrenden Abneigung gegen die Juden, entstand unter den Juden notgedrungenundfolgerichtig der Wunsch irgendwo in der Welt eine Wohnstätte zu schaffen,, wo sie eine ruhige Existenz führen könnten. Dieser Wunsch fand bereits vor zwanzig in der Gründung der Gesellschaft „Chowewe Zion" in Rumänien kräftigen Ausdruck. Für die Idee des Zionismus traten später auch die Schriftsteller Leon Pinsker und Peretz Smolensky ein, deren zionistische Ideen unter dem jüdischen Proletariat und der jüdischen akademischen Jugend Sympathien weckten. Und doch hat die zionistische Sache erst mit dem Erscheinen Di\ Theodor H e r z 1 s lebendige Formen und einen grandiosen Umfang angenommen. Der „Ju den s t aa t" hat der zionistischen Sache jene Bahnen vorgezeichnet, welche der Zionismus gegenwärtig erfolgreich wandelt. Behufs Gründung eines jüdischen Gemeinwesens muss man sich folgender Faktoren bedienen: man muss ein besonderes Territorium, die Einheit der Sprache, der idealen und der historischen Ueberlieferungen und Erinnerungen haben und materielle Mittel be*