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Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
Philanthropie und Zionismus
Date
1903-02-20
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Tflrkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199, Lrsclieiiu jecen Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction öder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscrlpte nicht zurückgesendet Preist der Anzeigen; laut aufliegendem Tarif. Oer Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen« Einzelne Nummern 30 Heller. Sprechstunden der Redaction täglich von VJ2—7,1 Uhr. * RPTnftalWPI&P ' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3,—. Für das UMUftapiuac . 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Zu Vergleichen zwischen dem vor einer grossen Oeffentlichkeit sich abspielenden Streben des reichen jüdischen Menschenfreundes und Mäzens, der ganz wohl als Typus einer bestimmten Schichte im Judentum gelten kann, und dem weniger beachteten, stillen Wirken der Männer, die, im Volke und mit dem Volke lebend, ihre altruistische Tätigkeit entfalten. Wir haben in unserem Volke, das können wir ohne Ueberhebung sagen, eine grosse Anzahl reicher Männer und Frauen, die für wohltätige Zwecke bedeutende Summen steuern und an humanitären Institutionen oft mit dem Einsätze ihres ganzen Könnens teilnehmen. Baron Hirsch zum Beispiel war gewiss ein grosser Wohltäter der Armen und speziell seiner unglücklichen Glaubensgenossen und er, ebenso wie andere, bewiesen dabei den entschiedenen Willen, auch für die trostlose Zukunft der jüdischen Massen nach Möglichkeit vorzusorgen. Es sind wahrhaft königliche Wohltätigkeitsakte, die sie vollbrachten und ihr Mäzenatentum auch Nichtjudtn und gerade Nichtjuden gegenüber, ihre Freigebigkeit für die Ansprüche der Gesellschaft, in der sie sich bewegten, die äusserliche Hochachtung, die sie geniessen konnten, und selbst die Liebe, auf die sie Anspruch hatten, das alles ist zu bekannt, als dass wir es erst ausführlich erzählen sollten. Welche Spuren liess nun dieses ihr Wirken im öffentlichen Leben zurück, welchen Einfluss hatten sie auf eine glücklichere Gestaltung der Existenz ihrer Volksgenossen? Das sind die Fragen, die sich sofort aufdrängen, wenn man das Leben dieser jüdischenMäzenaten betrachtet. Die erste Frage ist leicht zu beantworten. Der Staat, der sich ihrer reichen finanziellen Mitlei hediente, der ihre Geschicklichkeit auf finanziellem und finanzpolitischem Gebiete verwertete, auch ihre grossen, meist in den Intentionen der Regierung sich bewegenden Wohltätigkeitsakte zur Linderung verschiedener Notstände im Lande, wie auf einzelnen Erwerbsgebieten oder in einzelnen Ständen nicht leicht ablehnen konnte — auch solche Fälle haben sich übrigens ereignet — der Staat kargte gegen die einzelnen nicht mit äusserlichen Ehren und Privilegien. Das war aber auch alles. Aeusserlich waren sie in die herrschenden obersten Schichten emporgestiegen. An Schmarotzern und Kriechern, an Bedientenseelen aus diesen Kreisen fehlte es ihnen nicht. Aber sonst waren sie meistens doch durch unsichtbare, aber auch unübersteigbare Schranken von diesen Kreisen geschieden. Auch der goldene Esel des Sprichwortes konnte diese Festungen der Vorurteile aller Art, des Hasses, des Neides und des angeerbten Hochmutes nicht ersteigen. Soweit nicht die Kaufkraft dieser jüdischen Reichen, die Furcht vor etwaiger Zurückhaltung den Ansprüchen des Staates oder der Gesellschaft gegenüber in Frage kam, waren sie so gut wie einflusslos. Ob sie daran nicht selbst ein gut Teil Schuld trugen, soll hier nicht weiter erörtert werden, denn trotz ihres gerühmten Einflusses auf die Mächtigen dieser Erde, der angeblich immer im stillen fortwirkte, ist das, was sie im Leben ihres Volkes bedeuteten, für unsere Betrachtung das Wichtigere, das Entscheidende. Da ist zunächt eine auffallende, mit der Regelmässigkeit des Gesetzlichen sich wiederholende Erscheinung festzuhalten. Ein jüdischer Reicher gibt tür jüdische ' Zwecke — Ausnahmen seien gerne zugestanden — gewöhnlich ungleich weniger aus als für nichtjüdische. Viertausend Kronen für jüdische Kultuszwecke, vierzigtausend oder vierhunderttausend, eine Million für den Bau einer Kirche, für ein Arbeiterheim oder eine Offiziersstiftung und dgl, das ist gewöhnlich das Verhältnis. Man muss dabei keineswegs glauben, dass dies nur aus dem Grunde geschehe, um eine staatliche Anerkennung, einen Orden oder Titel zu ergattern. Auch solche Motive mögen ja bei einzelnen massgebend sein. Für die Grossen kommt das weniger in Betracht. Eher noch die Spekulation auf eine freundliche Haltung der Gesellschaft, in der sie sich

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