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Die Welt · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · p. 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Article
Idyllen aus der Gass'
Date
1903-02-06
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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„Die j£ Weltt^ Seite 19 sie spricht viel Unsinn. Nach einer Pause fragte sie; „Was hat sie wegen der Kinder gesagt? Dass sie vollauf hätten?4' „Das sagte sie." Und Mirjam machte sich mit einem weichen Ausdruck in ihrem Gesicht* ans Backen, und als sie ihre kleinen Kuchen aushob, streichelte sie dieselben sanft, als ob sie kleine Kinder wären. *) Schule. 2) Moses, unser Lehrer. 3) Unwissender. *) Schwein. 6) Dummkopf. °) Hebräisches Alphabet. 7) Unsinn. 8) Paradies. Das zweite Passah. Einst kommt die Zeit, einst kommt die Zeit, Wenn wir erlöst von Schmach und Leid Und bittrer Schande. Dann sind wir frei, dann sind wir frei Von fremder Gunst und Barbarei — Im eigenen Laude. Das Paradies, das Paradies, Aus dem uns Gott im Zorn verstiess, Ersteht dann wieder. Der Jordan rauscht, der Jordan rauscht, Und seine Woge froh erlauscht Die neuen Lieder. In alter Pracht, in alter Pracht Flammt auf das Licht nach langer Nacht Vom Meeresstrande. Ein Sonnenreich! Ein Sonnenreich! Kein Land auf Erden kommt ihm gleich, Dem Heimatlande. ßäs ist die Zeit, das ist die Zeit, Wenn wir erlöst von Schmach und Leid Und bittrer Schande. Dann sind wir frei, dann sind wir frei Von fremder Gunst und Barbarei — Im eig'nen Lande! E. Erdmann. Altneuland. Dr. Theodor Herzl gewidmet. Ich las in einem Märchenbuche Von einem schönen Zauberland : Mein Volk nach langem Wanderfluche Die alte Heimat wiederfand . , . Erfüllt der Sehnsucht gold'ne Träume! Der Freiheit grosses Werk vollbracht! Es rauschten wieder die Zedernbäume In neu verjüngter Wunderpracht. .. Was früher eine öde Wüste, War wie ein Garten aufgeblüht — Und allenthalben wob und grüsste Das Leben frühlingshauchdurchglüht. Und überall war frohes Regen Und jugendfrische Schaffenslust, Aus jedem Halme quoll der Segen Und Freiheitsglück aus jeder Brust, Jeruscholajim prangte wieder Auf seinem stolzen Fürstenthron, Und wie ein Friede lloss es nieder Vom Karmel und vom Libanon. Und aus den längst zerfall'uen Trümmern Der alte Tempel neu erstand . . 4 Und rings ein Leuchten, Strahlen, Schimmern . . . Ein glücklich Volk im eig'nen. Land! Voll selig-tiefer Glücksempfindung Lauscht* ich dem Märchen wunderhold Und in mir klang es wie Verkündung: „Es ist kein Märchen — wenn Ihr wollt!" Heinrich Grünau. Neues aus Palästina. Professor Sellins Forschungen in Palästina. Vor einem sehr zahlreichen Publikum sprach am 3. Februar der bekannte Palästina-Forscher Professor Dr. Ernst Sellin auf Einladung der Geographischen Gesellschaft im Festsaale des Ingenieur- und Architekten Vereines über „die Ergebnisse seiner Reise nach Palästina". Professor Sellin bemerkte einleitend, dass die Fäden zwischen Palästina, dem „heiligen Lande*, und Europa niemals ganz zerrissen waren. Man habe sich aber mit der Durchforschung des Landes erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ernstlich und eingehend zu beschäftigen angefangen. Der englische und dann der deutsche Palästina- Verein haben die Forschungen mit grosser Energie betrieben und diese beiden Vereine seien auch heute in dem Lande eifrig an der Arbeit. Doch während zuerst nur die Oberfläche des Landes erforscht und studiert würde, habe sich später die Erkenntnis Bahn gebrochen, dass man auch hier wie anderswo zum Zwecke der archäologischen Funde in die Tiefe des Bodens eindringen müsse. Der Vortragende schilderte dann, auf welche Punkte sich die wissenschaftliche Arbeit zuerst hauptsächlich beschränkt habe. Durch badende Kinder sei man im Jahre 1884 in der Tiefe des Bodens auf eine wertvolle althebräische Inschrift gestossen und dies habe den Eifer der Ausgrabungen von neuem angespornt. Man müsse, bemerkte Professor Sellin, so lange die Ausbeute der alten Inschriften so gering sei wie bisher, dem Spruche eines Forschers folgen und die einstige Kultur aus den Topfscherben studieren. Im Jahre 1899 habe er seine erste Reise nach Palästina angetreten und auch er habe die Kinderkrankheiten jedes Forschers erfahren müssen, der seine Geduld nicht bezähmen kann und überall Funde wittert. Mit vielem Humor schilderte der Vortragende die Abenteuer seiner ersten Streifzüge, die von Jerusalem immer weiter und kühner in das Land und dann in langen Märschen nach dem Süden fortgesetzt wurden, bis weit nach Bersaba über Hebron und das judäische Bergland, das in seiner vegetabilischen Abgestorbenheit einem Toten felde gleiche. Nachdem er von JafTa aus mit der Bahn nach Jerusalem zurückgekehrt sei, habe er dann dieEeise nach dem Norden des Landes angetreten und auf diese Wanderung habe er seine ganze Hoffnung gesetzt, die sich auch in wunderbarer Weise erfüllt habe. Durch das alte Land Samarien ziehend, erzählte Professor Sellin, habe er, durch Erfahrung klüger geworden, nur zwei Begleiter mitgenommen und in der Ebene Jesreel einen Hügel namens T a a r e g entdeckt, der an der alten Karavanenstrasse von Babylon nach Egypten liegt. Nach genauer Besichtigung und Vermessung habe er den Plan gefasst, auf diesem Hügel die Ausgrabungen vorzunehmen; aber erst nach vielen Schwierigkeiten, da der Ferman von der türkischen Eegierung, der die Erlaubnis zur Durchführung der Arbeiten enthielt, sehr schwer zu erhalten war, konnte im Jahre 1902 mit den Ausgrabungen begonnen werden. Ungefähr 150 Leute, Fellachen aus der Gegend, wurden zu der Arbeit aufgenommen, die mit unverdrossenem Eifer für geringen Tageslohn tätig waren. In anschaulicher Weise schilderte der Forseber, wie durch Wochen und Monate auf dem einsamen Hügel zwischen angestrengter Arbeit sein Leben dahinfloss und wie patriarchalisch sein Verhältnis zu der Bevölkerung der Gegend geworden war, die

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