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Die Welt · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Article
Der Judenvogt
Date
1903-01-30
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die ■ jfc Welt? falls den Dieb mit def . Beute j zu erwischen. Das Radikidmitfei wäre woh^Väas Haus gut zu versperren. Und ttevod sagt das 'S[:pmit^v-m offiziellen Kundr machuagen wiederholt, dass Üiefür „keine Allmacht eines Staates, hinrei(^e/\^Das einzige ausreichende Mittel wäre die wirtschaftliche und die moralische Hebung weiter Kreisetdes jüdischen Volkes/ Auf welchem Wege, erlauben wir uns zu fragen? Die Juden in ihren jetziger! Ländern bestimmen ihr Schicksal doch nicht selbst! In Fez dürfen sie die Strassen nicht in Schuhen betreten; in Russland ersticken sie, weil die armen Massen zusammengepresst leben müssen; in Galizien hungert sie der Asemitismus aus. Diesem Elend gegenüber bietet die jüdische Wohltätigkeit des Westens ein Spottbild. Und gesetzt den Traum, der Hauptteil der Juden aus dem Osten sei schon in Amerika, was kostet das und wer garantiert für die Amerikaner? Wir laden die durch das Komitee interessierten Kreise ein, in der Bewegung mitzuarbeiten, die die Garantie einer von ihnen angestrebten wirtschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes besitzt. Je mehr Kämpfer für den Zionismus eintreten, desto schneller wird dem Judenvolke geholfen, dem Judenvogte Paroli geboten werden. J. Upfimny. Versammlung der englischen zionistischen Federafion. Das Meeting, das von der „EDglishZiomstFederation" einberufen worden war, wurde Donnerstag (vorige Woche) in Armüeld's Hotel, Finsbury, unter dem Vorsitz des Sir Francis Montefiore abgehalten. Es kamen viele Repräsentanten der zionistischen Vereine in England, sogar von den entlegendsten Teilen des Landes, zum Beispiel aus Edinburgh, zusammen. Dr. Herzl wurde enthusiastisch empfangen. Es begleitete ihn Herr D. Wolffsohn, Direktor der Jüdischen Kolouialbank, Unter den Anwesenden befanden sich die Herren Joseph Co wen, Herbert B entwich L.-L.-B., L. J. Greenberg, D. Lewontin (Manager) und James Loewe (Sekretär der Bank), Dr. Bernstein, Dr. M. Friedeberger, H. Comor, S. Lennox L£o e w e, Jakob Moser, die Beamten der „Z. F." und der Bank und die Vertreter verschiedener Vereine, darunter auch eine Anzahl von Rabbinern aus dem East End und den Provinzen. Sir Francis Montefiore sagte, der Anlass zur Versammlung wäre für dieZionisten ein sehr interessanter, da sie das Vergnügen haben werden, ihren grossen Führer, der inmitten seiner Arbeit in liebenswürdiger Weise zu ihnen gekommen sei, zu hören. Seit Dr. Herzl letztens hier war, haben viele und grosse Ereignisse stattgefunden. Wenn man zurückschaue, werde man wahrlich Grund genug haben, auch der Zukunft mutig entgegenzusehen. Unsere Sache habe in allen Hinsichten Erfolge aufzuweisen, und der nicht geringste ist der, dass die Erbitterung, die erst vor kurzem gegen die zionistische Bewegung herrschte, nunmehr zum grösstenTeile verschwunden ist. Aber die Zionisten müssen stolze Apostel der Freiheit undToleranz sein. So sagte erschon den Delegierten auf dem Baseler Kongress. Und alle waren damit einverstanden, den Gegnern des Zionismus Gutes für Böses zu vergelten, damit alle sich überzeugen, wie edel und gut unsere Sache sei und überaus praktisch und notwendig für die Rettung des Judentums. Der Erfolg des Zionismus hiesse eine Botschaft von Glück und Hoffnung für tausende, hunderttausende von Brüdern, die in ihrer elenden Lage verkümmern. Bedner sagt, jeder gute Jude müsse den Zionismus unterstützen. Sir Montefiore begrüsste dann den Direktor der jüdischen Kolonialbank Herrn W o 1 f f s o h n und weist auf die finanziellen Erfolge der Bank hin. (Applaus.) Er erteilte dann das Wort an Dr. Herzl. ' -. : Als nun Dr. Herzl auf der Rednerbühne erschien, begrüsste ihn das gespannte Publikum enthusiastisch. Er sprach deutsch. Er dankte Sir Francis Montefiore und sprach in kurzen Worten über den Stand der Bewegung. Rabbiner J ud elo witz aus Manchester sprach Jargon und hob hervor, dass die Führer des Zionismus die Forderungen der Religion nicht ausseracht lassen mögen. Herr D. Wolffsohn sprach deutsch und sagte, dass, während Dr. Herzl der Hoffnung Ausdruck gab, dass das Ideal, für das sie kämpfen, bald erfüllt sein werde, er seinerseits sagen könne, dass der Zweig der Bewegung, der ihm am nächsten ist, schon sehr viel geleistet hat. Die Versammlung habe schon gehört, welche Fortschritte die Jüdische Kolonialbank gern acht habe. Die Arbeit war schwer, der Kampf war hart, aber nun steht sie auf festem Grund. Zum erstenmal ist nun die Bank imstande, Profit auf-r zuweisen und kleine Dividenden zu verteilen. Es gab alle Aussichten eines wachsenden Geschäftes, aber die Direktoren waren nicht bloss Geschäftsleute, ihr Geschäft hat ein besonderes Ziel im Auge und dieses ZielistPalästina. (Applaus.) Die Direktoren sind zufrieden damit, dass alles in Ordnung ist und er könne die Rabbiner versichern, dass nichts in der Bank getan wird, was gegen die jüdischen Gesetze und die Religion verstiesse. Die Bank ist keine jüdische Bank, sondern eine Bank des jüdischen Volkes; alle sind Teilhaber des Geschäftes und die Bank könnte nur dann in einem befriedigenden Zustande sein, wenn alle Teilhaber mitarbeiten wollten. (Applaus,) Die übrigen Verhandlungen waren den Organisations¬ und Propaganda-Angelegenheiten gewidmet. Mein Standpunkt. Wir geben folgender Zuschrift des Herrn Abgeordneten im ungarischen Parlamente; Herrn Dr. Somit Visontai Raum: Gerne ergreife ich die Gelegenheit, in den Spalten dieser verdienstvollen Blätter eine Aeusserung über meine Rede abzugeben, die ich im.Parlamente anlässlich der Debatte über das Einwariderungsgesetz gehalten habe. Es wäre wohl zweifellos am richtigsten gewesen, meine Rede ihrem ganzen Inhalte nach zu veröffentlichen, weil ich dadurch in eingehendster Weise die Verleumder und Missgönner hätte entlarven können-, die mit voraus berechneter Planmlissigkeit auch gegen dieses mein letzteres Auftreten getrachtet haben. Der Text meiner Rede würde jedermann :1avon überzeugt haben, was der Zweck meiner Rede war und von welcher Verfassung ich geleitet ward, als ich das Wort ergriffen hatte. Aber die Angriffe hätten auch so zurückgewiesen werden müssen. Das will ich jetzt tun. Das imgarische Einwanderungsgesetz ist kein konfessionelles Gesetz. Keine einzige Zeile desselben ist konfessionell. Seine Bestimmungen besitzen sogar weder den Charakter der Ausnahme, noch den der Konfessionalität. Diese gute Eigenschaft des Gesetzes habe ich bereits bei der Verhandlung im Justizausschusse hervorgehoben und dies war gerade der triftigste Grund dafür, dass ich mich für Annahme dieser Vorlage erklärte. Die meisten Dispositionen des Gesetzes waren schon im Verordnungsrechte vorhanden. Das Gemeinde^esetz vom Jahre 1886, die darauf bezügliche ministerielle Vollzugsordnung und das Abschiebimgsreglement haben auch bisher schon einesteils die Niederlassung in der Gemeinde oder im Lande an bestimmte Bedingungen geknüpft, andererseits den Fremden, der für wirtschaftlich oder moralisch gefährlich gehalten wurde, der Ausweisung, selbst der Abschiebung ausgesetzt. Das gegenwärtige Gesetz hat das Recht der Fremdenverordnung auf legislatorischem Wege der Vollendung entgegengefahrt. Es statuiert dasjenige, was jeder moderne Staat in seinem Fremdenrechte festsetzt, nichts anderes. Ein alberner Politiker wäre demnach derjenige, der selbst mit der konfessionellen Richtung hervorstürzen, oder gar dem Gesetze vom jüdischen Standpunkte aus opponieren würde. Der Jude, dessen Lage überall nur die grossen Prinzipien der Rechtsgleichheit gehörig sichern können, kann niemals zu einer Ausnahmspolitik greifen oder sich.

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