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Die Welt · 1903-01-23 · 4 (23.1.1903) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
4 (23.1.1903)
Article
Zwei Reden von der letzten Generalversammlung de Palästina-Kolonisations-Gesellschaft
Date
1903-01-23
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 JMd & Welt* Nr. 4 finden und jetzt geht es nach Osten, um der Welt wiederum neue Ideale zu geben. (Stürmischer minutenlanger Beifall. Redner wird beglückwünscht und mit Nationalfonds-Marken überschüttet.) Darauf bekam Herr Temkin das Wort: Die Juden, sagte er, interessieren sich für alles Mögliche, nur nicht für das Judentum. Die Juden emanzipierten sich und nahmen die europäische Kultur an, wobei sie sich vom Judentum lossagten. Die Resultate dieser Lossagung waren sehr traurige. In den 8Öer-Jahren überzeugten wir uns davon, dass die Sonne im Westen, von welcher mein Freund und Kollege Ussischkin sprach,*) nur für kurze Zeit wärmte. Die furchtbare Lehre der 80er-Jahre (in Russland) stellte das Judentum vor das Dilemma; Was nun? Sind wir Fremde oder nicht? Leider vergessen wir nur zu schnell die Lehren, die wir bekommen; es genügt, dass man uns einmal das Fell glättet und alles ist wieder vergessen* Aber diejenigen, die das Volk liebten, befanden sich in einer schweren Lage und tiefe Trauer durchzog ihre gekränkte Seele. Smolenski rief die Judenheit zum Judentum zurück, aber wir führten ein anderes Leben und es bedurfte einer schweren schmerzlichen Begebenheit, um die Juden in die Arme des Judentums zurückzubringen. Es traten verschiedene Männer auf, die verschiedene Pläne gaben, wie dieses zu bewerkstelligen wäre./Pinsker war es, der die Lage grell beleuchtete und den Juden ein neues Ideal gab. Lilienblum (er ist anwesend; stürmischer minutenlanger Beifall; Rufe: „Heddad Lilien blum!") rief uns zu neuem Leben, Lilienblum führte uns sozusagen Schritt für Schritt in das neue Leben ein, er zeigte uns die ganze Fäulnis der Vergangenheit und der Gegenwart und zeigte, was uns in der Zukunft erwartet. Die ersten Schritte waren ein trauriger Kampf untereinander. Könnte zum Beispiel ein Deutscher darüber streiten, ob er sich in die Arme des Deutschtums begeben soll? Aber bei den Juden war das wohl der Fall, der beste Teil der Jugend wollte nicht zurück. Was für ein anderes Volk undenkbar und komisch wäre, das fand bei uns statt. Aber doch fand sich ein kleiner Kreis von Menschen, die Pinsker und Lilienblum huldigten, überall Vereine bildeten und so dem Ideale Pinskers dienten. Das gewaltige, leidenschaftliche Wort Pinskers übte doch seine magische Wirkung aus. Das gewaltige, leidenschaftliche Wort war der erste Trieb zur Einheit Judas. Der Kongress in Kattowitz war der Anfang derjenigen Organisation, welche wir allmählich erweiterten und in die neuzionistische verwandelten. Jene Leute wollten die Wiedergeburt des jüdischen Volkes durch die praktische Kolonisation Palästinas bewerkstelligen und unsere Besten waren die ersten, die sich entschlossen haben, dahin zu gehen; es waren die Charkower Studenten, die die Feder mit dem Pflug vertauschten. Das war der erste Samen der Palästina-Kolonisations-Idee. Nur dass es den Kolonisten schlecht ging und die grossen Ereignisse der Achtzigerjahre denjenigen, die das Volk liebten, keine Ruhe gaben. Alle fühlten, dass die Beschlüsse des Kattowitzer Kongresses nicht, hinreichend seien und andere behaupteten, dass diese Idee keinen Boden unter den Füssen habe/ Redner geht dann zur Versammlung in Odessa im Jahre 1886, die leider misslang, über, kommt dann auf die Versammlung in Druszenik zu sprechen und fährt dann fort, von der Versammlung in Wilna zu reden, wo 14 Rabbiner, die früher gegen die Bewegung waren, sich einfanden. Darauf spricht Redner von der Versammlung in Odessa im Jahre 1890, wo es sich leider herausstellte, dass wir keine nationalen Elemente haben, weil wir sklavisch erzogen waren, daher blieben die westeuropäischen Juden auch fern. Aber im Jahre 1897 wurde diejenige Bewegung geschaffen, die *) Gemeint ist wohl Mendelssohn. D. Red. auch in Westeuropa einen Widerhall fand. Der Zionismus ist die Fortsetzung der Arbeit, die schon längst begonnen hatte. Natürlich gaben uns die im Parlamentarismus erzogenen Westeuropäer viel mehr als die früheren Kongresse. Dr. Herzl (beim Nennen dieses Namens wurde ein solcher Beifallssturm im Saale laut, dass es lange dauerte, bis der Redner wieder zu Worte kam) gab uns eine Tribüne, von welcher aus wir Europa unsere Leiden verkünden konnten, von welcher wir Europa mitteilen konnten, dass wir noch Kraft haben uns zu erheben. Redner geht dann zu den anderen Kongressen über und setzte auseinander, was sie geschaffen haben. Er spricht dann weiter von dem Minsker Kongresse, wo alle gegnerischen Elemente sich vereinigten, wohin die Palästina-Kolonisations-Gesellscbaft zum erstenmale ihren Vertreter schickte. Sodann spricht Redner von der jüdischen Intelligenz und schliesst mit feurigem Aufruf an die Frauen: Die Frauen, die sich für alles Schöne und Erhabene begeistern können, wollen nicht die Schönheit unserer Idee verstehen und deshalb nehmen sie einen so kleinen Anteil an unserer erhabenen Bewegung. In Odessa gibt es sehr viele Juden und mit der materiellen Seite bin ich zufrieden, aber mit der moralischen gar nicht. Ich frage: Haben denn unsere Juden, die doch jeden bemitleiden, für ihre eigenen Brüder kein Herz? Aber ich zweifle nicht daran, dass die heute noch fernstehenden Elemente (es waren viele da) bald Hand in Hand mit uns gehen werden. (Beifall.) Der materielle Erfolg des Abends war sehr gross; mehr als 1000 (tausend) Aktien wurden gezeichnet, eine ungeheure Menge Nationalfondsmarken verkauft und für andere zionistische und nationale Zwecke viel gesammelt. A. Benj am in, ing. ehem. Konferenz der italienischen Zionisfen. Auszug aus dem Protokolls der dritten italienischen zionistischen Zusammenkunft (der ersten der Federation), die in Ferrara am 7. Dezember abgehalten wurde: Präsident Avv. Feiice Ravenna, Mitglied des Aktions-Komitees für Italien. Delegierte: Ferrara: ProfessorArnoldo Veneziani. Modena: Avv. Giulio F o a. Mailand: Bettino Levi. Neapel: Rag. Amedeo D o n a t i. Ancona: Rag. Vito A n a u. Herr Benvenuto Donati aus Modena vertritt die „Idea Sionista". Anwesend war nebst vielen Gästen : D. A. S u 11 a m (Venedig). Als Anhänger haben sich unter anderen gemeldet: Professor A. Graziani, Avv. R. Ottolenghi (Acqui), Avv. Rae ah (Mailand), R. M. G. Sonnino (Neapel). Tagesordnung: I. Federation : Folgende Entschlüsse wurden gefasst: a) Die zionistischen Gruppen, die weniger als 30 Mitglieder haben, werden der Federation ohne Beitrag angehören können; b) die Propaganda wird folgenden Gg. anvertraut: dem Präsidenten: Avv. Feiice Rav en n a für Bologna, Florenz, Rom, dem H. Avv. Rag. D o n a ti für Reggio, Parma, Mantua, H. Doktor Sullam für Padua, Venedig, dem Herrn B. L e v i für Turin, c) Man wird ein Zirkular an die jüdischen Notabilitäten in Italien versenden, um dieselben mit den Zielen des Zionismus bekannt zu machen, die einigen noch unbekannt sind, d) Zum Kassier der Federation wurde Rag. Amedeo Donati, zum Sekretär Dr. Guido N e p p i ernannt. II. Nationalfonds: Man ernannte eine Kommission, um diese Institution zu fördern. Die Kommission besteht aus den Herren: Avv. Feiice Ravenna Präsident, Doktor Angelo Sullam (Venedig), Avv. R. Ottolenghi (Acqui), Cav. Binenfeld und Avv. Jarach (Mailand), Professor Sin igaglia (Neapel), Avv. Vito Cerni (Ancona), Avv. Angelo Friedmann (Modena). III. Ueber die Massnahmen der italienischen Zionisten betreffs der rumänischen Frage hat man beschlossen: a) den Wunsch auszudrücken, dass dasWiener Aktions-Komitee durch seine Autorität die Bewegung unterstützen solle, die in den europäischen Parlamenten zugunsten unserer Brüder begonnen, hat; b) sich mit der zionistischen französischen Federation ins Einvernehmen zu setzen, um ein

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