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Die Welt · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Article
Jüdische Splitter
Date
1903-01-09
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 „Di* $t Welt-* Nr. 2 uud erklärten Liebermann: ,Wir sind die Söhne Abrahams, Isaks und Jakobs und sind vom Stamme Assar". Sie fuhren chinesische Namen und gleichen in Sprache, Tracht, Sitte und Gebräuchen echten Chinesen, und doch: „Ihr Gesicht ist echt jüdisch." . Gegenwärtig wird von Seiten der Juden in Shanghai der Versuch gemacht, die Juden von Khai-fung-fu für das Judentum zurückzugewinnen. " Es hat sich zu diesem Zwecke in Shanghai eine Gesellschaft gebildet, die an die Juden in Khai-fung-fu die Einladung ergehen Hess, eine Gesandtschaft nach Shanghai zu schicken. Das ist nach Beendigung der chinesischen Wirren tatsächlich erfolgt und wir reproduzieren in dieser Nummer deren photographische Aufnahme. Diese seit vielleicht zweitausend Jahren vom Hauptstamme abgesonderten Juden zeigen in merkwürdiger Deutlichkeit den jüdischen Rassentypus, allen eine jüdische Rasse borniert leugnenden Reform- Rabbinern zum Trotz ^— denselben Rassentypus, den wir bei einem viele tausend Meilen entfernt von den chinesi-' sehen Juden lebenden anderen Zweige unseres Stammes wiedererkennen: dem Rabbiner aus Tunis. Die Juden in Tunis werden in Juden und Grana eingeteilt. Letzteres Wort soll von Gorny (Plural: Gr äna), Livorneser, herrühren und später eingewanderte spanische Juden, Sephardim, bezeichnen, welche eine schon von altersher dort sesshafte jüdische Bevölkerung dort vorfanden. Endlich bringen wir das Bild des Hohepriesters der Sama ritaner, der kürzlich nach London gekommen ist. Wenn auch durch gesetzliche Vorschriften von den Juden unterschieden, sind die Samaritane'r doch in ethnischer Beziehung Juden, wiewohl gerade bei ihnen die Mischung nachweisbar ist. Sie selbst nennen sich Schomrim, d. i. Hüter des Gesetzes. Ihre Trennung von den Juden fand zur Zeit statt, als ein Enkel des von Esra vertriebenen Hohepriesters Eljaschib, mit Namen Manasse, auf dem Berge Garizim einen eigenen Tempel im Gegensatze zum Jerusalemer Heiligtum erbaute. Der Grund zu dieser Trennung lag in der Purifikation Esras, der die fremden Frauen, welche die "in Palästina " wälirend" des Exils zurückgebliebenen Juden genommen, auszutreiben befahl. Diejenigen, die von ihren Frauen nicht lassen wollten, wandten sich nach Samaria. Zu ihnen gehörte Manasse, der eine Tochter des persischen Satrapen Sanballat zur Frau hatte. Gegenwärtig bilden sie nur eine etwas über hundert Köpfe zählende Gemeinde in Nablus in Palästina. Und auch diese Judenstämmlinge zeigen den jüdischen Rassentypus in ausgesprochener Schärfe. Korrespondenzen und Telegramme. Russland. Petersburg. Der Zusammentritt des vom Ministerium des Innern einberufenen Rabbiner-Kongresses, welcher, wie wir bereits gemeldet haben, an den Beratungen der Kommission zur Reform des jüdischen Eherechtes teilnehmen sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie verlautet, liegt die Ursache dieser Verschiebung darin, dass von autoritativer jüdischer Seite der Kommission ein reichhaltiges Material gegen die geplanten Reformen unterbreitet wurde, welches nunmehr einer Prüfung unterzogen werden soll. .* Petersburg. Die in Russland bestehenden , Staatlichen Elementar-Schulen für Juden", die einzigen den Juden zugänglichen Volksschulen unter staatlicher Aufsieht, in denen jüdische Geschichte, Sprache und Religion in ziemlich grossem Umfange doziert werden, sollen nunmehr auf Antrag des Kurators des Wilnaer Lehrbezirkes einer Reorganisation unterzogen werden. Das Ministerium für Unterricht hat die von ihm in dieser Frage abverlangten Gutachten der Kuratoren der Lehrbezirke bereits erhalten. Leider lauten diese Gutachten dahin, die Schulen ihres speziell jüdischen Charakters zu entkleiden. Cherson. Die Ständeverwaltung von Cherson hat vor kurzem, wie die Zeitschrift „Jug" meldet, einen Beschluss gefasst, welcher die jüdischen Ackerbau - Kolonisten im Gouvernement Cherson in ihren religiösen Gefühlen tief verletzt hat. Die jüdischen Kolonisten hatten vor Jähren in Rahartawa ein eigenes Krankenhaus errichtet, das sie auf eigene Kosten bis vor kurzem erhalten haben. Unlängst ging dieses Krankenhaus in die Verwaltung der Landschaft über, welche sich verpflichtete, eine speziell jüdische Küche zu hälteh, um die kranken jüdischen Kolonisten, welche im Spitale liegen, mit rituell zubereiteten Speisen zu versehen. Vor wenigen Wochen fasste die Ständeverwaltung den Beschluss, die jüdische Küche abzuschaffen. Sie motivierte diesen Beschluss damit, dass die Kolonisten die hierfür schuldigen Gelder nicht bezahlen. Bei der Uebergäbe des Spitales aber wurde von derartigen Zahlungen gar nicht gesprochen* * Mohilew (Pödolien). Die russische Zeitschrift „Odesskij Listok" entwirft in ihrer letzten Nummer ein erschreckendes Bild der Verarmung der jüdischen Bevölkerung der einst industriereichen Stadt Mohilew. Die Notlage der Juden, schreibt der christliche Berichterstatter des Blattes, hat in letzter Zeit an Umfang und Intensität erschreckend zugenommen. Es herrscht unter ihnen buchstäblich eine schwere Hungersnot, welche durch die strenge Kälte noch verschärft wird. * Theodosia (Krim). In dieser schönen, an den Ufern des Schwarzen Meeres liegenden Stadt hat sich kürzlich ein Fall ereignet, welcher für die grosse Anziehungskraft der zionistischen Idee und ihre Verbreitung äusserst charakteristisch ist. Die russische Zeitschrift „Juschny Kurjer" („Südlicher Kurier") berichtet darüber folgendes: „Fünf Schüler einer hiesigen Lehranstalt, Söhne von Juden, welche dem Zionismus huldigen, Von der Erhabenheit der Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes mächtig hingerissen, beschlossen, das Elternhaus zu verlassen und nach Jerusalem zu flüchten. Einer der Schüler, Jacob Melamed, ein Knabe im Alter von zehn Jahren, spricht fliessend die hebräische Sprache. Ein Zufall führte jedoch zur Entdeckung des Fluchtplanes und die kleinen Zionisten mussten die Verwirklichung ihres Planes verschieben.* Tschernigow. Einen für die Lage unserer Volksgenossen äusserst charakteristischen Antrag hat die Budgetkommission von Tschernigow in der Gouvernements-Ständeverwaltung eingebracht. Wie die „Russkija Wjedomosti" melden, hat der Chef der Kommission, Gemeinderat K ot 1 j a r ewskij, den Antrag gestellt, Juden nicht mit Stipendien zu versehen, w|»l die Regierung die erforderliche Genehmigung in den'Fällen, wo der Stipendiat Jude ist, gewöhnlich versagt. Und nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass das Gouvernement Tschernigow im jüdischen Niederlassungsgebiete liegt, wo die jüdische Bevölkerung einen bedeutenden Teil der Ständesteuern zahlt. Wlerw (Zentral-Asien). Wir haben bereits gemeldet, dass die russische Behörde des Gebietes den Beschluss gefasst hat, die dort lebenden Juden auszuweisen. Dieser plötzliche Beschluss wurde denn auch vor kurzem ausgeführt und fast alle in Merw, Karaman, Jalawaisch und Klytsch-Aga lebenden Juden, deren Vorfahren dort bereits ansässig waren, wurden ausgewiesen. Um diese Massnahme einigermassen zu beschönigen, erklärte der „Askhäbad", das offizielle Organ der russischen Oberverwaltung, dass die Juden die einheimische Bevölkerung des Gebietes ökonomisch schädigen. Man stelle sich aber unser Erstaunen vor, als wir in demselben „Askhabad" nunmehr lesen, dass alle salor-turkmenischen Stämme von Karaman, Jalawatsch und Klytsch-Aga dem Chef des Gebietes ein Gesuch überreicht haben, die Juden in ihren bisherigen Wohnorten zu belassen, weil sie in ökonomischer und finanzieller Hinsicht dem Lande und der einheimischen Bevölkerung Nutzen bringen. Kiew. Wie die Zeitschrift „Kiewskoje Slowo" meldet, wurden in Kiew in der letzten Woche 250 Juden polizeilich angehalten und als das Wohnrecht in Kiew nicht geniessend ausgewiesen. Unter diesen Juden befinden sich sogar viele, die in Kiew geboren wurden. Gt.

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