Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 1 (2.1.1903)
- Article
- Dem neuen Jahrgang zum Geleite
- Date
- 1903-01-02
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX«, Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199, Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien» IX., Tfkrkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuserlpte nicht zurückgesendet Sprechstunden der Redaction täglich von YJ2—7J Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Oer Inseratenteil wird Dienstag abends geathioasen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R# 1J5, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Pres. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli, —.85 Nr. I. Wien, 2. Jänner 1903 — 3. Tebeth 5663. 7» lahrgang Dem neuen Jahrgang zum Geleite. Mit dieser Nummer beginnt ein neuer Jahrgang des Verdrusses für jene Juden, die noch an den Rockschössen Fremder hängen und denen wir unentwegt den Narrenspiegel vorhalten; ein Jahrgang des Verdrusses für die jüdischen Trostprediger mit sicherem Einkommen, deren Ansichten und Absichten wir in ihrem Nichts beleuchten; ein Jahrgang der Freude, wie wir hoffen, für diejenigen Juden, für deren Sehnsucht nach Heimat und Freiheit die „Welt" ein Herold ist Wir wollen den Namen „ Judenblattu zu einem Ehrennamen machen ■— mit diesem Versprechen ihrer Gründer trat unsere Zeitung vor die Oeffentlichkeit. Mit Erinnerung an dieses Wort fordern wir heute und jederzeit die Kritik auf, strenge zu walten. Es ist überflüssig, die kaufmännische Makellosigkeit einer zionistischen Institution erst hervorzuheben. Aber ward von uns der Beliebtheit bei den Mächtigen auch nur im Kleinsten Rechnung getragen,, wenn ihr Tun Missbilligung erforderte? Kein umgebrachter Vorteil war ein Hindernis, an den Thrönchen des Judentums zu rütteln/ deren schlummernde Inhaber den Störer ihrer Ruhe unwillig empfingen. Wir schlössen mit keinem Schlagwort vom Tage den kleinsten Ausgleich und haben nicht, wie andere Blätter, voreinst den Liberalismus, heute das Beste, was zu haben ist, den schwächsten Antisemitismus zur Gefolgschaft wärmstens empfohlen. Sondern wir suchten den jüdischen Kleinbürger zum Weltbürger zu machen, seinen Blick von der eigenen Scholle weiterzuleiten. Wir suchten den Juden mit höheren Zwecken, als es ein besseres oder schlechteres Sklavenleben unter seinen Wirtsvölkern ist, wachsen zu lassen, .Nichts begreifen heisst in der Politik bitter hassen. Politische Kurzköpfe setzten sich auf unseren Wegen zu Barrieren zusammen. Manch lustiges Kesseltreiben gegen uns ging durch den Assimilanten- Blätterwald. Uns machte nichts irre an unserem Grundsatz, der Wahrheit, an unserem Leitwort, der Freiheit des Volkes. Das ist Geist vom Geiste des Zionismus, kein Ausnahmsverdienst seines Organes. Dem werdenden jüdischen Volke sind wir Untertan, ihm verantwortlich, seine Vertretung gibt uns die Richtung. Wir hoffen, dass das Erkennen der Frucht den Stamm als ede erscheinen lassen wird. Mit unseren alten Leitmotiven treten wir den neuen Jahrgang an. Die alten Leitmotive haben es vielen recht getan, wie es scheint. Die gelben Hefte mit der Heimat Makkabis im sechsstrahligen Stern gehen weit über die Meere, über den Aequator, als Briefe der Brüder, die sich über die Heimfahrt verständigen. Wir wollen diese Briefe auch so ausführlich als möglich gestalten. Dem Interesse des Zionisten an allen Juden wird durch uns Rechnung getragen werden und wir werden Echo und Spiegelbild aus allen Weltteilen bieten. Die „Welt" wird der Brennspiegel sein, aus dem alles jüdische Leben widerstrahlt. Schon wiederholt ist es an dieser Stelle gestanden : wir haben ein vielköpfiges Redaktionskorps, Jeder Zionist, der etwas Jüdisches melden kann, soll es seinem Organe melden. Jeder Verein soll seine Bedürfnisse bei uns publizieren, Fragen stellen, Auskünfte verlangen. In unserer Tribüne sollen die Vereine in Wechselverkehr treten, den Fortschritt verkünden, den sie aus ihren Massnahmen errungen haben, angeben, welche wirtschaftlichen Vorteile sie als Vereine errungen haben; Ortsgruppen des Westens sollen zum Beispiel hebräische Lehrkräfte von den jüdischen Brüdern im Osten beziehen, diese wieder sollen den Einfluss der westlichen Gruppen auf die deutsch-jüdischen Hilfsvereine für ihre Hausindustrie anrufen* Jedem Rufe jüdischen Lebens wird die „Welt* bereit* willig offenstehen. Mit etwas Neuem treten wir von heute abvor unsere Freunde. „Für die jüdischeFamilie" heisst ein neuer Teil unseres Blattes, der als Werber des Zionismus um die jüdische Frau in die Sabbatstube tritt. Es ist leichter Plauderton, mit dem wir dem jüdischen Weibe vom jüdischen Leben erzählen. Aber ist nicht ihr feines Gefühl, ihr tiefes Gemüt berühmt? Sie, die Stolze für sich, die Hilfsbereite für andere, wird aus einer Andeutung so viel herausnehmen, wie ein rauher Mann aus einem derben Worte. Wir wollen den Weg zum Herzen der Männer durch das Herz des Weibes suchen. Die Huldigung der Künste vor der Grösse Judas wird in Wort und Bild in unserem Rahmen erscheinen*