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Die Welt · 1902-12-12 · 50 (12.12.1902) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
50 (12.12.1902)
Article
Der Text der amerikanischen Protestnote an Rumänien
Date
1902-12-12
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 „Die # Welt" Nrv 50 Grossmut der begünstigteren Gemeinschaft zur Bürde fallen, da mangelt es bei ihrer Einwanderung an den wesentlichen Bedingungen, die sie erwünscht machen könnten. Es ist auf dem Kontinente allgemein anerkannt, dass es den fliehenden Juden sogar in den nicht antisemitischen Ländern unmöglich ist, Unterkunft zu bekommen. Nur Amerika ist ihr einziges Ziel. Die Vereinigten Staaten bieten den Unterdrückten aller Länder ein Asyl, aber ihre Sympathie darf doch ihr volles Recht und die Freiheit, die Aktion des Unterdrückers im Lichte der Einflüsse auf ihr eigenes Land zu betrachten und demgemäss zu urteilen, nicht beseitigen. In Erwägung dessen, dass, wie die Tatsachen, die während der letzten Jahre von der Regierung gesammelt wurden, es besagen, viele Einwohner Rumäniens durch künstlich gemachte Unterschiede ihre Heimat zu verlassen gezwungen sind; dass das gastliche Asyl dieses Landes ihre einzige Zuflucht ist; dass sie hierher kommen, ungeeignet, an dem Leben der Gemeinschaft in geeigneter Weise teilzunehmen, da sie lange Zeit hindurch zu den Wohlthätigkeitsanstalten Zuflucht nehmen müssen — ist das Recht der Regierung der Vereinigten Staaten, gegen Rumäniens Handlungen zu protestieren zugunsten der ersteren, unzweifelhaft. Dieses hilflose Volk der Juden, das in seinem Heimatslande Verstössen und gemartert wird, ist, ob es will oder nicht, durch die Macht Rumäniens gezwungen, sich auf die Wohlthätigkeit der Vereinigten Staaten zu verlassen. Die Regierung der Vereinigten Staaten kann zu diesem Völkerunrecht nicht schweigen. Sie ist gezwungen, gegen die Behandlung der Juden in Rumänien Stellung zu nehmen, nicht nur, weil dadurch ihr selbst unrecht getan wird, sondern im Namen der Menschlichkeit. Die Vereinigten Staaten haben zwar nicht das Recht, sich auf die Verhandlungen des Berliner Vertrages zu berufen, da sie denselben nicht unterschrieben haben, aber wohl auf die Grundsätze, die dort verzeichnet sind, da dies Grundsätze des Völkerrechtes und der ewigen Gerechtigkeit sind; sie fordern die breiteste Toleranz, welche dieser feierliche Vertrag proklamiert und sind bereit, die moralische Unterstützung zu bieten, damit die Signatäre des Vertrages die Einhaltung desselben durchsetzen, da die Handlungsweise Rumäniens die Vereinigten Staaten wirklich mit den in dieser Beziehung interessierten Parteien verbunden hat. Aus diesem Grunde und von diesen Gesichtspunkten aus gebührt es uns, darauf zu sehen, dass bei Abschluss einer Naturalisations - Konvention keine stillschweigende Verpflichtung sich ergebe, diese Unglücklichen aufzunehmen und zu Bürgern zu machen und jede mögliche Folge solcher Verhältnisse ausgeschlossen sei, welche wegen des Glaubens einer Klasse von Menschen gewisse gesetzliche Beschränkungen auferlegen, die eine Schädigung ihrer Interessen in diesem Lande und daher eine Verbannung aus demselben mit dem Verbote der Rückkehr bewirken; auch soll eine Verweigerung des Rechtsbeistandes, welcher allen amerikanischen Bürgern nach Gesetz und Völkerrecht zukommt, unmöglich sein. Englische Politiker über die Verfolgung der rumänischen Juden. Das von uns schon mehrfach erwähnte, in London periodisch erscheinende „Rumänische Bulletin" bringt in seiner neuesten Nummer vom 5. Dezember wieder einige interessante Aeusserungen bekannter englischer Staats* männer über die Verfolgung der Juden in Rumänien. Brief vom Major Evans Gordon. An den Herausgeber des „Roumanian Bulletin" Haus der Gemeinen, 11. Nov. 1902. 5 Geehrter Herr! Ich freue mich, meinen Namen der langen Reihe der Namen anderer Männer, die ihre Sympathie für die rumänischen Juden und ihre Entrüstun über die Behandlung derselben seitens der rumänischen Regierung kundgaben, hinzufügen zu dürfen. Da ich neulich Rumänien besucht habe, um mich von der Lage der Juden daselbst zu überzeugen, zaudere ich keinen Moment, zu sagen, dass es ihnen gerade so schlecht ergeht, wie man es geschildert hat. Das Vorhaben der Mächte, welches die Verbesserung der Lage im Auge hatte, hat seine Wirkung nicht getan und man umgeht und missachtet die Bedingungen, unter welchen die Unabhängigkeit Rumäniens gewährt wurde. Es scheint zwar nicht, dass Aussichten vorhanden sind, dass die europäischen Mächte einmütig in dieSache eingreifen, aber ich hoffe, dass England und Amerika jedenfalls mit vereinten Kräften darnachstreben werden, einen besseren Zustand herbeizuführen. InRumänien setzen die Juden grosse Hoffnungen auf eine Verbindung aller grossen jüdischen Bankhäuser zum Zwecke der Ausübung einer finanziellen Pression auf die rumänische Regierung, die ihren Beistand dringend nötig hat. Die Kupons der Staatsschulden im Werte von 175 Millionen Franks sind im Dezember 1904 fällig und müssen erneuert werden. Wenn aber die Operation günstig durchgeführt wird, ohne den jüdischen Untertanen des Königs Karl eine bessere Lage zu sichern, so wird ihr Los wahrlich bedauernswert sein. Ihr ergebener W* Evans G o r d o n. * Brief von Sir Henry Campbell-Bannerman, Führer der liberalen Partei im englischen Unter hause.! An den Herausgeber des „Roumanian Bulletin" Geehrter Herr! Es freut mich, zu erfahren, dass Sie Massregeln ergreifen, um die Frage der rumänischen Juden vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Ihre Behandlung ist so streng und sogar grausam, dass alle Freunde der Freiheit und Humanität sie verdammen müssen und wir müssen hoffen, dass die öffentliche Meinung Europas die rumänische Regierung zwingen wird, ihre Politik zu ändern. Ihr ergebenster H. Campbell-Bannerman. .* Brief von Sir Wiliam Harcourt. An den Herausgeber des „R o um an i an Bulletin*! Geehrter Herr! Ich habe mit grossem Bedauern und mit Missbilligung über die Behandlung der Juden in Rumänien gelesen und ich bin überzeugt, dass der Unwillen, den diese Behandlung bei Leuten jedes Glaubens und jeder Richtung hervorruft, dazu dienen wird, dieser Verfolgung ein Ende zu machen. Ihr ergebener Sir William Harcourt. * Brief von Mr. Asquifh, früherem Minister des Innern. An den Herausgeber des „Roumanian Bulletin"! Geehrter Herr! Ich stimme von Herzen in den Protest ein, der fast in jedem Teile der Welt gegen die Behandlung der Juden in Rumänien erhoben wird. Die Regierung Rumäniens hat sich durch ihr Verhalten gegen ihre jüdischen Untertanen die Sympathie und die Achtung alier derer verscherzt, denen Freiheit und Gerechtigkeit teuer sind. Ihr ergebenster Asquith. ♦ Aehnlich wie die ob an geführten Parlamentarier hat sich bekanntlich auch der amerikanische Botschafter in Berlin, Andrew D. White, in einem kürzlich veöffentlichten Briefe ausgesprochen. Antisemitismus der Tat. Alle politische Kunst der ins Judentum zurückgeworfenen politischen Wettermacher besteht im Vorgaukeln falscher Hoffnungen. Ein politischer Führer in der Neuzeit des jüdischen Lebens ist der Hauptsache nach ein Armenrat der Massen. Doch da so ein Kirchturmpolitiker nicht weiss, wo hinaus mit dem Elend, so versucht er wenigstens, den lästigen Schrei der Not durch Verschleierung der Wirklichkeit und falschen Trost abzudämpfen. Feile Federn und absterbende Autoritäten aus der guten kurzen Zeit des Freisinns bemühen sich nach Kräften, dem Juden vom Antisemitismus eine ganz eigene Meinung einzu* drillen. Nach dieser Meinung ist der Antisemitismus ein kurä-

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