Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-11-07 · 45 (7.11.1902) · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
45 (7.11.1902)
Article
Eine national-jüdische Hochschule
Date
1902-11-07
Page
13 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3316005-3326009--35650-3326087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 45 „Die 2^ Welt" Seite 13 Schere aus, um auch diesen zu zerschneiden. Daun fallen sie völlig der Deklassierung und der Proletarisierimg anheim. Wozu — fragt der Prophet — frommt ein Stab, dessen beide Enden das Feuer verzehrt hat und dessen Mitte morsch ist? Welcher Stand darf sich allein, ohne Schutz von oben und Zuzug von unten, zu einer Zeit zu behaupten hoffen, wo im leidenschaftlichen Wettbeweib der Nationen nicht einmal die Vereinigung und Anspannung aller Kräfte den Erfolg verbürgt? Die Engherzigkeit und der Fremdenhass nehmen im erbitterten Kulturkampfe rapid zu; wo wird der Jade eine Ruhestätte finden? Die Schrift „Eine jüdische Hochschule" hat das erlösende Wort zur rechten Stunde gesprochen. Das Wort ist hier einer mannhaften Tat gleichzuachten. Das Verlangen nach einer nationalen Anstalt, in der der Leib und die Seele unsereres Volkes zugleich mit Wehr und Waffen für den Daseinsstreit ausgerüstet werden sollen, kann und dar* nicht mehr verstummen. Es muss und wird gewiss als ein vielfaches Echo aus allen Winkeln unseres Zentrums widerhallen. Der Ruf: „Gib mir Jabneh und seine Gelehrten!* wird sich mit heisser Sehnsucht der Brust jedes nationalen Juden entringen. Möge er nur zu keinem verspäteten „Gib mir meine Legionen \" werden. Wien, Ende. Oktober. Ben B a g. ^oll^s^ipfscbaftlicbei3 ^eil. Ueber die Aufnahme der ökonomischen Tätigkeit in das zionistische Programm. Referat des Dr, Ch. D. Gurewitsch aufder Minsker zionistischen Konferenz. III. Kurze Uebersicht und Charakteristik der gegenwärtigen ökonomischen Lage der Juden. Um die Notwendigkeit der ökonomischen Arbeit für den Erfolg unserer nationalen Bewegung zu erweisen, wollen wir zuerst die gegenwärtige ökonomische Lage der Juden in Betracht ziehen. Der charakteristische Zug der jüdischen Lage ist die allgemeine Verelendung aller Schichten des jüdischen Volkes und die Bildung einer besonderen Klasse „Armer", das heisst solcher Personen, die gar keine Einkünfte haben und auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen sind. Wir wollen unsere Behauptung durch einige Zahlenangaben bekräftigen. Da ist eine Tabelle, welche die Beteiligung der Juden an der Industrie des „Ansiedlungsrayons" angibt: Rayon: Nordwestliches Gebiet: Gesamtzahl der Fabriken 2749, Zahl der jüdischen Fabriken 1402, Perzent der jüdischen Fabriken 51.0, die Werte der Produkte in Tausenden Rubeln in allen Fabriken 62.918,5, in den jüdischen Fabriken 29.962.9, Perzentverhältnis*-der Produktion der jüdischen Fabriken 47.6, Zahl de« Arbeiter in allen Fabriken 51.059, in den jüdischen Fabriken 30.105, Perzentzahl der Arbeiter in den jüdischen Fabriken 58.0, Durchschnittliche Produktion in den .nichtjüdischen Fabriken 24.46, in den jüdischen Fabriken 21.4. Rayon : Südwestliches Gebiet: Gesamtzahl der Fabriken 3374, Zahl der jüdischen Fabriken 1143, Perzent der jüdischen Fabriken 33.9, die Werte der Produkte in Tausenden Rubeln in allen Fabriken 159.429.4, in den jüdischen Fabriken 42.939.9, Perzentverhältnis der Produktion der jüdischen Fabriken 27.0, Zahl der Arbeiter in allen Fabriken 108.769, in den jüdischen Fabriken 28.142, Perzentzahl der Arbeiter in den jüdischen Fabriken 25.9, Durchschnittliche Produktion in den nicht jüdischen Fabriken 52.2, in .den jüdischen Fabriken 37.6. Rayon: Südliches Gebiet: Gesamtzahl der Fabriken 1627, Zahl der jüdischen Fabriken 388, Perzent der jüdischen Fabriken 23.9, die Werte der Produkte in Tausenden Rubeln in allen Fabriken 182.600.2, in den jüdischen Fabriken 18.280.7, Perzentverhältnis der Produktion der jüdischen Fabriken 10.0, Zahl der Arbeiter in allen Fabriken 74,775, in den jüdischen Fabriken 5262, Perzentzahl der Arbeiter in den jüdischen Fabriken 7.0, Durchschnitüiche Produktion in den nichljüdiseh« n Fabriken 132.0, in den jüdischen Fabriken 47.1. Des erste, was uns darin auffällt, ist, dass sich im selben Masse mit der Entwicklung der allgemeinen Produktion die Teilnahme der Juden daran verminderte. In dem nordwestlichen Rayon, wo die durchschnittliche Produktion jedes industriellen Unternehmens 22.8 Tausend Rubel und jedes jüdischen 21.4 Tausend Rubel jährlich beträgt, ist die Teilnahme der Juden an der Industrie 47.6 Perzent, das heisst beinahe die Hälfte aller Fabriken befindet sich in jüdischen Händen. Im südwestlichen Rayon aber, wo das durchschnittliche Ztrkulationskapital jedes industriellen Unternehmens 47.2 Tausend Rubel beträgt und das der jüdischen Industrien 37.6 Tausend Rubel, beträgt schon die Zahl der jüdischen Industriellen nur 27 Perzent, das heisst etwa ein Viertel der Gesamtproduktion ist jüdisch. In dem südlichen Rayon, wo die durchschnittliche jährliche Produktion jedes Unternehmens 112.2 Tausend Rubel, der jüdischen aber 47.1 Tausend Rubel beträgt, bildet die Summe der gesamten jüdischen Produktion nur 10 Perzent. Mit anderen Worten, je mehr die Industrie eines Rayons wächst und sich entwickelt, desto geringer wird die Teilnahme der Juden daran. Zwar ist auch die verhältnismässige Zahl der Juden in den verschiedenen Rayons verschieden, aber nicht in solchem Masse, wie die Verschiedenheit in der Produktion. Auch die Vergleichung des Einkommens der jüdischen und nichtjüdischen Unternehmen beweist, dass das jüdische Element aus den grösseren Industrien verdrängt und nur auf das Kleingewerbe angewiesen wird. In dem nordwestlichen Rayon beträgt die Zahl der nichtjüdischen Industrieanlagen 1347 mit 21.554 Arbeitern, das heisst 16 Arbeiter in jeder Fabrik mit durchschnittlichem jährlichen Einkommen von 24.46 Tausenden Rubeln. In jüdischen Händen dagegen finden sich 1402 Industrieanlagen mit 30.105 Arbeitern, das heisst 21 Arbeitern in jeder Fabrik und nicht mehr als 21.4 Tausend Rubeln jährlichem Einkommen. Wir sehen also, dass das jährliche Zirkulationskapital der jüdischen Industrien bedeutend geringer ist, während die Zahl der Arbeiter grösser ist, was von der minderen Produktivität und den geringeren Einnahmen in der jüdischen Industrie zeugt. In den südwestlichen Provinzen finden wir in nichtjüdischen Händen 2231 Fabriken mit 80.027 Arbeitern, also durchschnittlich 36 Arbeiter und 52.2 Tausend Rubel jährliches Einkommen per Fabrik. In jüdischen Händen aber befinden sich nur 1143 Fabriken mit 28.142 Arbeitern, das heisst mit 25 Arbeitern und 37.0 Tausend Rubeln jährlichem Einkonamen in jeder Fabrik. Also gehören auch hier die jüdischen Fabriken zu den kleineren und minder produktiven. In den südlichen Provinzen beträgt die Zahl der nichtjüdischen Industrieanlagen 1239 mit 69.153 Arbeitern, das heisst mit 56 Arbeitern und 132.6 Tausend Rubeln jährlichem Einkommen per Fabrik, während sich in jüdischem Besitze 388 Fabriken mit 5262 Arbeitern und 47.1 Tausend Rubeln jährlichem Einkommen in jeder Fabrik befinden. Wollen wir es nun versuchen, die Entwicklung der Industrie in demselben Rayon in einem gewissen Zeiträume zu vergleichen: Wählen wir als Beispiele drei Gouvernements, von denen die beiden ersteren in den westlichen Provinzen, das dritte aber in der südwestlichen sich befinden. Mohilewer Gouvernement: Jahr 1881: Zahl der Industrieanlagen: allgemeine 1029, jüdische 576, Perzent der jüdischen 56, Zahl der Arbeiter in den Fabriken: allgemein 4362, jüdische 2035, Perzent der jüdischen 46, Produktionssumme in Rubeln: allgemein 1,760.123, jüdische 665.221, Perzent der jüdischen 38, Zahl der Arbeiter in jeder Fabrik: Nichtjuden 5, Juden 3.5, Durchschnittliches Zirkulationskapital jeder Fabrik: Nichtjuden 2417, Juden 1155. Jahr 1897: Zahl der Industrieanlagen: allgemeine 482, jüdische 186, Perzent der jüdischen 38.6, Zahl der Arbeiter in den Fabriken : allgemein 8912, jüdische 5364, Perzent der jüdischen 60, Produktionssumme in Rubeln: allgemeine 8,697.000, jüdische 2,786 500, Perzent der jüdischen 32, Zahl der Arbeiterin jeder Fabrik: Nichtjuden 12, Juden 2.9, Duchschnittliches Zirkulationskapital jeder Fabrik: Nichtjuden 20.000, Juden 15.000.. Wir sehen also, dass die Industrie in dem Gouvernement Mohilew im Jahre 1887 sehr unbedeutend und die jüdische Industrie nur im Keime war. Zu den jüdischen Industrieanlagen zählte man damals auch solche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.