Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Article
- Bericht der ersten zionistischen Landeskonferenz
- Date
- 1902-11-07
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 45 „Die s> Weit" Seite 3 tun, um die Errichtung einer Hochschule^ aber nur in Palästina, zu ermöglichen. Die Ausführungen Dr. Z 1 o c i s t i s:Ohmamies der Kulturkommission für Deutschland, gipfeln darin, dass man versuchen und immer darauf hinarbeiten solle, in bestehenden kulturellen Einrichtungen der jüdischen Gesellschaft mitzuwirken und darin Einfluss zu gewinnen, was in Deutschland schon versucht wird. Ein Antrag, das A.-C. möge die statistischen Kommissionen finanziell unterstützen, wird angenommen, die Höhe des Betrages dem A.-C. überlassen. Bei der Kulturdebatte wurde von verschiedenen Seiten betont und gewünscht, die Zionisten sollten doch nicht die Toleranz so weit treiben, dass offenkundige Gegner oder unverlässliche Anhänger geduldet oder sogar in den Vordergrund geschoben werden. Herr Podlischewsky insbesondere trat dagegen auf, dass A c h a cUH a a m, der offiziell erklärte, keinen Schekel zahlen zu wollen und trotzdem er in seiner Zeitschrift „Haschiloali" den Zionismus bekämpfte, vorder Minsker Konferenz mit einem Referate betraut wurde und ihm Gelegenheit geboten wurde, in einer zionistischen Versammlung gegen den politischen Zionismus zu sprechen und zu agitieren. Wir wollen damit gewiss nicht die Opposition unterdrücken, aber das Baseler Programm sei das Fundament, auf dem jeder stehen müsse, auch der, der uns schärfste Opposition mache. Wer mit unserem Grundprinzip nicht einverstanden sei, mit dem können und wollen wir nicht innerhalb der Organisation polemisieren. In gleicher Weise äusserte sich auch Dr. Klee und viele andere Redner. * Hierauf referierte das A.-C.-Mitglied, Herr Arch. M a r - m o r e k über die Presse. Er gibt ein Gesamtbild der jüdischen Presse in der ganzen Welt, dann eine eingehende Uebersicht der zionistischen und zionsfreundljchen Presse. Er hebt die Bedeutung dieser Presse für die Propaganda hervor und empfiehlt dringend, es möge in allen Versammlungen die Unterstützung der Parteipresse durch die Gesinnungsgenossen gefordert und empfohlen werden. Aber auch durch die Mitarbeit sollen die Gesinnungsgenossen ihre Organe unterstützen. Zum Seliluss werden über Vorschlag des Referenten folgende Beschlüsse einstimmig gefasst: 1. Die Schaffung eines zionistischen Katasters, d. h. die Anlegung eines Verzeichnisses sämtlicher organisierter Zionisten. 2. Die Gründung einer zionistischen Korrespondenz, um Nachrichten über den Stand, die Fortsehritte und wichtigsten Ereignisse im Zionismus der jüdischen und nicht jüdischen Presse zukommen zu lassen. 3. Die Gründung eines englischen zionistischen Organes. 4. Die Vereinigung der zionistischen und zionsfreundlichen Presse zu einem Verbände solle angestrebt werden. * Das Budget für das nächste Jahr wird nach dem Referate des Herrn Dr. Kokeseh genehmigt. Der Antrag von Direktor Ba.rbasch, die Mädchenschule in Jaffa mitzuunterstützeii, wird angenommen. Nach einer Zusammenfassung der erledigten Arbeiten der Konferenz sehliesst der Präsident die Sitzung mit den Worten: Wir haben in diesen kurzen Tagen das zu erledigen uns bemüht, was möglich war. Unsere Pflicht haben wir alle verstanden und verstehen sie weiter dahin, dass wir durch umwölkte und dunklere Tage hindurch den Eifer für unsere Bewegimg wach erhalten müssen für den Tag, den wir alle erwarten und für den unsere Herzen hoffnungsvoll erglühen. (Lebhafter Beifall.) _v Bericht Uber die fünfte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust. (Jüdische Colonialbank), Limited. Abgehalten in Wien a m 31. O k t o b e r 1902. Die fünfte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust, Jüdische Colonialbank, Limited, fand am 31. Oktober 1902 in Wien im Saale des Kongress-Bureaus, IX,, Türkenstrasse 9, um 7,10 Uhr früh statt. Anwesend waren die Herren: D. Wolffsohn, Präsident des Direktoriums S. Barbasch Dr. Katzenelsohti L. Schallt J. Kremenezky I. Bachrach H. Urysohn M. Feldstein Mitglieder des Direktoriums. Ferner Eine Majorität des Aufsichtsrates, D. Levontin, Manager James H. Loewfc, Generalsekretär und 46 andere Aktionäre. Der Präsident eröffnete; die Sitzung mit dem Antrage, die Verhandlungen in deutscher Sprache zu führen, und nachdem der Antrag angenommen war, forderte er den Generalsekretär auf, die statutengem ässe Bekanntmachung bezüglich der Einberufung der Versammlung zu verlesen., woraufhin der Präsident den folgenden Bericht vortrug: Meine Herren! Im Namen des Direktoriums begrüsse ich Sie zu unserer fünften Generalversammlung. Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, will ich unsere Trauer kundgeben über den herben Verlust, den wir durch den Tod z\raer Mitglieder in diesem Jahre erlitten haben: des Mitgliedes unseres Aufsichtsrates Dr. Isaak Rülf und d»es früheren Mitgliedes des Direktoriums Herrn J. S. Sitchs. (Die Versammlung erhebt sich.) Sie haben sicli zum Zeichen der Trauer und Verehrung von den Plätzen erhoben; ich danke Ihnen. Meine Herren! In der vorjährigen vierten Generalversammlung, die erst am Schlüsse des vorigen Jahres, am 30. Dezember 1901, in Basel stattfand, habe ich schon über alle wesentlichen Vorkommnisse desselben Jahres berichtet. Es waren überhaupt nur wenige Punkte, über die ich zu berichten hatte, rla die Geschäftstätigkeit der Bank eist in diesem Jahre begonnen hat. Bis dahin bestand unsere Tätigkeit ja nur in dem Verkauf von Shares und der Deponierung der Gelder. Hierüber finden Sie sämtliche Zahlen und Angaben in der von den vereinigten Bücherrevisoren geprüften und beglaubigten Jahresbilanz, die ich Ihnen hiermit vorlege. (Verliest de Bilanz nebst Berichten der vereidigten Rechnungsr-evisoren.) Die Bilanz, die wir schon im Februar veröffentlicht haben, wurde, wie Sie wohl wissen, von einigen gegnerischen jüdischen Zeitungen in schmählicher Weise angegriffen. Kurze Zeit darauf haben diese Blätter ihre Angriffe reuig zurücknehmen müssen, weil sie sich von der Grundlosigkeit derselben überzeugt hatten. Diese Verleumdungen und Entstellungen konnten doch nur den Zweck haben, Misstranen gegen die Verwaltung zu erregen und ihr die ohnehin schwere Arbeit zu verleiden. Der Aufsichtsrat und das Direktorium der Bank sind sich aber der Aufgabe voll bewusst, die sie mit der Leitung der Bank übernommen haben und können Sie versichert sein, dass wir uns nach wie vor durch nichts, auch nicht durch solche Manöver von der Erfüllung der uns anvertrauten Pflichten abhalten lassen werden. Ueber den jetzigen Stuid der Jüdischen Colonialbank kann ich Ihnen schon Angenehmeres berichten.