Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Article
- Nach der Jahreskonferenz
- Date
- 1902-11-07
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN (X., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199, Erscheint Jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manusorlpte nicht zurückgesendet Sprechstunden der Redaction täglich von 7,12—7,1 Uhr. ♦ Preist der Anzeigen: laut aiifliegendem Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen« Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14,—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R 7.—, halbjährig R 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 45. Wien, 7. November 1902 — 7. Marcheschwan 5663. 6» lahrgang Nach der Jahreskonferenz. Als einige waghalsige Männer vor fünf Jahren den Sammelruf nach Basel in die Welt schickten, warteten sie mit Bangen und Zagen die Wirkung desselben ab . „ * wussten sie doch nicht, ob dieser Ruf nicht ungehört verhallen werde» Der englische Schriftsteller Carlyle vergleicht jede grosse Idee, jeden grossen Menschen einem Funken, der die Menschheit erleuchtet; aber wenn der Funke aufleuchten solle, müsse das Pulver vorhanden sein, in dem er zünden könne. Der zionistische Gedanke schlummerte mehr oder minder bewusst in lausenden jüdischer Herzen, — die Proklamation von Basel hat sie alle geweckt und die heule die ganze Welt umfassende zionistische Bewegung geschaffen. Jeder Kongress war eine grossartige Revue über die in steter Vermehrung begriffene Armee, ein augenfälliges Dementi der von den Gegnern des Zionismus in Anwendung gebrachten Methode der Negierung und Verleugnung derselben. Die Kongresse haben in agitatorischer Beziehung kolossale Wirkungen geübt. Heute ist der Zionismus in der ganzen Welt bekannt und akkreditiert. Grosse Versammlungen aber können höchstens analysieren und kritisieren, schöpferische Arbeit kann nur von kleineren Ausschüssen geleistet werden. Das beweisen alle Parlamente und hat sich auch bei unseren Kongressen ergeben. Die Kongresse hatten für uns nach innen auch die Bedeutung, dass sie die hervorragenden, zur Verfügung stehenden Kräfte ans Tageslicht förderten, die dann gleichsam als Offiziere der Bewegung fungierten. Die Ideen, welche die grossen Versammlungen der aus der ganzen Welt zusammengekommenen Vertreter unseres Volkes erfüllten, rhussten erst in feste Formen gegossen werden, und dies bewerkstelligten die Ausschüsse. Nun wurde auf dem V. Kongresse der Antrag gestellt und zum Beschlüsse erhoben, den Kongress nur alle zwei Jahre einzuberufen, in dem Jahre aber, in dem kein Kongress stattfindet, an dossen Stelle gleichsam die Kongress-Ausschüsse zusammentreten zu lassen. Diejenigen unserer lieben Gegner, die darin ein Zeichen des Verfalles des Zionismus sehen wollen, irren gewaltig: es ist dies eher ein Zeichen unserer Stärke. Wir können bereits der propagandistischen Wirkung der Kongresse entraten und die dadurch ersparten Kosten und Mühen anderweitig verwerten. So ist durch das Entfallen des allgemeinen Kongresses die allrussische Konferenz in Minsk ermöglicht worden, welche einen Erfolg nach jeder Richtung bedeutet. Die Jahreskonferenz aber sollte, ihrer statutarischen Bestimmung entsprechend, nur eine stille Tätigkeit entfalten. Sie sollte durchaus nicht werbend und verkündend wirken, wie die Minsker Konferenz. Die Aufgabe des sogenannten kleinen Kongresses war nur der reine Ausbau unserer Institutionen, die Prüfung der in dem letzten Jahre entfalteten Tätigkeit und der erzielten Resultate und die Beratung und Entscheidung über die fernerhin zu gehenden Wege. Wer von der Jahreskonferenz darum grossartige Verkündigungen und sensationelle Offenbarungen erwartete, war von vornherein im Irrtum. Diejenigen aber, die eine Liquidalion des Zionismus verkündeten, werden ebensowenig auf ihre Rechnung kommen, denn die Konferenz konnte mit Genugtuung die stetigen, greifbaren Fortschritte des Zionismus in der ganzen Welt, die zunehmende Achtung und Beachtung desselben konstatieren. Und wenn auch einzelne Schritte und Verhand* lungen noch zu keinen positiven Ergebnissen geführt haben, so ist schon die Tatsache, dass solche Verhand* lungen geführt wurden, von hoher Bedeutung* Im übrigen aber ist unsere Bewegung in den fünf Jahren ihrer Organisation viel weiter gediehen, als die Ernstesten unter uns anfangs zu hoffen wagten. Und gelangen wir auf unserem Wege manchmal vor Hindernisse, die wir nicht übersetzen können, so müssen wir eben auf neue Mittel und Wege sinnen, um zu unserem Ziele zu gelangen, und vor allem müssen wir trachten, stärker und immer stärker zu werden. In unserer Kraft wird nicht zum geringsten auch das Geheimnis unserer Erfolge liegen. Ein sehr erfreuliches Resultat konnte von unseren Gründungen uns zur Kenntnis gebracht werden: die Verteilung einer Dividende durch unsere Kolonialbank und das Gedeihen des Nationalfonds. Was wurde unserer Bank nicht alles prophezeit und vorgeworfen! Sie macht &lle diese bösen Propheten