Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 44 (31.10.1902)
- Article
- Bericht über die zionistische Jahreskonferenz
- Date
- 1902-10-31
- Page
- 5 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr, 44 „Die # Welt" Seite 5 Person mühevoll in der Schweiz zu schaffen* da man eine solche in London bereits besitze. Man solle der 15ank ein förliiales Eigentumsrecht auf den N.-l?. .einräumen; den man ihr als Stif tung übergibt. Der Vorgang bei genau der sei be, wie wenn jemand einer Stadt eine Geldsumme für ein Spital übergibt mit der Bedingung, dass bestimmte Personen das Geld verwalten. Die Bank dürfe mit dem Oelde gar nichts machen, seine Verwalter können vom Kongress gewählt werden und, um auch in Zukunft vor Unberufenen sicher zu. sein, wird immer nur ein Drittel der Verwalter ausscheiden und die übrigbleibenden Zionisten werden wieder Zionismen wählen. Ueber diese neue juridische Frage wurde vor Beginn der Nach in i t1 a g s s i t z u n g von der N.-F.-Kommi.^sion mit Zuziehung,der übrigen anwesenden Juristen beraten und ia überall juridische Bedenken auftauchten, beöchloss die Konferenz, alle Antrüge, auch den letzten, an die Kommission zurückzureiten, die drei Monate vor dem nächsten Kongress zu einer Sit<;u»2: zusammentreten und ihre endgütigen Anträge formulieren und ihre Uescblitese dem A.-C. für den Kongress unterbreiten soll. In der Nachmittagsr.t*';.iug wurde zunächst der Bericht des A.-C. über die politische TäVi^keii und den Stand der Bewegung eingehend diskutiert und erwog-m. Es sprachen fast sämtliche anwesenden Delegierten. Es lässt sich das Wesen dieser Debatte dahin zusammenfassen, dass ausnahmslos das stetige allerortige Anwachsen der Anhängerschaft des Zionismus konstatiert und dessen gewonnene moralische Bedeutung im Lehen der Judenschaft festgestellt wurde. Zahlreiche Anregungen und Erfahrungen wurden vorgebracht. Die politische Tätigkeit des kleinen A.-C. wurde als ausgezeichnet und dankenswert anerkannt und demselben dafür, wie für seine Gesamttätigkeit, Dank und Anerkennung einstimmig votiert. 3 Hierauf erstattete Obmann Direktor Wolffsohn dien Bericht der Bankkommission. Aus demselben ist zu ersehen, dass das Direktorium in der nächstjährigen Generalversammlung eine Dividende von ca. 3 Prozent in Vorschlag bringen wird. Die bisher noch nicht zur Ausführung gebrachten Beschlüsse und Resolutionen des V. Kongresses sollen sobald als möglich zur Ausführung kommen. Dr. Kokesch erstattete den Bericht des Aufsichtsrates. Beide Berichte wurden einstimmig zur Kenntnis genommen. In der Debatte wurde die Geschäftstätigkeit der Bank eingehend erörtert und vielfache Anregungen und Vorschläge, die auf dieselbe Bezug haben, unterbreitet. Einstimmig war die Anerkennung der Tätigkeit der Bank, die in der Annahme eines Vertrauens- und Dankesvotums "für Direktorium und Aufsichtsrat ihren Ausdruck fand. Ueber Antrag Dr. Kornhäusers stimmte die Konferenz einer Resolution bei, dass der Bank die Unterstützung zionistischer Institutionen nach Tunlichkeit und Möglichkeit empfohlen wird. * Die Obmänner der Kulturkommissionen für Oesterreich und die Schweiz, die Herren Martin Bub er und Privatdozent Dr. Gh. Weitzmann, berichteten der Jahreskonferenz unter anderem über ihre Tätigkeit zur Vorbereitung einer jüdischen Hochschule. Bekanntlich ist diese Frage von den Referenten bereits dem V. Kongresse vorgelegt worden. Seitdem haben sie im Vereine mit Berthold F e i w e 1 eine intensive und systematische Aktion eröffnet. Zunächst wurden Notwendigkeit und Möglichkeit der Hochschule im allgemeinen untersucht. Das Resultat dieser ersten Studien ist die im Jüdischen Verlage, Berlin, erschienene Broschüre »Eine jüdische Hochschule". Des weiteren wurde in Genf ein provisorisches Bureau errichtet, dessen Haupttätigkeit in der Fortsetzung und Erweiterung der begonnenen Studien und in der Propaganda zu bestehen hat. Die Kosten dieses Bureaus wurden mit 25.000 Francs angesetzt. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Begeisterung, welche das Projekt überall erweckt, dass diese Summe in ganz kurzer Zeit und fast ohne Bemühungen des Komitees zum grössten Teile bereits zusammengekommen ist. Das Bureau hat seine Tätigkeit begonnen und zunächst eine grosse Enquete über die Lage und die Lebensverhältnisse ,der jüdischen Studenten vorbereitet. Doch ist auch die Propaganda eingeleitet; insbesondere ist zu erwähnen, dass dem Komitee schon sehr grosse Summen für das Projekt zugesichert worden sind, so dass die materielle Verwirklichung wohl als feststehend betrachtet werden darf. —y. (Fortsetzung des Berichtes in nächster Nummer). Eine Verständigung der österreichischen Zionisten mit der Jüdischen Volkspartei. Die seit einiger Zeit zwischen dem österreichischen Landes-Komitee des Verbandes „Zion" und dem Vorstande der „Jüdischen Volksparfcei" geführten Verhandlungen, betreffend die Vereinbarung eines dauernden Kompromisses, haben nunmehr zu einem Abschlüsse geführt, dessen Grundsätze niedergelegt erscheinen in dem von beiden Parteivertretungen verlautb arten, nachstehend angeführten Protokoll: Die Vertreter der beiden gefertigten Parteien erklären einerseits die von der Jüdischen Volkspartei besonders betonte und betätigte Gegenwartsarbeit, soweit sie die geistige, wirtschaftliche und körperliche Hebung des jüdischen Volkes in sich schliesst, andererseits das vom Baseler Kongress aufgestellte Programm: „Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk" als gemeinsame Punkte der beiderseitigen Programme anzuerkennen und verpflichten sich, rücksichlich dieser beiden Programmpunkte im gegenseitigen Einverständnisse vorzugehen. Die Vertreter der zionistischen Partei Oesterreichs erklären insbesondere, auch in jenen Punkten, welche programmatisch nicht gemeinsam sind, auf Anregung der jüdischen Volkspartei oder aas eigener Initiative mit dieser ins Einvernehmen zu treten und deren Bestrebungen nach Tunlichkeit zu unterstützen. Die Vertreter der Jüdischen Volkspartei erklären ihrerseits das Baseler Programm in oberwähntem Wortlaut in ihr Parteiprogramm vom Jänner 1902 ausdrücklich aufzunehmen, ferner die Realisierung dieses ihres Programmpunktes durch alle geeigneten Mittel, insbesondere durch Förderung der vorbereitenden Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmungen anzustreben, endlich ihren Parteigenossen die Zahlung des Schekels zu empfehlen. Auf diese Grundsätze haben sich die Vertreter der beiden gefertigten Parteien geeinigt und sind dieselben demnach als Grundlage der gemeinsamen Aktionen — selbstverständlich auch der bevorstehenden Wiener Kultusgemeindewahlen — anzusehen. Hinsichtlich der Schekelzahlung erfolgte die Einigung vorläufig auf Basis der fakultativen Form, doch sind diesbezüglich die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen und wird die endgiltige Formulierung einer definitiven Beschlussfassung vorbehalten. Gesehen, genehmigt und geschlossen! Wien, den 23. Oktober 1902. Das österr. Landes-Komitee Die Leitung der ^Verband Zion*. Jüdischen Volkspartei. Folgen die Unterschriften : Korrespondenzen und Telegramme. Zur bevorstehenden Rabbinerkonferenz in Petersburg. Von dem Komitee „Dorsche Zionft in Bialystok erhalten wir folgende Zuschrift: „Anlässlich der erfolgten Einberufung einer Rabbinerkonferenz nach Petersburg, um über gewisse, materielle und geistige Interessen der Juden in Russland betreffende Fragen zu beraten, erlauben wir uns, die Aufmerksamkeit der an der Konferenz teilnehmenden Personen auf den gegenwärtigen Stand der jüdischen Volksschule zu lenken, welche einer radikalen Reform unterzogen werden