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Die Welt · 1902-10-31 · 44 (31.10.1902) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
44 (31.10.1902)
Article
Bericht über die zionistische Jahreskonferenz
Date
1902-10-31
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 44 *m* 4 Seite 3 gen Beratungen wird aber auch die Linie hervorgehen müssen, welche von mm ab einzuschlagen ist, „Wir' sind überzeugt, dass wir auf dem rechten Wege sind. Sollten sich hie und da irgendwo Hindernisse in den Weg stellen, so werden wir wie bisher uns bemühen, immer neue Wege aufzufinden, bis wir an unserem uns unverrückbar vorschwebenden Ziele angelangt sind/f Unsere nächste Aufgabe ist daher immer wieder die Stärkung unserer materiellen Hilfsinstitutionen. Wir haben unsere Organisation energisch und zielbewusst auszubauen und damit auch den mit der Zahl wachsenden Einfiuss auf das geistige und soziale Leben der Juden zu gewinnen. Zu diesem Behufe müssen wir den Beschlüssen des Kongresses gemäss den Fragen der körperliehen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden. Das Licht, das der Zionismus heute dem Judentum ist, muss hellbrennend erhalten werden. Die Arbeit des A.-C, unterstützt von der Partei, wird den Weg zum Ziele zu finden wissen, allen Hindernissen zum Trotze, was immer auch geschehen möge/"' Diese Ausführungen fanden lebhaften Beifall. « Hierauf referierte Dr. Leopold Kahn über den S t a n d des Zionismus in den einzelnen Ländern: In seiner Einleitung besprach der Referent die Aufgaben des Zionismus^ die er in dem Satze zusannnenfasste: ,Die Erziehung des Volkes zum Gemeinwesen, das ist die Erziehung des westeuropäischen Assimilanten zum Juden und die Erziehung des östlichen Juden zum Bürger unserer Zeit. Diese für das Gesamtjudentum erspriesslichen Ziele hat sich die zionistische Agitation gesteckt. Um deren Führung zu vereinfachen, sind gemäss den Beschlüssen des vorigen Kongresses Landesverbände und in diesen Distriktsverbände geschaffen worden, welch letzteren wieder die Ortsgruppen unterstehen. Von den Berichten aus den einzelnen Ländern ist in Europa zu berichten von: Belgien: Eine Ortsgruppe von 175 Schekelzahlern besteht bereits in Antwerpen. Eine Gruppe ist in Brüssel in Bildung begriffen, ebenso in Antwerpen eine Vereinigung zionistischer Hoch schüler, von der man sich gute Erfolge in der Agitation verspricht. Die Lanclespresse beschäftigt sich in eingehender und sympathischer Weise mit unserer Bewegung. Holland: Es bestehen Gruppen im Haag und Amsterdam und in mehreren Provinzsstädten. Das Interesse für den Zionismus bekundet sich darin, dass eine jüdische Zeitung begründet wurde, die sich im Gegensatze zu den bestehenden mit dem Zionismus beschäftigt. Oes|terreich : Die einschneidend durchgeführte ^Organisation arbeitet zufriedenstellend. Ein rascheres Vorwärtskommen als das bisherige. wird durch den Widerstand der zur Assimilation erzogenen Juden verhindert, doch steht der überwiegend grösste Teil der akademischen Jugend in unserem Lager. Der Parteitag in Bielitz war sehr stark besucht und erfolgreich. Im Auftreten anderen jüdischen Vereinen gegenüber hat man in neuester Zeit die Kampfstellung aufgegeben und sucht auf dem Boden von Verständigungen zu arbeiten. Ungarn: Die Vereinsgründung in einzelnen kleineren Orten nimmt guten Fortgang, der durch Eroberung der Hauptstadt sehr beschleunigt würde. Die Bewegung gewinnt langsam in orthodoxen Kreisen Boden und sind dabei für die Zukunft gute Aussichten. Der besonders starke Pressburger Verein hat 9 von 30 Kultusmandaten mit guten Zionisten besetzt. Deutschland : Die Agitation) 'ist hier besonders schwierig; aus den Indolenten muss man Israeliten, aus den Israeliten Juden, aus den Juden Zionisten machen. Trotzdem sind überall Fortschritte zu bemerken. Fast in jeder 'Woche bildet sich eine neue Gruppe, die alten nehmen stetig zu. Die Sympathie weiter Kreise, die früher der Bewegung feindlich gegenüberstanden, wird mehr und mehr gewonnen, grosse jüdische Organisationen nehmen dem Zionismus gegenüber eine ungleich freundlichere Stellung als früher ein. Von den Zentralen Berlin, Cöln, Hannover, Mannheim und Strassburg wird fleissig gearbeitet. Die in den Besitz der Zionisten übergegangene Zeitung „Jüdische Rundschau" entwickelt sieh erfreulich. Eine grosse Akademikerorganisation ist in Vorbereitung, der Vertrieb gesinnungsgenössischer Literatur hat einen grossen Umfang angenommen. Unter den jungen Theologen findet der Zionismus viele Freunde; die Rabbinerkonferenz in Frankfurt a. M. hat gezeigt, dass die Tage des Protestrabbinertums gezählt sind. Frankrei ch : Die ausgezeichneten Leistungen der Leiter der franzosischen Federation sind bekannt. Ausser den Vereinigungen in Paris und Versailles schufen sie in ersterem Orte eine jüdische Volksuniversität, bei deren Besichtigung der Grossrabbiner von Frankreich sagte: „Diese Institution macht denen, die sie geplant und durchgeführt haben, den Zionisten, alle Ehre. Welches immer die Ansicht über den Zionismus sei, eines muss jedermann anerkennen: seine moralische Bedeutung. Der Zionismus hat dem modernen Judentum neues Leben cingeflösst. Er hat die Gefühle, die zu erlöschen drohten, neu angefacht und seine Bestrebungen, die auf die intellektuelle und moralische Hebung des Judentums gerichtet sind, haben grossen Erfolg; dem Zionismus allein verdanken wir die Bückkehr der studierenden Jugend zum Judentum, dem sie fa^t den Rucken gekehrt hatte." Schweiz : Die Erfolge unserer Propaganda sind meist den eingewanderten osteuropäischen Studenten zu verdanken. Aber dank der rühmensweiten Tätigkeit einiger weitblickender einheimischer Juden ist es auch gelungen, einheimische Gemeinden dem Zionismus zuzuführen. Italien: Unter den 40 000 Ir.den dieses Landes haben wir zahlreiche Anhänger, deren Interessen unser Parteiblatt, die „Idea Sionista". vertritt. Bulgarien: Hier tritt eine interessante Erscheinung zutage. Während die sephardisehen »laden der übrigen Balkanhalbinsel sieh scheuen, ihren zionistisch tri Standpunkt zu bekennen, haben wir in Bulgarien gerade in diesen Kreisen viele enthusiastische Gesinnulngsger/iossen. Und während unleugbar überall sonst ein starker Unterschied s-wiavhen sephardisehen und deutschen Juden hervortritt, ist dieser in Bulgarien unter der einigenden Macht des Zionismus vollständig geschwunden. Der Jörn Haschekel wird als jüdischer Nationa l festlag gefeiert und von 35 starken Vereinen aus nehmen unsere dortigen Gesinnungsgenossen tätigen Anteil an der arg verfahrenen kulturellen und politischen Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung. Serbien : Ebenso ist in Serbien der Zionismus in stetem I'ortschritt begriffen. Rumänien: Die derzeitige Tätigkeit ist der herrschenden körperlichen und Bildungsnot der von Schule und Arbeit ausgeschlossenen . Juden zugewendet; von unseren Gg. werden überall Hilfs- und Schulkoni itecs gegründet und bewähren sieh die Zionisten als Führer des Volkes. Russland: Der hochhebende und täglich anschwellende Strom unserer Bewegung brachte das imposante 'Bild des Minsker Kongresses, auf dem 000 Delegierte die dreifache Zahl von Ortsgruppen vertraten. Die Tatsache wurde wiederholt hervorgehoben, welche Bedeutung die Bewilligung dazu seitens der Regierung iil diesem Lande für den Zionismus hat. England: Die offizielle Einladung Di\ Herzh als Experte der königlichen Eimwnderiivysko^misskm ist ein bedeutendes und erfreuliches Ereignis des letzten Jahres. Die Zahl der Share Clubs und Vereine ist in stetem Wachsen begriffen. In den Eabriksstädten haben wir grosse Gruppen. S kandinavien : Aus letzter Zeit stammen Meldungen (Malmö, Kopenhagen) über Bildung von Vereinen. Nordamerika : Die gesetzliche Bestätigung der Fcderaiion trägt unverkennbar den Stempel des Wohlwollens seitens der leitenden Kreise an sich. In Amerika trägt die stattliche Anzahl unserer Blätter und die Teilnahme der Tagespresse viel zum Fortschritt unserer Bewegung beL

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