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Die Welt · 1902-10-02 · 40 (2.10.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
40 (2.10.1902)
Article
Erste Landeskonferenz der russischen Zionisten in Minsk
Date
1902-10-02
Page
6 (sequence 4)
Language
German
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Seite 6 „Die # WeitP Nr. 40 solcher Schulen zu stiften; dabei muss die hebräische Sprache wie eine lebendige Sprache behandelt werden. 2. Diejenigen Personen, die sich dem Lchramte an solchen C'liederims widmen wollen, werden nach den Städten geschickt, wo solche Mnsterehederims?chon existieren (Hornel, Pinsk), um das Unterrichtssystem näher kennen zu lernen. Die Vereine der Stadt, wo man einen solchen Glieder zu eröffnen beabsichtigt, sollen einige Unterstützung gewähren. 3. Die Konferenz erklärt, dass die hebräische Sprache die offizielle der zionistischen Organisation, in der Korrespondenz, in Versammlungen und bei den Kongressen ist. 4. Die Konferenz sehlägt vor, die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache mittelst des Druckes von Büchern mit Punktierung zu erleichtern. 5. Die Vereine sind anzuregen, die hebräische Sprache als Umgangssprache einzuführen, den Zionisten ist als moralische Pflicht das Studium der hebräischen Sprache ans Herz zu legen und. sind spezielle Vereine zu diesem Behuf zu gründen. Ct. Die Konferenz abonniert auf einige Exemplare des voll ständigen Wörterbuches des „Ben-Jelmde" und beruft eine Kommission, der die Verbreitung des Wörterbuches obliegt. 7. Die Landeskonferenz bestimmt eine gewisse Summe zu einem Prcisbewerb für neue Lieder und ästhetische Unterhaltungen zu zionistischen Festlichkeiten. 8. Die Landeskonferenz unterstützt die National-Bibliothek, die von Dr. Chasanowicz gestiftet ist, nach Kräften, zum Beweis der Bedeutung dieser Stiftung für die Zionisten. 0. Die Landeskonferenz bevollmächtigt die zionistischen Picbbiner, eine ...Jenehibe" für jüdische und allgemeine Wissensdnift im zionistischen leiste zu gründen. Die Landeskonferenz wiid dieser Stiftung eine Unterstützung bestimmen. 10. Die Konferenz spricht den Initiatoren der jüdischen Hochschule ihre Sympathie aus und empfiehlt. Mitglieder für den ,.Bur>d der Schriftsteller", der auf dieser Konferenz gegründet wurde, zu werben. Auch eine Wiedergabe des überaus interessanten in der Montag-Xachmittag-Sitzung erstatteten Eeferates von Dr. Ch. D. Horowitz über die wirtschaftliche Lage des jüdischen Volkes behalten wir uns für die nächste Nummer: vor. In der Montag-Abendsitzung wurde die Organisations- Vlohaite auf Grund des Eeferates TJssischkin und zweier Korreferate der Herren Temkin und P api r no fortgesetzt. Mit dem Ergebnis der Kulturdebatte auf der Minsker Konferenz beschäftigt sich „Hameliz" in seiner Nummer 198 an leitender Stelle. Der Artikel Schreiber führt u. a. aus: „Wie erhebend war es doch, als die Versammlung einstimmig den Antrag annahm, dass diejenigen Delegierten^ die für eine national-religiöse Erziehung sind, aus ihrer Mitte einen Fünfcr-Ausschuss wählen, und diejenigen, die für eine national-freisinnige Erziehung sind, gleichfalls einen Fünfer-Ausschuss wählen, damit jede dieser Kommissionen darüber schlüssig werde, was für die Erziehung, die ihre Mandanten wünschen, getan werden könne. Es gab Pessimisten, die voraussagten, es werde bei der Abstimmung über die Kulturfrage förmlich zu Tätlichkeiten kommen. Diese Pessimisten waren nämlich Delegierte, die unsere Rabbiner nicht kennen und sie für sonderbare Zeloten halten. Doch die „Misrachiten" erregten die Bewunderung aller Versammlungsteilnehmer, indem sie die Formel anaiahmen, deren Annahme ihnen von ihrem Standpunkte möglich -war, ohne einen Modus zu fordern, der ihnen am angenehmsten 'gewesen wäre, nämlich die Absetzung der ganzen Frage von der Tagesordnung, welche sie vielleicht mit Hilfe der Stimmen vieler „Gemässigter" hätten durchtsetzen können. Die „Misrachiten" wussten jedoch, dass ein solcher Sieg ihrer Prinziipen nur um den Preis des Friedens errungen werden konnte, indem die Kluft zwischen Orthodoxen und Freisinnigen sich noch mehr erweitert hätte, was erbitterte Kämpfe innerhalb des zionistischen Lagers zur Folge haben musste. Daher verzichteten die Orthodoxen auf einen solchen faulen Sieg und stimmten der besagten Formel zu, die beiden Parteien gerecht zu werden suchte. Heilige Stille herrsehte im Saale, als Rabbiner Reines nach Annahme des allseits befriedigenden Beschlusses ausrief: „Der Herr gebe seinem Volke Kraft, der Herr segne sein Volk mit Frieden." (Ps. 29, V. 11.) Dieser Ausruf drang allen Teilnehmern zu Herzen und lehrte sie, dass der Friede wohl wert sei, um seinetwillen auf Siege zu verzichten, deren Polgen Zwiespalt und Bruderzwist sind." Für den Xationalfonds wurden auf der Minsker Konferenz insgesamt 3000 Rubel gespendet. Die Minsker Landeskonferenz der russischen Zionisten hat beschlossen, ihren gesamten Einlauf an Glückwünschen, Telegrammen, Adressen etc. in einem Band zu vereinigen und diesen in der Xationalbibliothek in Jerusalem hinterlegen zu lassen. Dieses Beispiel verdient, allgemein nachgeahmt zu werden. Auf Betreiben des hebräischen Schriftstellers M o r doliai ben H i 11 e 1 H a k o h e n wurde auf der Minsker Konferenz eine Genossenschaft hebräischer Schriftsteller gegründet, die den Zweck hat, die Standesinteressen der hebräischen Schriftsteller zu wahren, ihren Mitgliedern in Notfällen materielle Unterstützungen zu gewähren, Streitfälle zwischen einzelnen Schriftstellern zu schlichten etc. Der Sitz der Genossenschaft ist bis auf weiteres in Warschau. Dier Gendarnierie-iKommandant von Minsk wohnte der Landeskonferenz als Gast bei. Der Tag, an dem die Kolonialkank ihre geschäftliche Tätigkeit eröffnet hat, wurde von den Teilnehmern der Minsker Konferenz durch eine 100 Rubel-Spende im Goldenen Buche des Nationalfonds verewigt. Der Verlag „Aehiasafdessen Aktionäre in grösserer Zahl an der Minsker Konferenz teilnahmen, hielt während der Konferenztage im Sitzungssaale der Konferenz seine Generalversammlung ab, Die russische zionistische Landeskonferenz. (Reßura^.) Das Allerwichtigste bei der soeben abgehaltenen russischen zionistischen Landeskonferenz ist zweifellos der Umstand, dass die Konferenz frei und unbehelligt stattfinden konnte. Mit der fast vollständigen Legalisierung der zionistischen Propaganda unter den Juden im russischen Reich hat die Bewegung einen ganz anderen Charakter angenommen, und man merkt es an der geschäftigen Unbeholfenheit, mit welcher die antinationalen jüdischen Elemente Wasser auf den emporglimmenden Brand eines neuen Kampfes zu giessen suchten, dass der Kasus anfängt, unseren Quasi-Juden Kopfschmerzen zu machen. Man hat sich in der „Lyschka Szechowa" augenscheinlich arg verrechnet. Man war dort der Meinung, dass das durch einige fanatische Wunderrabbis geweihte Geschoss der Insinuationen und des Deletorentums das ganze zionistische Lager unfehlbar zermalmen müsse; aber es ist anders gekommen. Die altbewährte chassidisch-zelotische Disziplin ict morsch geworden, und wenn schon von gewissen chassidisch gesinnten Rabbinern die Zurechtweisungen aus Göra und Ljubawitsch selbst nicht mehr respektiert werden, so ist es auch nicht zu verwundern, dass die unqualifizierbaren Angriffe des Poltawaer Pseudo-Rabbiners nicht hingereicht haben, um das Selbstbewusstsein der orthodoxen Zionisten zu brechen. Nein, ganz im Gegenteil. Die frommen, aber durch und durch nationalen Reines und Konsorten, die schon vorlängst die Diktatur der Zeloten abgeschüttelt hatten, um ihre eigenen Wege zu gehen, fingen nicht bloss den gegen sie geschleuderten Wurfsniess auf, sondern haben auch mit

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