Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Article
- Der Zionismus
- Date
- 1902-09-19
- Page
- 12 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite n „Dib Wefiw Heil, dass auf äem Böden Mästiiia* sich ein Öemeihweseü entwickelt, tosen Angehörige überwiegend die Schule döüts^her Kultur und deutscher Bildung durcligema<?Ht haben. Das gilt selbst von den Juden Osteuropas, die durch Jahrhunderte hindurch eine deutsche Mundart als Umgangssprache beibehalten haben. Die heutigen christlichen deutschen Kolonisten sind isolierte Einzelheiten unter den orientalischen Völkern in Palästina. Mit dem Momente, wo dort eine kompakte Masse dem Deutschtum verwandter Elemente sieh niederlässt und die wirtschaftlich-kulturelle Erschliessung des Landes beginnt, würde auch eine Verbesserung der materiellen Lage der heute vereinzelt dastehenden deutschen Kolonisten eintreten und dadurch das Band zwischen Deutschland lind dem Orient noch fester geknüpft werden. Denn es unterliegt keinem "Zweifel, dass das deutsche Element Palästinas seine i wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Deutschen Keiche nicht abbrechen, vielmehr nach neuen Anknüpfungspunkten suchen würde., Dies würde dann weiter dazu fuhren, das« die im Orient mit deut-< schein Gelde erbauten Verkehrswege auch auf den Handel und Wftndei des Heimatlandes befruchtend wirken. Es bleibt nur noeli kurz die Frage zu erörtern, ob eine be-: sonders grosse Zahl von Ansiedlern auf dem Flüchenboden Palästina« Unterkunft finden kann? Die Heutige Volksdiehtigkeit Palästinas steht derjenigen der Türke?, welches heute auf den Quadratkilometer 28 Einwohner hat, nach. Sie weist nur etwa 21 Einwohner pro Quadratkilometer auf. In der biblischen Zeit lebten aber in Palästina 3 Millionen Menschen, was bei einem;; Flächeninhalt von 25 Millionen Quadratkilometern einer Volks-* dichtigkeit von 120 pro Quadratkilometer gleichkommt. Nehmen: wir jedoch an, dass die Bevölkerung allmählich auch nur auf 80 Kopf pro Quadratkilometer ansteigt, so liessen sich in Palästina und den angrenzenden Gebieten nach und nach rund 5 Millionen Juden unterbringen. Wird dieses Ziel verwirklicht, so liegt es auf der Hand3 dass hieraus nicht nur für die Juden, sondern auch \ für alle diejenigen Länder bedeutsame Vorteile entstehen, in denen* Juden in grossen Massen wohnen und, was nicht zu leugrien ist^ das Substrat einer brennenden, mit viel Hass und wehig. Sachlich-' keit erörterten Frage!, der Juden frage, bilden. Die Weltwirtschaft erhielte durch Errichtung einer autonomen Judenkolonie in, Palästina ein neues Glied, und die dadurch geschaffene wirtschaftliche- Lösung der Judenfrage wäre gleichzeitig ihre politische Lösung. Ankauf Palästinas/) (Fortsetzung.) Der „Daily Express" erhält fortgesetzt Zuschriften aus dem Publikum, welche sich mit der von Mr. Smeedley-Greene angeregten Frage beschäftigen. Wir reproduzieren in nachfolgendem einige der interessantesten derselben: „Herr Redakteur! Es ist eine alte Geschichte, die einem wohlbekannten Diplomaten zugeschrieben wird, zynisch, aber wahr, welche ich Ihnen in folgendem erzählen will. Nachdem er mehrere Jahre die Gegensätze der griechischen und römischen Kirche in Jerusalem beobachtet hatte, konstatierte er eines Tages, dass der Sultan den Frieden von Europa in seinen Händen habe. Wenn er seine Soldaten aus Jerusalem wegziehen würde, würden die russischen Mönche einerseits und die französischen und italienischen Mönche andererseits sich in kürzester Zeit in den Haaren liegen und ihre Länder nach sich ziehen." „Piain fact." Ein anderer Brief lautet: „Es gibt andere Schwierigkeiten ausser denen, welche Mr. H. Ri der Haggard erwähnt hat. Das heilige Land gehört nach göttlicher Entscheidung den Juden und ihre Wiedereinsetzung ist einzig und allein eine Frage der Zeit. Die zionistische Bewegung ist in Uebereinstimmung mit den hebräischen Propheten und wird deshalb bis zu .-.-_t *) Siehe den Artikel „Ankauf Palästinas" in Nr. 37 der „Welt" vom \%% September 1902. einem gewissen Punkte Erfolg haben; dann wird J^sus Christus in Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen im Alten und Neuen Testamente zurückkehren, um den Thron Davids wieder aufzurichten und das Königreich Israel wieder herzustellen. Eine Republik im heiligen Lande ist im Widerspruch mit Gottes längst erklärter Absicht11 J. J. Andrew. Wieder ein anderer Brief lautet: „Die Schwierigkeiten, welche dem von Mr. A. S. Greens proponierten Kreuzzug von mehreren Seiten entgegengehalten wurden, standen mir alle vor Augen, als ich in meinem Romane „Die Zionisten" einen Plan für die Zivilisation Paläslinas entwarf. Ich glaube, wir müssen wegen seiner Realisierung auf die Juden blicken, wenn sie jedoch zu lange zuwarten, werden die Christen wahrscheinlich unter der Führerschaft eines lebendigen „ Alexander Hawthorn"*) sich selbst in Marsch setzen. Wenn Sir Martin Conway das heutige Palästina „als den einzigen ruhevollen Platz in der Welt" für den an Geist und Körper ermüdeten Pilger ansieht, muss er eine merkwürdige Konstitution haben. Wenn er die unruhigen, ausgetretenen, von Touristen überschwemmten Geleise verlassen will, wird er finden, dass er sehr weit gehen müsste. Winifred Graham." Der bekannte katholische Kanzelredner und Juden-, freund Pater Ignatius schreibt wie folgt: „Wir Anhänger Christi sind durch das unfehlbare Wort Gottes davon in Kenntnis, dass Er Palästina Abraham und seinem Samen für ewige Zeiten geschenkt hat; „dass das auserwählte Volk über die ganze Welt zei streut werden wird, bis die Kirche alle Nationen um sich versammelt haben wird.* Dann werden die Juden und Israeliten in das Land zurückkehren, das Gott ihren Vätern gegeben hat und sie sollen es besitzen. Die Wiederherstellung der heiligen Nation zum Ruhme aller Länder wird das goldene Zeitalter für die gespaltene und missvergnügte Menschheit bringen. Keine fremde Nation kann Palästina wirklich besitzen und darum sind die Kreuzzüge gescheitert. Das Land bleibt eine traurige Ruine und Trümmerstätte Jahrhundert um Jahrhundert. Die Juden, die Israeliten allein können Palästina besitzen, Gott hat es so ausgesprochen. Die Trostlosigkeit Palästinas ist der Beweis für die Offenbarung und muss die teuflische Blasphemie der sogenannten höheren Kritik zum Schweigen bringen: „Der Messias wird zurückkehren. Der Herr wird ihm den Thron seines Ahnherrn David geben und er soll über das Haus Jakob regieren für alle Zeiten und sein Reich wird kein Ende nehmen.* Dann wird das Gebet sich erfüllen: „Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden.* Denn „es soll die Kenntnis des Herrn die Erde erfüllen, wie die Wasser die See erfüllen". Aber zuerst muss dass verbannte Israel in das Land zurückkehren. Es die ist Pflicht des britischen Reiches, den Juden zur Wiedererlangung und Wiederbesiedlung und Wiederherstellung ihres Landes zu helfen und so der Welt „Leben vom Tode" zu bringen, wenn die kurze, aber grosse Trübsal des Tages des Herrn zu Ende ist. Ignatius O. S. B., Mönch. P. S. Dieses ist gemäss der Offenbarung Gottes der Weg zur Lösung der orientalischen Frage und der internationalen Schwierigkeit des Antisemitismus." (Fortsetzung folgt.) *) Die Hauptfigur in dem Romane ,Die Zionisten* von Winifred Graham.