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Die Welt · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Article
Zionistische Demonstrations-Versammlung in Liverpool (England)
Date
1902-09-19
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 38 „Die & Weit« Seite 7 Diejenigen, welche uns als unpraktisch bezeichnen, haben aber bisher noch immer nicht ihren Plan entwickelt. (Gelächter.) Wie können sie den unseren als unverwirkliehbar bezeichnen, beror der Versuch gemacht ist? Ich bin von der Möglichkeit der Verwirklichung unseres Planes durchdrungen. Er hat vor allem die Sanktion der blassen des jüdischen Volkes erhalten; das ist die erste Bedingung des Erfolges. Grosse Umgestaltungen können nicht von oben herab gemacht werden: sie müssen vom Volke selbst ausgehen. Im ganzen Judentum gibt es keine gleich mächtige und einheitlichere Partei als die zionistische. Ist es gar nichts, dass solche Opfer gebracht wurden, um die Jüdische Kolonialbank zustande zu bringen? Die Armen haben ihre Pflicht getan: die reiche und Mittelklasse muss nun heran; und ich appelliere auch an die Christen. Wir haben euch das grösste Geschenk gemacht, das je ein Volk einem anderen zuteil werden Hess: die Bibel. Solltet ihr uns nicht eure Hilfe leihen, um uns zu unserem eigenen Lande zu verhelfen, in das wir zurückkehren könnten? Schwierigkeiten gibt es überall zu bewältigen. Keiner kennt sie besser als wir. Aber sie sind nicht unübersteigbar. Die Hilfsquellen der Zivilisation sind nicht erschöpft. Wir wollen das Gespenst der .Judenfrage den Mächten aus den Weg schaffen. Wir wollen die Wüste zu einem Garten umgestalten und volkreiche und geschäftsreiche Städte in dem wüsten Lande schaffen. Wir wollen Pioniere ihres Handels sein, West nach Ost und Ost nach West bringen. Kein Arolk ist dazu so geeignet, wie das unsrige. Palästina kann nicht länger brach liegen. Es ist noch ein gefährlicher Fleck auf der Karte. Die gegenseitige Eifersucht der Mächte wird keiner gestatten, sielt dieses Landes zu bemächtigen. Im Falle dies doch geschähe, würde das Land zum Schauplatz blutiger Kriege werden. Ihre heiligen Stätten werden von uns in Ehren gehalten werden, oder sie mögen exterritorial gemacht oder unter dem Schutze der Mächte stehen, wie der Vatikan in Horn. Durch Jahrhunderte hindurch Ives'tehen die Gegensätze und Gefühle der Feindschaft zwischen Juden und Xichtjuden. zeitweilig werden sie unterdrückt, wiederholt sind sie zum aktiven Ausbruch gekommen. Lassen Sie uns für immer Ihre Freunde und Schuldner werden, indem sie uns zu einem eigenen Heim verhelfen, und dieses Heim kann nur Palästina sein, das Land, auf das seit der Zerstreuung der Sinn der Juden fortgesetzt gerichtet blieb. Die jüngsten Verhandlungen haben den vollen Beweis erbracht, dass der Sultan nicht in grundsätzlichem Gegensatze zu uns ist. Er hätte Dr. Herzl nicht nach Konstantinopel eingeladen, wenn dies der Fall wäre. Dr. Herzl selbst war es, der es öffentlich verkündete, dass die Verhandlungen noch zu keinem Erfolge geführt haben, aber zu gleicher Zeit mitteilte, dass die Verhandlungen nicht ganz abgebrochen worden sind, und dass er die Hoffnung* nicht aufgehe, dass sie zu einein gedeihlichen Ende führen werden. Es ist die Pflicht der Zionisten. ihres Führers Hand durch die notwendige materielle Hilfe zu stärken. Wenn die Zionisten nicht davon überzeugt wären, dass ihr Plan realisierbar ist. wäre der erste Zionisten-Kongress im Jahre 1SD7 nicht einberufen worden. Dr. Herzl war davon vor dem Ersten Kongress überzeugt. Xielits ist seitdem vorgefallen, was daran zweifeln lässt. Dr. Herzl ist ein ehrenwerter Mann und wenn er sich inzwischen überzeugt hätte, dass das Projekt undurchführbar ist. würde er es ruhig eingestehen. Die grosse Fackel der Wahrheit ist angezündet worden: la verite est en marchc. wie Zola boi einer anderen Gelegenheit gesagt hat, und nichts wird sie aufhalten. Der Zeitpunkt, an dem wir an unser Ziel gelangen werden, hängt von unseren Bemühungen ab. Er mag mit 50 Jahren oder 100 Jahren angenommen werden, aber wir beten darum, dass er in unseren Tagen eintrete un'd wir arbeiten dafür. Wir gaben Ihnen einen grossen Staatsmann — Disraeli. Gehen - Sie uns einen Staatsmann, der uns helfen soll. (Lauter Beifall.')!N"un betrat die merkwürdige Gestalt des Scheik-ul-Islam der britischen Inseln, Abdallah 0 u i 1 1 i a m Effendi, die Rednertribüne, mit tosendem Beifalle begrüsst: 3']s gereicht mir zu grosser Freude, durch meine Anwesenheit bei -diesem JLbend die Sympathie bezeugen zu können, welche die Bekenner des Islam den Juden, dem alten ..Volke der heiligen Schrift'* bewahren. Der Muselmann sieht die Israeliten immer in einem viel günstigeren Lichte als die verschiedenen Bekenntnisse des Christentums. Der Christ erblickt im allgemeinen in dem Juden bloss den Abkömmling' einer Rasse, welche denjenigen, dem er. göttliche Ehren erweist; zuerst verwarf und dann dem Tode überlieferte. Der Mohammedaner dagegen sieht in dem Juden die unvergängliche Erinnerung an den göttlichen Spruch, dass ein Volk, welches an die Einheit G'oftes glaube, trotz aller Verfolgungen nie zugrundegehen könne. Er glaubt daran, dass die Juden als Nation erhalten bleiben werden zum ständigen Zeugnis der Wahrheit göttlicher Versprechungen, und während er einerseits leugnet, dass Christus in den Tod getrieben wurde, anerkennt er ihn doch andererseits als grossen und gelehrten Mann, aus dem Stamm Israel, einer jüdischen Mutter entsprossen, der bestimmt war, eine grosse Mission in der Welt zu erfüllen. Wir Mohammedaner glauben ferner, dass in der Thora das Erscheinen Mohammeds vorher verkündet ist, und verweisen mit Stolz auf jene Stellen im JDeuterononiuni, welche die Worte des grossen Propheten Sidna Moosa, (Moses) wiedergeben: „Der Ewige, dein Herr, wird einen Propheten erstehen lassen aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, deinesgleichen, und ihm wirst du gehorchen", ferner auf die im selben Buche enthaltene, Gott selbst zugeschriebenen Worte: ,,lch werde einen Propheten aus deinen Brüdern (den Israeliten) erstehen lassen gleich dir (Moses), und ich werde, ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird zu ihnen all das sagen, was ich ihm befehle.*) Alle Mohamedaner glauben, dass in den hier zitierten Stellen unser Prophet Sidna Mohammed angekündigt ist, denn Gott erklärte den Israeliten, dass er aus der Reihe ihrer Brüder einen Propheten erstehen lassen "werde. Und wer sind die Brüder der Israeliten, wenn nicht die. Muselmänner? Sind nicht die Israeliten die Abkömmlinge Isaks und die Araber die Nachkommen Ismails, und waren nicht Ismail und Istilv Brüder, die Söhne eines Vaters, des mächtigen Patriarchen, den wir unter dem Namen Sidna Ibrahim kennen, wiihrend Ihr ihn Vater Abraham nennt? Sohin ist es ganz ausgeschlossen, dass die Worte: „Die Brüder Israels'" eine andere Bedeutung haben oder anders ausgelegt werden können als auf die Ismaeliten. und diese hatten keinen anderen Propheten ausser Sidna. Muhamed. Unser heiliges Buch, der Koran-Sehareef, wurde unseren Propheten wortwörtlich geoffenbaret, so wie es sich bis jetzt erhalten hat, eine historische Tatsache, wodurch das Wort „und ich will meine Worte ihm in den Mund legen'* auf keinen anderen anwendbar ist als auf den Propheten Mohammed. Indem or Moses versprach, einen anderen Propheten erstehen zu lassen, sagte ihm der Allmächtige, der Gewaltige: „Ich bin. der ich binik: „Ich will einen Propheten aus deinen Brüdern erstehen lassen g 1 e i c h d i r." Aber es heisst im 10. Vers des 34. Kapitels des Buches Deuteronoini um: „Es erhob sich seither in Israel kein Trophet gleich Moses". Nun. da wir alle an die Untrüglichkeit der Prophezeiungen Gottes glauben und kein Prophet gleich Äloses in Israel erstand, woher erstand er? Es kann also nicht der geringste Zweifel obwalten, dass er aus den Ismaeliten, den Brüdern der Israeliten, hervorging. Nachdem wir soweit gekommen sind, müssen wir vor allem untersuchen, ob Sidna Mohammed dem Sidna Moses gleichkam; und hier finden wir die Analogie vollkommen. Moses wurde von einer Fremden auf erzogen und ebenso Mohammed: Moses weidete Schafe. Mohannned gleichfalls: der grosse Israelit miis'ste, von seinen Feinden am Leben bedroht, das I^and seiner Geburt'verhissen, und in der Fremde Obdach, suchen, der grösste der Nachkommen Ismails gleichfalls. Beide Propheten flüchteten an denselben Ort. Medina. das ehemalige datrab. gegründet von Jatrun oder Jether (detliro). in dessen Haus Moses Obdach fand. Beide grosse Propheten erhielten die Offenbarung auf einem Berge: beiden wurden die "Worte des Gesetzes geschrielven geoffenbart. Mohammed wurde wie Moses beauftragt, die Schlachten Gottes gegen die Ungläubigen zu schlagen. So wie Moses sein ganzes, aber uneiniges Volk ans Kgvpteii herausbrachte und es zu einem einheitlichen Orgunismus formte zum Ruhme der göttlichen Einheit, so entriss auch Mohammed sein in Parteien gespaltenes, dem Aberglauben ergebenes Volk der Finsternis des Götzendienstes und einigte es zu einem mächtigen unwiderstehlichen Ganzen in der Verehrung des einen und einzigen Gottes. Unter dem Gesetze "Moses* gründeten die Israeliten ein Königreich und unter Mohammed taten die Muselmänner (las Gleiche. Moses wurde eine Lohre gooffenbaret. der alle Israeliten gehorchten, und ehenso w urde Mohammed eine Lehre verkündet, die seither alle Bekenner des Islam strenge beobachten. So kramte ein Beispiel nach dem anderen zur Unterstützung meiner Behauptung gebracht werden, und seilet die erbittertsten Feinde des Islam müssen zugestehen, dnss seit Moses kein Prophet ausser Mohammed erstanden ist. dem eine so grossartige Lehre geoffenbart worden wäre, wie es' diejenige ist. die die Grundlage des Islam bildet. Kur ein vom Vorurteil Verblendeter kann somit den Muselmännern das Hecht abstreiten. Mohammed als den Propheten zu bezeichnen, der im Oeuteronomium -angekündigt ist. Ich könnte Ihnen noch hundert Stellen aus dein Alten Testamente zitieren, welche die Mohammedaner alle auf das Erscheinen unseres heiligen Propheten bezieben, aber es ist überflüssig, dies am heutigen Abend zu tun. Ich will nur eine hervorheben, und wenn Sie sich das 5. Kapitel des hohen Liedes Salomons und die Verse vom 10. bis zum 1(1. durchlesen, werden Sie in der wundervoll poetischen »Sprache des Ostens nicht nur die genaue Beschreibung der persönlichen Herrlichkeit unseres Propheten, sondern sogar seinen genauen Xamen vMohammadim (der überaus Herrliche, der Gelobte) finden, von dem Salonion erklärt: „Das ist mein Geliebter und das ist mein Freund, o Töchter Jerusalems." Kann es Sie also wundernehmen, dass der Muselman den Israeliten aufrichtig schätzt, dass er ein brüderliches Interesse an seinem Wohlergehen nimmt? *) Deut. XVIII. v. 15 u. 18.

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