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Die Welt · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Article
Erste Landeskonferenz der russischen Zionisten in Minsk
Date
1902-09-19
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 38 ^Die # Welt4* Seite 3 Aufschwung begriffen sei. Die Schwierigkeiten trachte er nach und. nach zu überwinden und so sei denn die .Hoffnung, begründet, dass die Besserung in den Verhältnissen der zionistischen Agitation immer weitere Fortschritte machen wird. . ' R.abbiner S. J. R abbin o wi.t z verliest einen Bericht über die zionistische. Tätigkeit in seinem Rayon (Sopotzkin), Er entwirft ein überaus erfreuliches Bild von dem regen Vereinsleben, den finanziellen und kulturellen Erfolgen der dortigen zionistischen Propaganda. Lebhafter Applaus begleitet die Ausführungen des Referenten, dem . nach Beendigung seiner .Rede eine stürmische Ovation bereitet wird. . . , Zum Schlüsse referierte im. Namen des Vorstehers für den Rayon Wilna und Kurland, des Herrn M. G o 1 d b e r g, dessen Vertreter Herr B e ri -Jacob, der gleichfalls auf günstige Ergebnisse in den verschiedensten Gebieten zionistischer Tätigkeit hinweisen konnte und die Versammlung zu Beifallskundgebungen hinriss. Nun erklärte der Vorsitzende die erste Sitzung für geschlossen. In der Abendsitzung wurde eine Debatte über die Rechenschaftsberichte der Rayonsvorsteher eröffnet. Del. Pollak meinte, die Rayons Vorsteher erfüllten nicht ihre Pflichten gegenüber den Vereinen. Die Zuschriften der Vereine würden nicht beantwortet. Die Vorsteher sollten alle Städte, in denen Vereine bestehen, persönlich bereisen. Del. Kunin fragt, was die Rayonsvorsteher im Interesse der Agitation unter der Arbeiterschaft getan hätten. Die Arbeiter seien die grösste und wertvollste Klasse des jüdischen Volkes, unsere stärkste Kraft. Was haben die Vorsteher für die hunderte von jüdischen Hochschülern getan? Del. Weizmann: Wie in Basel, so malen auch .hier die Rechenschaftsberichte alles in den rosigsten Farben. Ich frage: Was haben die Mitglieder des Kultur- und Kolonisations-Ausschusses, die in Basel gewählt wurden, getan? Unter ihnen gibt es Männer, wie Dr. Kohan-B ernstein, der leider nicht anwesend ist, und Ach ad-Ha am, der zu unserer Freude hier weilt» Del. Nof ech: Es ist zum Staunen, dass in einer zionistischen Landeskonferenz im Laufe eines vollen Tages von Palästina keine Rede gewesen isL Die Rayonsvorsteher haben über alles Mögliche gesprochen, nur Palästina haben sie nicht erwähnt. An den Uebelständen seien bloss die Rayonsvorsteher schuld. Würden sie in gehöriger Weise arbeiten, so würden auch wir, die Vereine, dies tun. Die Untätigkeit und Unfähigkeit der RayönsJeitung hemme die Vereine in der Ausübung ihrer Pflichten. Del. S c h 1 e i f e r : Die Rayons Vorsteher sind doch zugleich Mitglieder desA.-K. Ich frage nun: Was haben sie in dieser Eigenschaft getan? Darüber schweigen alle Rechenschaftsberichte. Und doch würde uns dies .am meisten interessieren. Del v Dr. Stein: Warum sind die Rayons Vorsteher nicht ein einzigesmal zu einer Beratung zusammengekommen? — Es sei auch überaus charakteristisch, dass in den Referaten der Rayonsvorsteher sich kein Sterbenswörtchen darüber findet, in welcher Weise die Aufhebung des Zentral - Korrespondenzbureaus (Postbureaus) auf die Vereinstätigkeit zurückgewirkt hat. Dies zeige, wie wenig sich die Vorsteher um das interne Leben der Vereine hekümmera* Del. Uriaschsohn spricht in höchster Erregung: „Meine Herren! Wir haben eine Bank und haben keine Shares, wir haben Schekolim und haben kein Geld, wir haben Zionisten und haben nicht Zion, wir haben alles und haben gar nichts! Seit fünf Jahren arbeiten wir, aber in welcher Weise? Es ist eine Schmach!a (Redner gerät in höchste Ekstase. Die Unruhe wird immer grösser. Der Vorsitzende bedeutet dem Redner, dass seine Redezeit um ist; dieser appelliert an das Plenum und erhält die Erlaubnis, weitere fünf Minuten zu sprechen.) „Die Rayonsvorsteher haben die Pflicht, ihre Aufgabe ernst zu nehmen; auf ihren Schultern lastet die ganze Schwere der Verantwortung. Die R.ayonsvorsteher sollten abdanken, wenn sie ihren Aufgaben nicht gewachsen sind. Ihre Pflicht und Schuldigkeit ist es, alle Mängel zu beseitigen alle Hindernisse wegzuräumen. Der Inkassant irgend einer Jeschibah sammelt mehr Geld als wir alle zusammengenommen/ (Der Vorsitzende unterbricht den Redner und bemerkt, er müsse die offenkundig unwahren Darstellungen des Redners richtigstellen, damit keine Missverständnisse entstehen. Der Redner habe gesprochen, als hätten wir keine Bank mit einem effektiven Kapital von einigen Millionen und einen Nationalfonds in einer, wenn auch bisher nicht genau bekannten, jedoch beträchtlichen Höhe.) Del, Scheinkin fragt, warum die Rayonsvorsteher Dr. Tschlenow und Ing. U s s i s chki n über ihre Rayons keinen Bericht erstattet haben. Er übt scharfe Kritik an dem Verhalten der Rayonsvorsteher zu den Arbeitervereinen „Poale Zionu, die sie in ihren Zirkularen und Berichten gar nicht erwähnen, während gerade diese Voreine zu den höchsten Erwartungen berechtigen und grösstmögliche Förderung verdienen, da sie bestimmt seien, die klassenbewusste jüdische Arbeiterschaft für unsere Sache zu gewinnen. Del. Berg er: „Warum haben die Rayonsvorsteher den Beschluss der Baseler Konferenz der ' russischen Zionisten, betreffend die volkstümlichen Ausgaben zionistischer Schriften, wie Dr. Pinskers . „Autoemanzipation" etc., nicht, ausgeführt V4t Deh Frau Zwengorodska : „Wir dürfen nicht alle Schuld den Piayonsvorstehern zuschreiben. Wir selbst haben auch recht viel auf dem Kerbholz. Wir alle müssen. bessernde Hand anlegen — zunächst an uns selbst/1 (Beifall.) Im übrigen sei der Pessimismus, wie er in den Ausführungen mehrerer Vorredner zum Ausdruck gekommen wäre, durchaus ungerechtfertigt. Nach allen den Einwendungen und Rekriminationen müsse ein jeder zugestehen, dass der Zionismus denn doch in kurzer Zeit Riesenfortschritte gemacht und eine ungeahnte Ausdehnung gewonnen hat. Schluss der Sitzung um 2 Uhr nachts. * In der Sitzung des zweiten Tages (Freitag den 5. September) wurde zunächst der Ein lauf verlesen, darunter Begrüssungstelegramme von den zionistischen Studenten in Paris, vom „Zio ns verein der Soldaten" .in K a r s s a (Rayon des Ingeniours V s s i s c h k i n), von den Jüng.rn der Jeschib'ah in Mir (einer der grössten Talmud-Hochschulen Russlands) etc. — Frau Chemdah Ben-Jehuda aus Jerusalem betrat die Tribüne und begrüsste die Versammlung in einer glänzenden hebräischen Ansprache,, die tosenden Beifall weckte. Nunmehr ging man zur Tagesordnung über, nämlich zur Debatte über die Rechenschaftsberichte der Rayonsvorsteher. Deh Dr. A winowitzky kritisierte gleich einzelnen -.seiner Vorredner in äusserst scharfer Weise die

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