Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 36 (5.9.1902)
- Article
- Herschele
- Date
- 1902-09-05
- Page
- 14 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite, 14 $Me Welt" Nfe 36 Durch das Fenster blickte mit ihren rätselhaften < Augen die Dunkelheit herein, der Wind heulte und schlug wütend eine Türe zu. Der kleine Mann aber hatte zu sein aufgehört, er hatte sich, nachdem er aus Staub Mensch geworden war, wieder zu Staub verwandelt. Marjims Stimme war vor Verzweiflung ganz gelähmt. Flüsternd rief sie der fassungslosen Tochter zu, sie möge nicht weinen. „Fort mit den Tränen, fort mit dem Jammern l" Es gibt Augenblicke, wo der gebrochene Wille die äussersten Grenzen erreicht, und dann wächst die wahre Grösse des menschlichen Geistes und der .königliehe Sinn seiner Herrschaft über die Welt wird klar und deutlich. Welche Gedanken marterten Marjim? Nicht, dass mit dem Tode des Sohnes auch ihr Herz abgestorben und jener Faden, welcher sie ans Leben kettete, abgerissen worden wäre. Sie musste, nachdem die Seele ihres Sohnes von jenem genommen worden war, welcher oben regiert, der Asche die letzte Ehre erweisen. Doch wie? Fern von der Stadt, ohne Totenschein musste der Leichnam liegen bleiben. Fern von der Stadt würde das Begräbnis zu einer Schmach des Toten werden, denn der Tote schämt sich, wenn er von seiner Gemeinde nicht begleitet wird. Den Leichnam aber wird niemand in die Stadt fahren wollen. Was soll sie tun? Weinen, jammern, stöhnen wird sie auch später können; jetzt gilt es, den Staub vor Schmach zu bewahren - . . . Plötzlieh kam, ihr ein neuer Gedanke: sie wird den Knaben als lebendig in die Stadt überführen. Alle ihre Schmerzen unterdrückend, lief sie zu einem bekannten Bauern und wurde mit ihm handelseinig; nachdem sie zurückgekehrt war, kleidete sie mit Ldbas Hilfe den toten Knaben an, hüllte ihn in einen Shawl und beide schleppten behutsam den Leichnam zum Wagen, so dass es aussah, als bewege er die Füsse. „Du fühlst dich unwohl," sagte Marjim laut zum Knaben gewendet, damit der Bauer keinen Verdacht schöpfen sollte. „Liba, bespritz ihn mit Wasser! Jetzt ist dir besser, Gott sei Dank! Sehen Sie, Iwan, mein Knabe fühlt sich so unwohl, dass ich mich fürchte, die Nacht hier zuzubringen. Möchten Sie nicht einen Wein trinken. Liba, reich Iwan die Flasche." Sie sprach einfach und ungezwungen und innerlich zitterte, sie vor Angst, dass der Bauer die Wahrheit erfahren würde. Wie schwer wurde es ihnen, den toten Knaben auf die Tjeliega hinaufzusehleppen. Sie verloren vor lauter Anstrengung den Atem und schwere Schweisstropfen rollten ihnen vom Gesicht herunter, doch vergassen sie nicht, einander zuzurufen: „Gib acht, du tust ihm weh!" Oder: „Fühlst du dich wohier, Herscheie? Iwan, haben Sie schon getrunken? Beiehen Sie mir die Flasche, damit das Kind sich stärken soll!" ... Endlich sassen sie auf dem Wagen un hielten ihn fest zwischen sich und der Kopf des teuren Toten fiel schwer auf Marjims Schulter. „0, mein Teurer, mein Teurer!" flüsterte sie. „Sie können fahren," rief sie laut, „wir, sind bereit \" Und Marjim und Liba hielten sich mit Gewalt zurück, um sich durch keinen Ausruf zu verraten. Als sie in die „Jüdische Zeile" hineinfuhren, war es dort so ruhig, dass die BDäuser wie ein grosser zeitweiliger Friedhof schienen, in welchem die Menschen schliefen in der Erwartung ihrer ITeberführung in die ewige Wohnung, wc keine Gefühle, keine Sorgen, keine Gefahren sie mehr beunruhigen werden. Die Tjeliega blieb vor dem Hause stehen, in welchem Marjim wohnte. Mit denselben Qualen, mit derselben Anstrengung des Körpers und der Muskeln, zogen sie Berschele - vom Wagen herunter und schleppten ihn durch den Hof. Als sie aber ihr Zimmer erreicht und Licht gemacht hatten, da flüsterte Marjim zu Liba.* „Jetzt weine, jammere, ruf, weck5 die Nachbarn. Alle sollen erfahren, dass er soeben gestorben ist." Und sie schlug sich als erste mit den Händen auf den Kopf und begann, laut schluchzend, das traurige,-erschütternde Totenlied . . Am nächsten Morgen sass neben Herscheies Leichnam die gänzlich ergraute Marjim und sang mit zitternder Greisenstimme ein Klagelied. Neben ibr kauerte Liba, ohne Tränen, ohne Gedanken ... Mitteilungen des Landeskomitees. Bureaustunden täglich von 6-8 Uhr abends im Bureau, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Tür 36. Sitzung des L.-K. am 15. September. An diesem Tage sind die Miglie.der des L.-K. im Kongressbureau von 7—*l28 Uhr abends;zu sprechen. Alle Bestellungen auf N.-F.-Marken sowie Anregungen für die N.-F.-Kommission sind an den Kassier des L.-K. Dr. Hugo Benedikt, L, Tiefer Graben 25, zurichten. Verschleissartikel sind bei Sekretär Adolf P o 11 ak, IX., Türkenstrasse 9, erhältlich. Das L.-K. hat an die sieben D.-K. eine Instruktion über das Verhalten der Zionisten in Sachen der rumänischen Durchwanderung erlassen und von den D.-K. Gutachten über das demnächst zu veröffentlichende zionistische Kultusgemeinde-Programm eingeholt. Das Referat Lederers vom Bielitzer Parteitage „Unsere Stellung zu den nichtzionistischen Gruppen in Oesterreich" erscheint demnächst im Jüdischen Buch- und Kunstverlag Brünn aLs 10 h-Broschüre. Briefkastenstud. M. W., Galatz: Ja. M. K., Blankenberghe: Besten Dank. K. Sch., Wien, II.: Dankend abgelehnt. A.B., Gorno: Wir haben derzeit keinen verfügbaren Raum. Ossid, Kremsier: Besten Dank für die Einladung. Maccabäus: Ausserordentlicher Hörer werden sie ohne weiters. Das Jahr wird nicht eingerechnet. . H. L Gottlieb, M. Sziget: Nächstens. S. Herbstein, Pitesci: Diese Anregung war schon gedruckt und ist hier wenigstens Praxis geworden. R. W., Budapest: Verlangen Sie von dem Herrn, der für den Nationalfonds durchaus nichts geben wollte, einen Beitrag für die Erziehung abessynischer Kinder, da wird sich der wohltätige Jude schon offenbaren. M. E., Wien,: Besten Dank. Spenden. Für den jüdischen Nationalfonds: Zions-Handwerker-Verein in Berlad unter der Leitung des Präsidenten Jacob Braunstein 250 Frcs. Kr. 238.50, Verein „Schlom Zion" in Kowno zu Ehren des Rabbiners J. J. Reines, Lida, unter dessen Mitwirkung der Verein gegründet wurde,: J. B. Wolf Rubel 10.—, Sch. Alfcmann 10.—, Verein „Kadimah* 10.—, M. Bramsohn 5.—, F. Grajewsky 5.—, D. Frank 3.—, J. Blumenfeld 3.—, Schimeiewitz 3.—, Finkelstein 3.—, J. Strassburg 3.—, U. Segal 3.—, S. ßroido 1.—, A. Abowitz 1.—, Z, Dwornik 1—, M. Dworetzky 1.—, K. Keilsohn 1.—, J. Schapiro 1.—, M. Itkin 1.—, Verein „Dorsche Zion" L—, Verein „Zeirei Zion" 1.—, L. Wilenzik 1.—, Verein „Moginei Zion" 1.—, Verein „Neis Zion" 1.—, H. Dangelewitz 1.—, B. Karlunsky L—, A. Weinermann I. —, H. Newjassky 1.—„ A. Baloscher 1.—, G. Gadie 1.—, J. Meersohn —.50, H. Bernstein —.50, M. Magun —.50, N. Grusiner —.50, Ch. Bass —.50, M. Getzow —.50, M. Kaplan —.60, H. Railbe —.50, S. Arensohn —.50, N. Konewsky — .50, A. Wilenzik —.50, J. Sack —.50, Verein „B'nei Zionf — .50, J. Lewin —.25, M.vRikles —.30, Rothschild —.30, Ch. Altenberg —.25, Z. Schtekhal —.25, B. Wilkomirsky —.25, L. Plakchin —.25, J. Silbermann —.20, Sch. .Ch. Lewin —.20, L. Menes —.20, J. Garfinkel —.15. J. M. Sopher—.15, Andere Spender 14.65,, zus. R. 100 Kr. 252—,