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Die Welt · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Article
Die Heloten von Park Lane
Date
1902-08-15
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Dte Welt" Nr. 83 Patriotismus gezeigt, sind von Cecil RhöcÄ mit so rückhaltlosem" Vertrauen ausgezeichnet wordeii^ haben von dem Augenblicke an, da der Zwiespalt zwischen England und der Kcgierung von Transvaal begann/ so vifele Opfer gebracht, dass eine solche Besehimpfung von Seiten der Kriegspartei ganz ausgeschlossen erseheint. Die „Montkly Review" rühmt sich mit Recht, den Imperialismus v<jn heute mit ins Leben gerufen zu haben, sie w&st inf^Ser Nummer darauf hin, dass sie und die von ihr unterstützte Kegiemngspartei die Oberhoheit Englands in Südafrika gerettet habe — wer hat mehr gelitten und gestritten als die Juden von Johannesburg? Es wäre den jüdischen Minenbesitzern ein Leichtes gewesen, mit der Regierung von Transvaal Sondervertrüge zu schliessen, es wäre ihnen eine Spielerei gewesen, die englischen Mitbewerber aus dem Felde zu schlagen — sie hätten nur die Kleinigkeit tun müssen, England den Rücken zu kehren und mit fliegenden Eahnen in das Lager der Afrikander überzugehen. Statt dessen gingen sie mit den Engländern in den trübsten Tagen durch Dick und Dünn — ist es denkbar, dass die „Monthly Review7" die unentwegten Bundesgenossen der Imperialisten als Heloten ber zeichnete? Wir sind zu weit vom Schauplatz entfernt, um das Eätsel zu lösen; vielleicht hat der „Jewish Chronicle" die Güte, uns den Ausdruck die „H eloten von Park Lau e" zu erklären. Das Wirken der „Alliance" nach dem letzten Jahresberichte. Von Dr. Elias (Mülhausen)'. Wer den letzten Jahresbericht der „Alliance israelite" liest, wird mit Genugtuung bemerken, dass die Leiter der Alliance der üeberzeugung sind, dass ihr Werk ein nützliches und segenbringendes ist. In der Generalversammlung der Leipziger Mitglieder schildert Herr Dr. Porges die Dienste, die die Alliance dem Judentum geleistet hat und die sie in Zukunft leisten wird, wenn sie von allen Juden unterstützt wird. In der Eede, die Herr Zadok "Kahn, am Grabe des Dichters Manuel hielt, nennt er die Alliance „jenen Verein brüderlicher Solidarität, dem eine so glänzende Zukunft bevorstand". In dem .Nachruf, den Herr Xarcisse Leven demselben Manuel widmet, spricht er in enthusiastischen Ausdrücken von dem Wirken der Alliance und zeigt ihren Zusammenhang mit den grossen Kolonisationsunternehmungen, „die ihre Gründer ehren und so mächtig dazu beitragen, unsere armen Glaubensgenossen zu heben". Die Leiter der Alliance sprechen zweifellos im guten Glauben; und wohl viele derjenigen, die sich für die Institutionen der Alliance interessieren und den Jahresbericht lesen, werden ihre Begeisterung teilen. Doch Behauptungen, und mögen sie noch so emphatisch vorgetragen sein, beweisen nichts. Diejenigen, die Tatsachen suchen in dem Material, das die Alliance dieses Jahr der Oeffentlichkeit übergibt, und nun auf Grund von Tatsachen ein Urteil fällen, die werden in die Lobeshymnen der Alliance nicht einstimmen. Sie haben um so weniger Grund, ein günstiges Urteil zu fällen, als ein Mann, der über die "Verhältnisse orientiert ist und der jedenfalls allen Grund hätte zu beschönigen, über ein Werk der Alliance den {Stab bricht, dem das gesamte Judentum die grösste Bedeutung zugemessen hatte und das lange Jahre zu den schönste]! Hoffnungen berechtigt hatte: Die jüdische Ackcrbausehule in Jaffa und die Kolonisationsunternehmungcii, die nach Herrn Leven so mächtig dazu beitrügen, unsere armen Glaubensgenossen zu heben, sind nicht imstande, jüdische Bauern heranzubilden oder sie existenzfähig zu machen. In einem an das Zentralkomitee adressierten Brief, den der diesjährige Jahresbericht zum Abdruck bringt, schreibt^ Herr N'iego, der Direktor der landwirtschaftlichen Schule zu Jaffa, folgendes: „Sie wollen, sagen Sie, nur Bauern, nichts als Bauern heranbilden. Das ist sehr schön, wenn Sie es können. Bis jetzt jedoch waren Sie nicht imstande, es zu tun. Denn wo sind die Bauern und Bäuerinnen .(diese kommen ja auch in Betracht — die Frau hat ja auf den Beruf des Mannes einen so grossen Einfluss)? Es ist so schwer, ein jüdisches Bauerntum zu bilden und das offizielle und administrative Bauerntum hat bis jetzt keine glänzenden Resultate gezeitigt." Die Alliance ist also nach Herrn Niego nicht imstande, jüdischen Bauern zu einer Zukunft zu verhelfen; die Lage und die Zukunft der von ihr gebildeten Handwerker ist ebenfalls unsicher; in anderen Berufen unser Proletariat unterzubringen, hat sie wohlweislich nie versucht. Woher sollten also die glänzenden Resultate kommen, über die die Verfasser des Jahresberichtes in Ekstase geraten? Die Zahl der Schulen hat wohl zugenommen, das Lehrlingswerk wurde weiter ausgebaut, die Ackerbauschulen entwickelten &ich normal weiter, in Rumänien wurden für Volksküchen, Aus- und Rückwanderungen enorme Summen ausgegeben u. s. f. Doch so schätzenswert alle diese Dinge sein mögen, sie haben die Alliance ihrem Ziel, das die Besserstellung der Lage der Juden ist, nicht genähert. Ueber die Lage der Juden in Persien und Marokko schweigt sich der Jahresbericht aus, er kann nichts Günstiges mitteilen. Die Lage in Rumänien und Russland schildert er als eine trostlose. Das Geheimnis des Misserfolges der Alliance ist darin zu suchen, dass sie Experimente anstellt und aus denselben nichts lernt. Alle die Institutionen, die sie gründet oder übernimmt, führt sie einfach weiter, ohne sich zu fragen, ob sie irgendwie zur Hebung der Judennot beitragen oder beitragen können. Die Jaffaer landwirtschaftliche Schule kann keine Bauern heranzüchten. Man sucht nicht, ihr eine andere Grundlage zu geben oder' sie zu reorganisieren; man begnügt sich, die Schüler, die die Schule verlassen, auf Australien, Transvaal, Amerika, Egypten aufmerksam zu machen, wo sie v i e 11 e i c h t als Agronomen Anstellung finden können. Die Bildung eines jüdischen Handwerkerstammes endigt in manchen Staaten mit einem „relativen Misserfolg". Trotzdem fährt man fort, Handwerker in diesen Städten heranzubilden. Man weiss, dass in vielen Orten dem Handwerk Hindemisse entgegentreten, die die Alliance nickt überwinden kann, wie der Mangel an Industrie und Handel und die Armut der Bevölkerung, die den Handwerker nicht ernähren kann. Trotzdem muss der jüdische Schüler ein Handwerk lernen — „der Bien' muss", wie der bekannte Bienenzüchter sagte. Das Werk der Alliance musste scheitern, weil es n u r auf Experimente sich gründet und die meisten Experimente keine oder nur negative Resultate ergeben. Wohl sucht Herr Leven dem Wirken der Alliance eine ideelle Grundlage zu geben, seitdem er, einem Gedankengang Manuels folgend, die Hebung der notleidenden Juden in einer genieinsamen Aktion des Judentums sieht, „die auf der allmächtigen Kraft der Prinzipien der französischen Revolution fusst." Diesen Gedanken Manuels hat die Alliance nie zu realisieren versucht; die Art, wie sie die Rechte der Alliance- Mitglieder als Wähler zu schmälern sucht, beweist dies zur Genüge. Er reicht aber auch nicht aus, um der Hilfsaktion der Alliance eine reelle Grundlage zu geben. Die Menschenrechte (darunter sind jedenfalls die Revolutionsrechte zu verstehen); haben die Rechte der Nation

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