Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Article
- Jahresbericht der "Jewish Colonization Association"
- Date
- 1902-08-08
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 „Die £ Wcltf Nr. 32 Die Farmer in Neu-England sind im ganzen intelligenter und in besserer Situation als jene von New Jersey. Es leben gegenwärtig in Coneeticut 55 Farmer, welche von der „fea" durch Vermittlung des Baron Hirsch-Fonds oder von der Jüdischen Hilfsgesellschaft für Landwirtschaft und Gewerbe Darlehen erhalten haben. Der Totalwert ihrer Produktion, exklusive des für eigene Zwecke Zurückgehaltenen wird auf 20 000 Dollars geschätzt. Die Hilfsgesellschaft hat auch Darlehen an isolierte Farmer in den Staaten Xew-York, Massachussets,Michigan und North Dakotah gewährt. Nach Mitteilung des Baron Hirsch- Fonds sind auch eine gewisse Anzahl jüdischer Landwirte angesiedelt worden, ohne Darlehen erhalten zu haben. Die Hilfsgesellschaft beabsichtigt auch, an einzelne Familien in Illinois durch Vermittlung der Jüdischen Landwirts-Hilfsgesellschaft in Chicago Darlehen zu gewähren unter der Voraussetzung, dass die letztere die Hälfte aller Verluste trägt, welche vorkommen können. Während des Jahres 1901 plazierte die Jüdische Hilfsgesellschaft für Landwirtschaft und Gewerbe 10 rumänische Familien in sorgfältig ausgewählten Farmen in der Nachbarschaft von Woodbine, aber aller Voraussicht zum Trotz ist der Versuch fehlgeschlagen. Vier dieser Familien verlicssen meist sogleich die Farmen, und gegenwärtig sind nur zwei zurückgehlieben. , Die Jüdische Hilfsgesellschaft für Landwirtschaft und Gewerbe hat mit vielem Erfolge, das Werk der Dezentralisation, welche den Zweck hat, die Juden, welche in Philadelphia und New-York, besonders in letzterer Stadt, zusammen gehäuft sind, in das Innere von Amerika zu zerstreuen. 2214 Juden sind im Jahre 1901 verteilt worden; von diesen kamen 1626 aus dem Ghetto von New-York und 27-1 aus Philadelphia; der Eest waren Einwanderer aus Rumänien. Diese Familien sind in fast allen Staaten der Union verteilt worden und 412 von denselben wurden in den New Jersey-Kolonien installiert.' Die Eesultate der Dezentralisation sind im ganzen sehr zufriedenstellende gewesen. Wie im letzten Jahresberichte vorausgesehen war, ist der Versuch der Gesellschaft, in den Kolonien einige New-Yorker Fabriken zu etablieren, missglückt. 2. Baron Hirsch-Fonds. Die Gesellschaft hat ihre Beziehungen zum Baron Hirsch-Fonds fortgesetzt, welchem sie Unterstützung für die Schule in Woodbine und die in jener Ortschaft installierten Industrien, ebenso wie für die Handelsschule in New-York gewährt hat. Die Schule in Woodbine wird auch weiters von Mr. H. L. Sabsowitseh geleitet. Dank der Subvention unserer Gesellschaft konnte die Zahl der Schüler auf 120 erhöht werden. Die Majorität sind Kinder russischer Juden, die in den Vereinigten Staaten leben. Die Verwandten von 6 Kindern sind noch in Bussland. Infolge der grossen rumänischen Einwanderung hat sich das Kontingent der aus Kmnänion stammenden Zöglinge vermehrt. Zwölf von ihnen haben noch Verwandte, welche noch in ihrem Heimatlandc leben. Wenn die Vcrgrösserungsarbeiten, welche jetzt im Zuge sind, vollendet sein werden, hofft der Baron Hirsch- Fonds die Zahl der Zöglinge auf ,200 bis 250 zu erhöhen. Die Majorität sind 16 bis 17 Jahre alt, doch kommen auch Alter von 14—20 Jahren vor. 89 wohnen in der Hirsch Hall; die anderen leben mit ihren Eltern in Woodbine. Der theoretische und praktische Unterricht, welcher den Zöglingen in der Landwirtschafts-Abt eilung erteilt wird, ist komplett und recht entwickelt. Die Zöglinge säeten während des Jahres 1901 5? Acres. Es sind Bemühungen gemacht worden, die Kinder auch mit der Viehzucht und allen Arten minderen Bodenbaues sowie der landwirtschaftlichen Industrien, welche in den Landdistrikten üblich sind, zu erziehen. Die Schule besass Ende 1901 12 Milchkühe, 7—8 sollen jetzt weiters erworben werden. Der dritte Teil der jeden Tag erhaltenen Milch dient für die Erfordernisse der Anstalt, aus den andern zwei Dritteln wird Butter und Käse gemacht. 29 Acres sind für Küchengärten reserviert worden. Unglückseligerweise war das Wetter ungünstig und beinahe der ganze Ertrag ist verloren gegangen. Circa 28 Acres sind mit Eruchtbäumen bepflanzt worden. Die klimatischen Verhältnisse aber sind denselben ungünstig, so dass bloss die Hälfte des Ertrages hereinkam, der angenommen wnrde. Auch die Blumenzucht ist nicht vernachlässigt worden und den Zöglingen wurde gelehrt, Blumenbeete un,d Basen anzulegen und zu erhalten. Die Zöglinge sind auch in der Baumzucht unterwiesen worden, und ebenso war die Bienenzucht Gegenstand speziellen Unterrichtes. Dieses Jahr war der Geflügelzucht nicht günstig, trotzdem wurde den Zöglingen gelehrt, einen Hühnerhof zu führen und die Brut zu pflegen. Sie haben ferner speziellen technischen Unterricht erhalten, welcher sie in die Lage versetzt, verschiedene häusliche Reparaturen und Dekorationen selbst auszuführen. Es bestehen keine Schwierigkeiten für die die Anstalt verlassenden Zöglinge, Stellen zu finden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot und absolvierte Zöglinge sind von Farmern und Landwirten der Nachbarschaft sehr gesucht. Die Zahl der Schüler der Handelsschule in New-York ist bedeutend gewachsen. Am Ende des letzten Schuljahres betrug ihre Zahl 144; 64 davon sind russischer, rumänischer oder galizischer Abkunft. 28 waren fremd und die übrigen sind in New-York geboren. Den Schülern wurde das Geschäft eines Mechanikers, Spenglers, Zimmermeisters und Zimmermalers gelehrt und zu Beginn des letzten Jahres ist eine elektrische Werkstätte eröffnet worden. IV. Kanada. 1. Baron Hirse Ii-Institut in Montreal. Die Gesellschaft hat einer Zahl von rumänischen Familien geholfen, deren Häupter wir nach Kanada geschickt haben, diesen Häuptern in die neue Heimat nachzufolgen. Das Institut hat ebenso die Hirsch-Schule unter* stützt, welche durch das Institut mit einem neuen und einem hebräischen Lehrer, der unter den Kolonisten ausgewählt worden ist, versorgt wurde. 2. Hirsch-Kolonie. Die in der Hirsch-Kolonie in Oxbow und Mabella etablierten Einwanderer sind nun wirklich Landwirte geworden und denken nicht daran, den Boden zu verlassen. Diese Umgestaltung ist so komplett, dass beinahe alle, welche aus dem einen oder anderen Grunde Hirsch in den letzten zwei Jahren verlassen hatten, gegenwärtig als Landwirte in anderen Teilen von Kanada leben. Einige neue Kolonien sind im Jahre 1901 in Hirsch angesiedelt worden und scheinen Erfolg zu haben. Am letzten Dezember ist die Kolonie von 27 Familien bewohnt worden, von denen beinahe alle durchaus akklimatisiert und in der Lage sind, ihr Leben als Landwirte zu verdienen. Sie arbeiten sehr energisch. Jeder Kolonist hat ein wohlgebautes kleines Haus, einen guten Stall mit 2—5 Pferden, 2—12 Hindern und einen wohlbesetzten Hühnerhof. Beinahe jedes Haus hat in der Nachbarschaft eine Quelle, welche aus der Tiefe von 12—25 englischen Fuss ausgezeichnetes Wasser liefert. Die Kolonisten besitzen auch Pflüge, Eggen und Schlitten. Der Boden ist fruchtbar und gibt eine Ernte von 15—18 Busheis Weizen und 40—50 Busheis Hafer per Acre. 16 Familien sind in Oxhow bei Hirsch angesiedelt. Sie besitzen fruchtbaren Boden und sind am Wege zum Erfolge. Wenn man nach den erhaltenen Besultaten urteilen soll, so scheint es, dass die Kolonisten befähigt sein wer-