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Die Welt · 1902-08-01 · 31 (1.8.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
31 (1.8.1902)
Article
Jahresbericht der "Jewish Colonisation Association"
Date
1902-08-01
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 31 JH* # Welt«« Seite 5 Bäumen umgebenen Häuschen erwähnt werden. Die Kolonisten ziehen dort mit Erfolg verschiedene Gemüsearten für den Hausgebrauch und für den Verkauf. Sie haben auch Mais gesäet und Kleefelder angebaut, welche wohl, geraten. Es ist zu hoffen, dass diese junge Kolonie die in sie gesetzten Erwartungen rechtfertigen wird. Wegen der schlechten Ernte des letzten Jahres haben eine gewisse Anzahl von Familien die Entre Rios-Kolonien verlassen. Am 31. Dezember 1. J. bestand die Bewohnerschaft aus 741 Kolonisten, welche 853 Familien mit 4274 Seelen repräsentierten. Während in einigen der 21 Dörfer, aus welchen die Kolonien bestehen, die Bevölkerungszahl sich vermindert hat, hat sie in den beiden jüngsten Ansiedlungen Leven und Lucienville zugenommen. Die Leven-Gruppe zählt gegenwärtig 39 Familien mit 124 Einwohnern, gegen 46 früher; Lucienville 87 Kolonisten und 357 Seelen, gegen 23 Kolonisten und 83 Seelen. Die totale Verminderung an Einwohnern beträgt 315 Seelen. Im Jahre 1901 sind im ganzen 329 neue Familien installiert worden, von denen 115 aus Söhnen und Schwiegersöhnen alter Kolonisten und 214 aus russischen Einwanderern bestehen, die auf ihre eigenen Kosten nach Argentinien gekommen sind. Die Kolonisten bebauten im Jahre 1901 19.036 ha (Weizen, Flachs, Klee, Gerste), Die Verminderung von 8000 ha bebauter Fläche erklärt sich aus der erwähnten Auswanderung. Die Provinz Entre Rios war im Jahre 1901 durch lange Dürre und heftige Fröste ernstlich hergenommen. Die Fröste zerstörten eine Meine Quantität Flachs; der Weizen entwickelte sich jedoch normal. Die Ernte ist im ganzen zufriedenstellender ausgefallen, als am Beginn des Jahres erwartet werden konnte, allein der Ertrag war mittelmässig. Es sind dort wenige Spuren derKleefelder übrig geblieben; auch die der Administration sind verloren. Dieses Unglück ist eine der Folgen der ganz exzeptionellen Dürre; doch muss auch zugegeben werden, dass der Boden für diesen Anbau nicht sehr geeignet ist. Als sie sahen, dass sie hier— im Gegensatze zu Mauricio und Moisesville — nicht unmittelbaren und handgreiflichen Nutzen daraus ziehen würden, begannen die Entre Rios-Kolonisten ihre Kleefelder zu vernachlässigen, welche in dieser Region ausdauernde Sorgfalt erheischen. Die Direktion in Buenos Ayres ist bemüht, die Kolonisten zu dieser Bödenbebauug zurückzuführen. Einundeinhalb Hektar Klee ist von den Kolonisten in Lucienville nach guter Herrichtung des Bodens gesäet worden und ungeachtet der Dürre ist gleich das erstemal eine gesegnete Ernte erzielt worden. Dieses Beispiel zeigt, dass diese Bebauungsart in Entre Rios durchaus nicht unmöglich ist. Im Jahre 1901 waren drei Milchwirtschaften tätig. Die grosse Dürre verursachte eine beträchtliche Verminderung der Milchquantität, welche die Kolonisten den Milchwirtschaften lieferten; aber in den letzten Monaten wuchs die Quantität beträchtlich. Die Kolonisten scheinen die Bedeutung der Einkünfte, welche die Milchwirtschaft ihnen zu liefern vermag, erkannt zu haben und kommen um die Erlaubnis ein, ihr Zuchtvieh verkaufen und dafür Milchkühe kaufen zu dürfen. Das Jahr war für das Zuchtvieh unglückselig- Wegen des Fiebers und der Dürre war die Sterblichkeit sehr gross. Die Administration verlor 1000 Tiere, welche sie in Reserve hielt; die Kolonisten verloren zwischen 500 und 600 Tiere. Nach der letzten Statistik standen den Kolonisten 12.690 Tiere zur Verfügung; 9450 waren ausserdem ihr Eigentum. Einige der Kolonisten, speziell in San Antonio und Basavilbaso, machen mit ihren Hühnerhöfen ein gutes Geschäft, indem ihnen dieselben 8 bis 10 Dollars die Woche bringen. Einer von ihnen hat sogar ein Erträgnis von mehr als 50 Dollars monatlich. Alle Kolonisten haben Küchengärten, und manche von ihnen, insbesondere jene von Lucienville, sind in denselben sehr tätig. Es ist der Versuch gemacht worden, Bäume anzupflanzen, mit welchen die Häuser umgeben würden. Es ist auch der Anfang mit Forstbäumen gemacht worden, auch mit Obstbäumen und in einigen Dörfern haben die Kolonisten Pfirsiche für den eigenen Verbrauch. Im Jahre 1901 sind in Entre Rios 6 Grundstücke mit einer Fläche von 18.828 ha angebaut worden. Das Bedeutendste ist das von Santa Isabel, mehr als 13.600 ha messend, welches einen neuen Weg nach Uruguay festsetzt. Wenn die Ausdehnung der Kolonisation in Entre Rios vollendet werden soll, müssen die Bemühungen in Santa Isabel und Palmer sich konzentrieren. Der Boden ist dort leichter als in den anderen Besitzungen in Entre Rios; Wasser gibt es dort auch in einer sehr geringen Tiefe. Verschiedene Flüsse durchschneiden die Besitzung und — dank der Nachbarschaft von Uruguay wurden die Kosten des Bahntransportes für die Bodenerzeugnisse erspart. . Die Entre Rios-Eisenbahngesellschaft hat sich entschlossen, eine Linie zu bauen, welche Villaguay mit Port Goncordia verbinden soll und die Kolonie Clara sowie die Besitzungen Lopez und Berro im Norden berühren wird, welche wegen ihrer Entfernung von der Eisenbahn bisher nicht kolonisiert worden waren. Die Arbeit wird sehr energisch ausgeführt und die ersten Stationen werden zu Ende des Jahres eröffnet werden. Die Bodenerzeugnisse müssen bisher mit der alten Bahn nach Uruguay gebracht werden, aber die Linie wird bis Juni 1902 weiter geführt werden und die Kolonisten werden dann in direkter Verbindung mit dem wichtigen Markte von Goncordia stehen. Bei der Erbauung dieser Linie konnten die Kolonisten nicht verwendet werden, aber sie profitierten aus dem Verkaufe von Brot, Fleisch, Milch, Hühnern und Eiern an die Arbeiter. Die Mühle in Clara, welche gegen 40 Sack feinen Mehls täglich mahlt, ist 9 Monate im Jahre im Betriebe. Die Kolonisten können Mehl zu den von der Administration festgesetzten Preisen verkaufen, welche immer niedriger sind als die Marktpreise. In verschiedenen Gruppen haben sich Komitees gebildet, welche sich mit Arbeiten zu allgemeinem Nutzen befassen, wie der Verbesserung von Dämmen und Einhegungen, der Erhaltung von Strassen u. s. w. Diese Anfänge einer kommunalen Organisation verdienen Erwähnung. Die sanitären Verhältnisse in den Entre Rios- Kolonien waren sehr gute. Die Kosten des Spitales sind noch von der Administration getragen worden, aber es sind Vorkehrungen getroffen worden, dass von 1902 an die kranken Kolonisten eine Gebühr zu entrichten haben werden. Es gibt in Entre Rios 9 grössere und 6 kleinere Schulen. Ohne so zuversichtlich zu sein wie in Moisesville und Mauricio, gibt die Situation in Entre Pdos keinen Grund zu Besorgnissen. Es ist den Kolonisten leicht, die Mittel für ihre tägliche Existenz aus dem Verkaufe von Milch, Hühnern, Klee und Mais zu ziehen und die

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