Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Article
- Jahresbericht der "Jewish Colonisation Association"
- Date
- 1902-07-25
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr. 30 Eine gewisse Anzahl russischer Handwerker, welche aus eigenem Antriebe nach Argentinien kamen, werden von den Kolonisten als landwirtschaftliche Arbeiter verwendet. Sie sind mit Häusern versorgt worden. Einige junge Rumänen, welche von der Association nach Moisesville geschickt worden waren, haben sich als gute Arbeiter erwiesen. Sie verdienen von 1 Dollar 50 Cents, bis 2 Dollars (manche sogar 3—4 Dollar pro Tag). Die Association hat auch nach Moisesville fünf rumänische Schmied- und fünf Maurerfamilien gesendet. Die Zweiglinie, welche von der Santa Fe-Eisenbahn-Gesellschaft nachdem Zentrum der Kolonien gebaut wurde, wurde vergangenen November eröffnet und hat zum Profit beigetragen, welche die Kolonisten aus dem Verkauf von Klee ziehen. Derselbe wurde im Jahre 19C0 in Moisesville auf 57.000 Hektar angebaut. Im Jahre 1901 sind beträchtliche Käufe durchgeführt worden, so dass die gesamte Fläche gegenwärtig 101.000 Hektar beträgt. In Moisesville bestehen 3 Schulen mit einer Gesammtzahl von 375 Schülern; drei andere werden im Laufe des Jahres 1902 eröffnet werden. Während ihrer Mussestunden beschäftigen sich die Schüler mit Gärtnerei. Diesanitären Verhältnisse der Gegend sind gut gewesen, und abgesehen vom beklagenswerten Jahre, welches sie durchzumachen hatten, war die allgemeine Lage gut. Kolonie Mauricio. Die Ernte in Mauricio war zufriedenstellend. Die Kolonisten versuchten zum erstenmale den Anbau von Flachs und erhielten sehr gute Ernten. Die Weizenernte ergab im Durchschnitt 8 Zentner per Hektar. Der Administrator der Kolonie schätzt das Erträgnis an Weizen, Flachs und Raps auf 208.000 Dollars, und^ nachdem gewisse Zahlungen geleistet sein werden, wird den Kolonisten die Summe von 91.000 Dollars verbleiben. Wenn das Erträgnis von Mais, Klee, der Viehzucht, der Milchwirtschaft und des Gemüsebaues hinzugefügt wird, ergibt sich, dass die Lage in Mauricio» sehr zufriedenstellend ist. Unglückseligerweise haben die Kolonisten drückende Schulden zu begleichen, welche sie bei drei Parteien aufgenommen haben. Es ist zu hoffen, dass alle Verpflichtungen dieses Jahr beseitigt werden. Im Jahre 1901 sind eine Zahl von russischen Einwanderern, welche spontan nach Argentinien gekommen sind, als Arbeiter in Mauricio untergebracht worden. Aber die Bevölkerung ist in Mauricio nicht so merklich gestiegen wie in Moisesville, da es in Mauricio keinen verfügbaren Boden gibt, auf welchem neue Familien angesiedelt werden können. Im Jahre 1900 gab es in Mauricio 131 Kolonisten mit 178 Familien, 926 Seelen umfassend; Ende 1901 waren es 138 Kolonisten, 193 Familien und 1019 Seelen. Fügt man 50 Familien von Arbeitern und Pächtern hinzu, so ergibt sich als Totale der Bevölkerung von Mauricio: 253 Familien, aus 1241 Seelen bestehend. Die bebaute Fläche (Weizen, Flachs, Klee und anderes) betrug 1901 5653 Hektar; fügt man den Anbau für 1902 und dann die Gemüsegärten hinzu, so ergibt sich ein Totale von 12.000 Hektar. Das Erträgnis an Flachs, welcher bloss eine kleine Fläche einnimmt, war sehr zufriedenstellend, da es 6—8 Zentner per Hektarbetrug unddie Preise variierten inCazares zwischen 10—12 Dollars per Zentner. Die Mais-Ernte betrug zirka 20.000 Zentner, eine sehr mittelmässige Ernte, doch vom Standpunkte des Reingewinnes die beste, welche die Kolonie seit 1897 hatte. Die Preise waren ergiebig, indem sie zwischen 3—4*20 Dollar per Zentner schwankten. Fast die ganze Arbeit, welchemit diesem Erträgnis zusammenhängt, ist durch jüdische Hände durchgeführt. Die Fläche der Kleefelder ist auf 80.000 Hektar gewachsen. Dif Transportschwierigkeiten verhindern die Entwicklung des Handels mit Klee als Trockenfutter. Die Kolonisten müssen denselben 15—25 km in Wagen über schlecht Strecken nach den Eisenbahnstationen Cazares odei Guanaco führen. Diese besonderen Verhältnisse führten dazu, dar: die Kolonisten einen grossen Teil ihres Klees dazu ver wenden, ihr Vieh zu füttern. Ein wirklich bedeutender Viehhandel ist in den Kolonien im Entstehen begriffen. Dieselben besitzen ausgezeichnete Durham-Milchkülio. Ausserdem haben die Kolonisten noch einige Pferde und Stuten kreolischer Zucht. Maulesel verschwinden nach und nach. Vier Kolonisten haben Schafzucht v.u treiben begonnen und den Anbau von Getreide im Stich gelassen. Einer von ihnen verdiente mehr als 50f Dollars mit einer Herde von 500—600 Schafen. Abei dieses Unternehmen erfordert viele Mühe, einen grosser Stock und beträchtliches Kapital. Die Kolonisten besitzen 2390 Stück Vieh, welche ihnen von der Administration zur Verfügung gestellt sind, und 9062, welche sie sich selbst erworben haben, Die 2600 Milchkühe sind von guter Rasse und geben im Durchschnitt 10.000 Liter Milch täglich. Jeder Kolonist hat seinen Hühnerhof, und mehreremale in der Woche kommen Händler in die Kolonie, um Hühner und Eier zukaufen. Es ist ausgerechnet worden, dass die Kolonie jedes Jahr 730.000 Eier ei zeugt, welche 15.000 Dollar; eintragen. Die Kolonisten besitzen 7600 Hähne unc Hennen, 400 Truthühner, 1OC0 Gänse, 1000 Tfuibej und 200 Enten. Sie widmen eine grosse Fläche dem Anbau von Erbsen, Kiefererbsen mit Bohnen, weicht ansehnliche Gewinste ergeben. Kartoffeln sind eben falls von 73 Kolonisten auf 20 Hektar angebaut worden aber der Preis ist im allgemeinen niedrig und dei Transport schwer. Dann sind noch 56 Hektar im andere Gemüse verwendet. So kultivierten einige Kola nisten Zucker- und Wassermelonen, welche wenig Müh* erfordern und in Gazares, Guanaco und anderen Ortei leicht abgesetzt werden. Andere bauen Zwiebeln und Knoblauch an. Kii Kolonist baute dieses Jahr 180.000 Zwiebeln an, welch« ihm einen Reingewinn von mindestens 600 Dollar bringen werden. Die Administration, ermutigt den Ge müsebau. Ausstellungen werden regelmässig abgehalten und den besten Produkten Preise zuerkannt. Die Arbeiter, welche auf ihre eigenen Kosten auj Russland kommen und als Arbeiter in den Koloniec untergebracht werden, werden zu Strassenherstellun|:ei verwendet werden; es ist unmöglich, ihren Eifer nn( ihre Ausdauer nach Gebühr zu loben. Aber die Strasse genügen nicht dem Handel der Kolonien, und es is unbedingt notwendig, dass von der Hauptlinie de Eisenbahn eine Abzweigung nach dem Zentrum voi Mauricio geführt werde. Unterhandlungen in diese Richtung sind mit der Eisenbahngesellschaft bereits m geknüpft worden. Solch eine Zweigbahn würde de Kolonie einen mächtigen Aufschwung bringen, ii« besonders würde er eine beträchtliche Entwicklung Je Kleinhandels zur Folge haben. Ausser den Geräten, welche die Association ihnei lieferte, haben die Kolonisten auch auf eigene Koste solche erworben. So gibt es in Mauricio, 19 Wagei welche auf einen gewissen Grad von Wohlhabenhe^ unter den Kolonisten hinweisen.