Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 28 (11.7.1902)
- Article
- Die englische Parlaments-Kommission für die Fremden-Einwanderungsfrage
- Date
- 1902-07-11
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Für das 3opiWöC t Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli* —.85 Nr. 28. Wien, iL Juli 1902. Die englische Parlaments-Kommission fUr die Fremden- Einwanderungsf rage. Vernehmung von Dr. Herzl. L ondon; den 7. Juli 1902. Heber Einladung der Paria ments-Kommission für die Fremdeneinwanderungsfragc erschien heute Dr. Herzl vor dieser Kommission, um seine Ansichten über die in England brennend gewordene Frage der Eremdeneinwanderung (lies: Judenein Wanderung aus dem Osten) auszusprechen. Nachfolgend geben wir die Ausführungen Dr. Herzls wieder: -,Ais ich vor sieben Jahren in Paris lebte, machte die Lage der Judenheit einen solchen Eindruck auf mich, dass ich meine Aufmerksamkeit der jüdischen Frage zuwendete lind eine Broschüre unter dem Titel „Der Judens t a a t" veröffentlichte. Ich muss vorausschicken, dass es ursprünglich nicht meine Absieht war, die Broschüre zu veröffentlichen oder an einer politischen Bewegung teilzunehmen. Aber als ich nieine Ansicht einer Anzahl von einflussreichen Juden vorlegte und zu der Ueberzeugung gelangte, dass sie die von mir damals schon vorhergesehene Gefahr vollständig ignorierten, und dass sie die grosse, schwarze, im Orient sich zusammenziehende Wolke nicht sahen, veröffentlichte ich die Broschüre, welche die zionistische Bewegung in ihrer jetzigen Form zur Folge hatte. Der erste Zioriistenkongress wurde in Basel in der Schweiz im Jahre 1897 abgehalten und ich wurde zum Präsidenten desselben gewählt. Bei jedem der darauffolgenden Kongresse wurde ich zu diesem Amte wiederberufen. Meine Stellung als Führer der zionistischen Bewegung lässt mich mit Juden, welche in allen Teilen der Welt zerstreut leben, in enge Berührung kommen und daher sind mir die. Verhältnisse,- so weit sie die Judenheit im allgemeinen, als auch die in den östlichen Ländern insbesondere betreffen, vollkommen bekannt. Ich bedaure, sagen zu müssen, dass die Juden heute noch schlimmer daran sind, als vor sieben Jahren, zu der Zeit, als ich meine Broschüre veröffentlichte. Ohne anderes hervorzuheben, genügt es, wenn ich sage, dass damals die wirkliche oder vermeintliche Notwendigkeit noch nicht vorhanden war, eine Kommission für die- Fremden-Einwanderung in. England zu bestellen. Möge es mir nicht als Ueberliebung ausgelegt werden, wenn ich sage, dass ich schon damals das Hervorkommen der Judenfrage auch in diesem Lande voraussah. In der im Jahre 18!)(> von mir veröffentlichten Broschüre „Der Judenstaat" sagte ich folgendes: „Die Juden frage besteht überall, wo Juden in merklicher Zahl leben; wo sie nicht ist, da wird sie durch Hinwandernde ei ngesell 1 eppt. Dem Naturgesetze folgend, ziehen sie natürlich nach jenen Orten, in denen sie nicht verfolgt werden; dort aber wird die Verfolgung gerade durch ihre Anwesenheit hervorgerufen. So verhält es sich in jedem Lande und wird so bleiben, selbst in denen, welche die höchste Kultur gemessen, wobei selbst Frankreich keine Ausnahme bildet, bis die Juden frage auf politischer Basis ihre Lösung findet. Die unglückseligen Juden tragen jetzt den Antisemitismus auch nach Engkind, nachdem sie ihn nach Amerika bereits verpflanzt haben." Der ["instand, dass jetzt zitm ersten Mal seit (VomweiFs Zeiten eine grössere Anzahl unseres Volkes sieh in England befindet, ist der wahre Beweggrund für die Berufung dieser Kommission. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, welche dies leugnen, diese Meinung in voller Aufrichtigkeit vertreten. Aber wenn sie sieh über die Fremden-Einwanderung beschweren, so ist ihnen die wahre Ursache ihrer Beschwerde unbekannt; sie fühlen den Schmerz und sie weisen auf die schmerzhafte Stelle hin, aber die Ursache muss in einer ihnen gänzlich unbekannten Welt gesucht werden. Ich halte es aber für meine Pflicht, zu sagen, dass schon die blosse Bestellung dieser Kommission an und für sieh eine Schwierigkeit, und keine kleine, ins Leben gerufen hat, denn zum Schlüsse muss die Kommission entweder eine restriktive Gesetzgebung empfehlen oder überhaupt gar keine. Wenn eine restriktive Gesetzgebung nicht empfohlen wird, so wird der blosse Umstand, dass die Kommission ihre Sitzungen abgehalten hat, zur Folge haben, dass die Einwanderung nach England einen frischen Anlauf nehmen wird. Wenn dagegen eine solche restriktive Gesetzgebung mit alF ihren Anordnungen vom Parlamente angenommen wird, dann reisst sich England von dem grossen Prinzipe los, den Bedrückten freies Asyl zu gewähren, und bisher war dieses Prinzip Englands Ruhm. Im übrigen glaube