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Die Welt · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Article
Staatsrat Mordowzew über den Zionismus
Date
1902-07-04
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 JDfe. $ WeltP Nr. 27 stehen, dass Hellas unter dem Vorwande der Dankbarkeit den Griechen zuerkannt wurde. Es ist wahr, dass das Volk Israel die zivilisierte und unzivilisierte Welt nicht sc in Anspruch nehmen kann. Hat es doch der Welt weder marmorene Minerven, noch Apollos, noch farnesische Stiere geliefert, sondern bloss das Gesetz Gottes, welches die Basis unserer christlichen Religion bildet und die des Islams der Mohammedaner. Wie gross ist das Vermächtnis, welches wir von dem Volke Israel erhielten! Und wir, die Erben dieses wohlwollenden Fürsten, was tun wir ihm? Wir verfolgen ihn zum Danke; wir weisen ihm einen Platz im Gefängnis an — in dem „jüdischen Ansiedlungsgebiet", in welches [er von aussen zurückgetrieben wird, als wäre er von Lepra befallen! . . .? Diese moralische Pflicht, welche schwer auf den zwei Welten lastet: auf der christlichen und der mohammedanischen, dieser beiden Welten moralische Pflicht ist es, das Volk Israel in das Land seiner Ahnen wieder einzusetzen. Ich glaube zuversichtlich, dass dieser Tag kommen wird und sollte er nur langsam herannahen — ich erwarte ihn ruhig. Denn die ganze Menschheit ist in Israels Schuld und die Augen der Menschheit werden offen werden. Daniel Mordowzew.* Das Schekel-Fest in Bulgarien. Ia ganz Bulgarien, überall wo eine jüdische Gemeinde existiert, wurde dieses Jahr das Nationalfest — der Jom- Haschekel — mit besonderer Feierlichkeit begangen. Auf Veranlassung des Landeskomitees in Philippopel hatten alle zionistischen Gruppen grosse Vorbereitungen getroffen, um dem Nationalfeste besonderen Glanz zu geben. In Sofia, dem Zentrum des politischen Lebens Bulgariens, hat der J o m-H aschekel (den Bulgaren ist dieser Name ebenso geläufig und vertraut, wie ein offizieller Feiertag) besonders die Aufmerksamkeit aller politischen Organe auf sich gelenkt. Die ganze politische Presse, namentlich die offiziöse ,Bulgaria% und der Minister des Innern, sowie der Polizeikommandant haben sich sehr sympathisch über unsere Bewegung ausgesprochen. Und in der Tat, die zionistische Prozession, an welcher fünf Vereine teilnahmen und zwar: „Erster Zionsverein*, „Bene-Zion", Damenverein .Debora", Turnverein ^Samson" und Gesangverein „David", stellte ein seltenes Bild dar. Der blau-weissen Fahne mit dem Mogen-David und den sieben Sternen an der Spitze, folgte die national gesinnte Gemeinde, welche auf 2000 Menschen stieg, die Nationalhymne „Hatikwa" singend, durch die menschenvollen Boulevards der bulgarischen Hauptstadt. Diese jüdische Masse, Männer, Frauen und Kinder, stellten Israel mit seinen Leiden und Freuden in seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dar. Die Herren Karl Herbst, Dr. Josue Caleb, Cohen, cand. jur. Raf. C a 1 e b und Fräulein Horn hielten die Propagandareden. Philippopel ist der Sitz des zionistischen Landeskomitees und das Zentrum der ganzen zionistischen Organisation. Das Fest wurde hier von dem R a b b in er der Stadt mit einer nationalen Rede eröffnet. Mehrere Mitglieder des Landeskomitees sprachen über die Bedeutung des Jom-Haschekel und die Entwicklung und Zukunft der zionistischen Organisation. Mehrere Korrespondenten bulgarischer und türkischer Blätter nahmen während des ganzen Tages an den Feierlichkeiten teil, widmeten am nächsten Tage ganze Spalten dem Zionismus und sprachen ihre volle Sympathie der bulgarischen Organisation, an, deren Spitze Männer von tajjißllosemgjufe und angesehener gesellschaftlicher Stellung stehen, aus. Der Pastor der evangelischen Kirche Herr Pondschow, ein begeisterter christlicher Zionist, deklamierte mit wunderbarem Pathos ein selbstverfasstes Zionslied in bulgarischer Sprache. Es sprachen Pressiado Romano, Doktor Rimalowski, Dr. Marcu Romano und Advokat Ascher Romano. InSamokoff nahmen andern zionistischen Feste alle Notablen der kleinen jüdischen Gemeinde teil. Es waren unter anderen bei der Eröffnung der Feier anwesend: der Rabbiner Rabbi Mair Rehmoaras, der Direktor der Schule der „Alliance" Herr Basson und andere. Ein gemischter Chor, zusammengestellt von Mädchen und Knaben der beiden Schulen, sang die Nationalhymne. Es sprachen die Herren Leon Arie, Isaak Le'wy und Jakob Haim. In Nikopol wurden an dem Ufer der Donau zionistische Lieder gesungen, Deklamationen und Reden gehalten. Eine grosse Zahl Schekel wurden verkauft und eine grössere Summe für den Nationalfonds gesammelt. Herr A 1 k a 1 a y hielt die Festrede. In Stara-Sagora wurde der Jom-Haschekel als wahrer Feiertag angesehen. Die Juden, festlich gekleidet, wechselten Besuche untereinander und gratulierten sich herzlich. Die Mitglieder der beiden Vereine „Or-Zion" und „Esperanza" entwickelten während dieses Tages eine rege Propaganda, infolge deren viele neue Adepten für unsere Sache gewonnen wurden, und wurde eine bedeutende Summe für den jüdischen Nationalfonds gesammelt. Ein Bulgare (Christ) gab auch seinen Obol für den jüdischen Nationalfonds. In Dubnitza nahm das Fest seinen Anfang mit einem Gebet in der Synagoge. Herr Jakob Keschales sprach über die Bedeutung des Jpm-H aschekel; Herr Josef Ha imo f f sprach über die Entwicklung-und den Fortschritt des Zionismus; Herr NissimAlkalay sprach über die Bedeutung des Schekels. In Rasgrad wurde anlässlich der Feier die Synagoge mit Nationalf ahnen geschmückt. Der Rabbiner Rabbi Jakob B. Israel sprach über die Bedeutung des Tages. Herr Schelomo Mevorach, Lehrer der hebräischen Sprache, sagte, dass die Erlösung des jüdischen Volkes in den Händen des jüdischen Volkes selbst steht. Herr David Crispin hielt eine Propagandarede. In S1 i v n o wurde die Feier besonders durch die Anwesenheit der besseren christlichen Kreise ausgezeichnet. Viele Gymnasiallehrer, Advokaten und Aerzte besuchten den Festabend, veranstaltet von den beiden zionistischen Vereinen „El progresso" und „Benoth-Zion". In W i d d i n kündigten Plakate in den von den Juden bewohnten Strassen das Programm der Feier an. Schon in der Frühe waren der Rabbiner, die Gemeindemitglieder und eine grosse Zahl Zionisten versammelt. Die Feier wurde mit einer Rede des Präsidenten des Vereines „Zion" eröffnet. Von hier zogen alle Zionisten der Stadt, die weiss-blaue Fahne an der Spitze, unter den Tönen der Nationalhymne, die belebtesten Strassen entlang und manifestierten ruhig und würdig das nationale Ideal. Die Mitglieder des Damen- Zionisten-Vereines „Benoth-Zion" zeichneten sich besonders durch rege Beteiligung aus. In No va-Sagora wohnte der Schulinspektor mit allen Lehrern der bulgarischen Schulen der Feier bei. Der Rabbiner und dessen Söhne, feurige Zionisten, hielten zionistische Reden. In Jambol fand abends in dem Lokal des jüdischen Klubs ein feierliches Bankett statt, bei welchen zionistische Lieder gesungen und Deklamationen nationalen Inhaltes in bulgarischer, hebräischer und spaniolischer Sprache gehalten wurden. In Tschirpan haben alle Juden freudig kleine Beiträge für den Nationalfonds gegeben. In Tatar-Bazardjik, dem Sitze der Banko-Schekel-Sektion

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