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Die Welt · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Article
Staatsrat Mordowzew über den Zionismus
Date
1902-07-04
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 JMe & Welt" Seite 5 die ewigen Grundsätze der Freiheit, der Aufklärung und des1 Fortschrittes :in: wirkungsvoller Weise und in künstlerisch vollendeter Form zum Ausdrucke gelangten. Aber auch als Historiker und historischer Romanschriftsteller nimmt Mordowzew in Russland einen hervorragenden Platz ein. Er schuf auf diesem Gebiete Bleibendes, Unvergängliches. Sein zweibändiges Werk „Die politischen Bewegungen des russischen Volkes" ist eine geist- und farbenreiche Chronik des russischen Volkes. Auf dem Gebiete des historischen Romanes (aus dem Leben des kleinrussischen Volkes, dem Mordowzew entstammt) wetteifert Mordowzew mit Walter Scott. Auch inseinen Romanen aus diesem Leben entrollt Mordowzew poesiereiche und farbenprächtige Bilder aus dem historischen Leben des alten Kosakentums und der alten Kleinrussen, in denen Gestalten und Ereignisse längstvergangener Zeiten in Lebensgrösse und Lebensfülle vorgeführt werden. Aber alle diese Arbeiten erschöpfen die schriftstellerische Thätigkeit M o r d o w z e w s nicht. Er fand auch Zeit und Müsse für das historische Leben des jüdischen Volkes, dem er Material und Stoff zu vielen anmutigen, tiefdurchdachten und sachkundigen Romanen und Novellen entnahm. In diesen seinen Werken verstand es Mordowzew, die edlen und erhabenen Eigenschaften des jüdischen Volkes des Altertums mit anziehenden Farben zu schildern und seine Bedeutung auf der historischen Weltbühne hervorzuheben. Aber noch eines ist es, was den Namen Mordowzew für unsere Volksgenossen in Russland besonders teuer macht: sein mutiges Eintreten für die russischen Juden zur Zeit der Judenverfolgungen in Russland. Damals, anfangs der Achtzigerjahre, als in Russland die wilden Leidenschaften entfesselt und die Juden fast in allen Städten Südrusslands geplündert und ihres Hab und Gutes beraubt wurden, schrieb Mordowzew in der russischen Tagespresse mutige Artikel, in welchen er für das gebeugte Recht und für unsere unglücklichen Volksgenossen energisch und warm eintrat. Er tat es mit so viel Bescheidenheit, er fand seinen Schritt so selbstverständlich, dass er es nicht begreifen konnte, warum seine Briefe zu gunsten der Juden so viel Sensation erweckten. Und noch jetzt, in hohem Alter, hört Mordowzew nicht auf, seinen Sympathien für die Juden bei jeder Gelegenheit laut Ausdruck zu verleihen. Der junge hebräische Poet Ezechiel Le w itt, aus Russland gebürtig und gegenwärtig in Amerika wohnhaft, erhielt von Staatsrat Daniel Mordowzew folgenden Brief, den die Zeitschrift „The Jewish Exponent" in Philadelphia publiziert: „Seit der Zerstörung von Jerusalem durch Titus, da das Königreich Juda von den römischen Legionen unterjocht wurde, ist das jüdische Volk, das seines historischen Vaterlaiides beraubt worden ist, in ein Wandervolk verwandelt worden. Welch seltsames Bild im Weltendrama: ein ganzes Volk auf der Wanderschaft! Dieses Volk, das von seinem Boden vertrieben wurde, nahm den Wanderstab in die Hand und sein Bündel, mit dem einzigen, was ihm geblieben war — dem kostbarsten Gute, den Heiligen Schriften — auf den Rücken, und begann einen Platz zu suchen, wo es das müde Haupt auf fremdem Boden zur Ruhe legen könnte. Der eine Teil siedelte sich unter den Römern an und der andere unter den Spaniern, und auf der ganzen Welt sind Splitter von ihnen zu finden. Wer kennt nicht dieses Nomadenvolk? Aber wer ist nicht auch vertraut mit den rasenden Wogen der Verfolgung, welche dieses merkwürdige Volk während seines langen Exils zu verschlingen drohten? Mein Herz empört sich vor Scham und meine Seele fühlt sich verwundet, wenn ich der Jahrhunderte der Verfolgung der Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs gedenke, mit welchen Namen wir Christen durch die heiligen Bücher Moses' innig verknüpft sind, und die gerechterweise unsere wohlwollende Behandlung und Gastfreundschaft verdienten ... Allein, welches Wunder! Am Ende des 19. Jahrhunderts erstehen weise Männer in Israel — Propheten in der Gegenwart, nicht solche, welche ihre Seligkeit und ihr Glück in ihren Adoptiv-Vaterländern finden, deren Fels der Erlösung der Mammon ist, sondern schlichte, bescheidene und aufrichtige Männer, deren Augen nicht durch goldenen Schein geblendet sind; wahre Priester des unglücklichen Israel und seine geistigen Führer. Und sie sagen: „Erheben wir uns und kehren wir in das Land zurück, aus dem wir durch die Römer vertrieben worden sind, in das Land, das mit unserem Blute und unseren Tränen getränkt worden ist! Jene Weichlinge von unseren Brüdern, die durch goldene oder silberne Ketten an ihr Exilland in der Diaspora gefesselt sind, mögen bleiben, wo sie sich wohl fühlen* Du aber, Israel, erhebe Dich!" Dieser Ruf erzeugte die zionistische Bewegung. Es erklingt von einem Ende der Welt zum anderen; von dem benachbarten jüdischen Ansiedlungsgebiete in Russland bis zum fernen Argentinien, von den glühenden Regionen Afrikas bis zu den Schneefeldern Alaskas. Dieser R uf „Heimwärts" will ein Fortschritt sein und unterscheidet sich wohl von dem gleichen Rufe „Heimwärts", welchen Aksakow an die Juden richtete, und welcher „Rückwärts" bedeutete. Die Stimme Jakobs ist voller Inbrunst, das Ergebnis von jahrhundertelanger Betrübnis im Feuerofen peinvoller Tyrannei. Da aber Palästina, die Geburtsstätte Israels, seinem legitimen Eigner vor langer Zeit weggenommen worden ist — wie kann es ihm wiedergeben werden? Es muss von seinem gegenwärtigen Beherrscher, dem Sultan, erworben werden. Aber, wo ist das hierzu notwendige Geld, da Israel in seinem Bündel nichts hat, als die heiligen Schriften? Wie und auf welche Art kann die Transaktion durchgeführt werden? In der Art, in welcher die Griechen ihr historisches Land — Hellas und die Inseln — wieder erlangten. In Erinnerung und zum Danke an das Hellas des Altertums, welches die Welt mit seiner Philosophie, Wissenschaft und wundervollen Kunst beglückte; als ein Zeichen der Anerkennung der Menschheit für die grossen Söhne, welche es ihr in den Personen der Sokrates, Plato, Aristoteles, Aeschylos, Sophokles und jener anderen Genies geschenkt hat, die wieder die Welt mit den marmornen Göttern und Göttinnen bereichert haben — haben die Mächte zugestimmt, dass Hellas den Nachkommen der einstigen Besitzer wieder zurückerstattet werde. Es mag sein, dass nicht alle Grossmächte der alten Schuld sich erinnerten; manche mögen durch die wolbekannte Regel hierzu veranlasst worden sein; „Gib mir und ich will dir geben." Aber welcher Natur immer das Motiv war, die Tatsache bleibt be-

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