Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Article
- Eine Kommanditgesellschaft zur Errichtung jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen
- Date
- 1902-07-04
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 27 „Die & Welt4* Seite 3 für das ganze jüdische Leben, wie für jeden einzelnen davon Berührten anregend und aneifemd wirken; für die Existenz vieler wird die Gründimg eines solchen Heimes soziale Rettung und ethische Erlösung bedeuten. Es werden sieh der Gründung der Gesellschaft sowie der einzelnenlnstitutionen gewiss manche Hindernisse in den Weg stellen; warum sollte uns aber misslingen, was bei fast allen Minoritäts-Nationen möglich war? Es tut nur not, dass wir gleich bei den ersten vorbereitenden Schritten ernste Berater und hilfsbereite Mitarbeiter finden. Die Gründung der geplanten Gesellschaft würde von den KulimgeinpMiden freudig begrüsst werden, weil dieselbe eine grosse Anzahl ihrer Lasten auf sich nehmen würde. Die Kvlhixgcmeindcn, jüdische?! Korporationen und Kapitalisten würden ihre Unterstützung und Förderung nicht versagen, aber es müsste bereits etwas Reales vorhanden sein, das über Theorie und Pläneschmieden hinausgewachsen ist. Ihre Treuen und Hilfsbereiten mögen sich deshalb bald zu uns scharen, damit wir den Stein ins Rollen bringen und die Erreichung des Zieles ermöglichen. Wir werden die Notwendigkeit des Almosengebens damit nicht aus der Welt schaffen, was aber allmählich erreicht werden soll, ist, die Wohltätigkeit in würdigere Formen zu leiten. Generalversammlung und Jahresbericht der „Jewish Colonisa'ion Association". Da zu der Generalversammlung dieser Millionen- Stiftung, welche einen sehr intimen Charakter trug (indem an denselben, wie das offiziöse Organ der Ica, der „Jewish Chronicle" selbst zugibt, nur ein Minjan teilgenommen hat), keine Journalisten zugelassen wurden, müssen wir uns darauf beschränken, den Bericht über dieselbe, der ebenso interessant ist, durch das, was er sagt, als durch das, was er nicht sagt, nach den Mitteilungen des „Jewish Chronicle" zu übersetzen. Aus diesem Grunde wollen wir auch die Einleitung des „Jewish Chronicle" vorausschicken. Dieselbe lautet: „Die Generalversammlung der „Jewish Colonisation Association" fand Sonntag den 22. Juni d. J. in den Gesell schaftsräumen, Paris, 2 nie Pasquier, statt. Vielleicht gibt es keine andere Gesellschaft der Welt, welche so viele Millionen Pfund Sterling zur Disposition hat, deren statutarische Generalversammlung so rein formal ist und so kurze Zeit in Anspruch nimmt, wie diese; aber der Grund hierfür ist nicht schwer einzusehen. Die einzelnen Shares- Besitzer würden kaum ein Minjan bilden, wenn sie zur Generalversammlung kämen, uncl da fast alle in England ihren Sitz hahfcn, wollten sie sich nicht beul ü h e n, den Kanal für eine blosse Formalität zu durchqueren; weiters geht der Generalversammlung eine Versammlung des Councils (Direktorium) voraus, welche sich mit den Gegenständen befasst, welche der Generalversammlung vorgelegt werden. Das war auch diesmal der Fall." Die bei der Generalversammlung anwesenden Herren* waren : M. Xarciss Leven, Präsident der „Ica", welcher den Vorsitz führte, M. Zadoc Kahn, Grossrabbiner von Frankreich, und M. Salonion Reinach (Paris), Generalkonsul i'hilippson, Vizepräsident, und M. Paul Errera (Brüssel), .Mrs. Alfred L. Cohen, Herbert G. Lousada und Claude G. Montefiore (London), Eduard Lachmann (Berlin), Charles Hallgarten und Dr. Julius Plotke (Frankfurt a. M.). Von Beamten waren anwesend: Dr. E. Schwarzleid, Sekretär, und die Herren Adler und Meyersolm, Direktoren. Dr. Sonnen fehl, der Chefdirektor, war abwesend, da er gegenwärtig in Angelegenheiten der „Ica" in Argentinien weilt, doch ist von ihm noch kein Berieht eingelaufen und nur eine Depesche hat seine glückliche Ankunft gemeldet. Das Protokoll der letzten Generalversammlung wurde von Dr. Schwarzfeld verlesen und von der Versammlung genehmigt. Der Bericht für das Jahr 1901, von Mr. Moss vorbereitet, die Schlussrechnung und eine Skizze des Jahresberichtes wurden unterbreitet, als gelesen angenommen und genehmigt. Die Schlussrechnung wird, wie bekannt, niemals publiziert. Mr. Claude Montefiore gibt bekannt, dass die Schlussrechnung durch die Trustees (Mrs. Ellis A. Franklin und J. Seligmann) für die Shares, welche sich im Besitze der Anglo Jewish Association befinden, geprüft worden ist. Mr. Seligmann hat ihn (Redner) gebeten, seine Zufriedenheit mit den finanziellen Massnahmen und mit der Anlage der Fonds seinem Wunsehe gemäss auszusprechen. Er (Montefiore) spreche noch die Hoffnung aus, dass in Zukunft der Entwurf des Jahresberichtes früher fertig sein werde, so dass derselbe nach den Wünschn des Councils der Anglo Jewisch Association von dieser Körperschaft vor der Generalversammlungder „Ica" geprüft werden könne. Was das laufende Jahr betrifft, so wäre die Nichterfüllung dieses Wunsches mit Dt. Sonnenfelds Abwesenheit zu entschuldigen. Der Jahresbericht wird gedruckt und unter den Shares-Besitzern verteilt werden. Der Bericht umfasst nahezu 200 Schreibmasehinien-(iuartseiten. Mr. Alfred. L. Cohen schlägt vor, durch Generalkonsul Philippson und Mr. Reinach einen kompendiösfren Auszug aus demselben zu veranstalten. (Angenommen.) Die Wahl des M. Errera zum Mitglied des Councils an Stelle des M. Georges Cohen, Paris, der zurückgetreten ist, wurde formell' genehmigt. Die Versammlung sehloss mit einem von Dr. Plotke vogeschlagenen und Mr. Alfred L. Cohen unterstützten Dankesvotum an den Präsidenten für die bewunderungswürdige Art, mit der er die Geschäfte der „Ica" während des letzten Jahres geleitet hat." Der „Jewish Chronielc" schlichst an diese Einleitung die Mitteilung, dass er in der Lage sei, einen Auszug aus dem Berichte zu bringen, welcher sich mit der Neuen Welt beschäftigt und nur aus Argentinien und den Vereinigten Staaten einige Details auslässt, welche die Leser nicht interessieren dürften. (?) Jahresbericht der Jewish Colonization Association. Einleitung und Uebersicht. In Argentinie n haben wir ein Jahr der Dürre gehabt. Die Ernte war trotzdem über dem Durchschnitt in Mauricio und in der Kolonie Etre Rios. In Moisesville war die Weizen-, Flachs- und Maisernte gering, dagegen gestaltete sich der Anbau von Futterklee produktiv und bot den Kolonisten wertvolle Vorteile. Das Futter für das Vieh ist sowohl in dieser Kolonie wie in Mauricio gesichert, falls die natürliche Weide nicht ergiebig sein sollte. Unsere Kolonisten haben in diesem besonders kritischen Jahre, welches so viele Verluste verursachte, nicht zu viel gelitten. In den V e r e i n i g t e n S t a a t e n hat unsere Intervention n i c h t das Resultat gehabt, welches wir erwartet haben. Die Jewish Agricultural and Industrial Aid Society, welche wir zusammen mit dem Baron de Hirsch- Fonds gegründet haben, hat ihrer Aktion nicht jene Ausdehnung gegeben, welche wir erwartet haben. Ihr Präsident war durch Krankheit verhindert, dem Werke den nötigen Impuls zu geben. Wir haben trotzdem den Baron de Hirsch- Fonds autorisiert, für die Ausdehnung der Industrie in Woodbine einen Teil der Fonds zu verwenden, welche dieser Gesellschaft im Jahre 1901 übergeben wurden. Wir haben unsere Unterstützung des Baron de Hirsch-Fonds für seine