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Die Welt · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Article
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Date
1902-06-27
Page
8 (sequence 4)
Language
German
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Seite 8 „Bte £ WeBP4 Nr. 26 und seht!" lasen sie. Diese Bücher schöpften zwar ans jenen und bedienten sich Brocken, Sagen, frommer Aussprüche ■ der Schriften alter Zeiten; aber wie anders sieht's hier aus. Alles ist von einem milden Licht, lümmlische und irdische Mächte sind wie Schwestern miteinander, und überall geht's mütterlich und gar freundlich zu. Hier herrscht die Idylle wie an der Urquelle. Man fühlt sich so gut, dass man am liebsten ewig leben möchte und Gottes Namen preisen. Des Ewigen Willen zu thun und seine Gebote zu befolgen, ist uns gar nicht befohlen, man thut es von selbst, wie wenn die Sonne in uns aufgeht, wie wenn die Stimme der Mutter uns ruft. Die" Landschaften kamen immer aus den heiligen Stätten, wo wir zuhause waren, wo wir während unserer ganzen Jugend lustwandelten und das Gegebene nur zu pflücken brauchten . . - Das fehlte ganz und gar der weltliehen Dichtung bei uns, die sich auf dieser aufbaute, richtiger, sprachlich von dieser ausgieng. Dieser Güter entblösst, hatten wir keinen Ersatz, weil wir nie die Tradition einer Kunst genossen, die zur Eeligion wurde, die das Göttliche im Irdischen versinnbildlichte. Unsere Wohnstätten, die Bethäuser, Tisch und Stuhl, wo wir lernten und assen, alles war kahl und nichtssagend, unsere Kleider schmierig, die Suppen fad, die zinnernen Löffel ganz unmöglich. Wo hätten wir einen Schimmer von Kunst hernehmen sollen? Das ist an unserer weltlichen Dichtung ziemlich zu erkennen. Das Dürre ist dürr, und das Lichtvolle ist erborgt von aussen her. Zur Kunst kam man bei uns erst nachher, als man sich dem Volke abwandte, sein Leben nicht mehr lebte, seine Hoffnungen nicht mehr theilte. Es kam zum Theil aus Eaehe, zum Theil aus Schmerz, zum Theil aus dem Willen zum Untergang. Das ist nicht zu verhehlen, das fühlt man an seinem eigenen Leibe .... Ich sprach vorher vom Landschaftlichen, und hier soll wieder ein grosser Haken liegen, da wir vom Lande, in dem . wir geboren sind, am wenigsten wissen, und Berg und Thal, die unsere Wiege umgaben, uns bis zur Stunde im eigentlichen Sinne fremd blieben. Das Land selbst gibt nichts ohne völlige Zusammengehörigkeit, ohne ein Zugehören zu jenen Ururahnen, welche es bevölkert haben und es bewohnt haben. So ist's. Bleibt man in der alten, zerbrochenen Sehale stecken, dann hört man nichts und man weiss nichts. Will man aber über sich hinaus, zu jenen Uranfängen sich den Weg bahnen, so rückt man in eine Ferne, wo man seine eigene Stimme nicht mehr vernimmt. ^FibuiK* Palästinafahrt, verunstaltet von der „V ereinigung zionistischer Hochsliüler" in Wien. Aufruf! Das Streben nach Verwirklichung der Ideale unseres Volkes erheischt eine Weitung unserer Ausblicke. Die genaue Kenntnis des Landes unserer Erinnerung und unserer Sehnsucht ist in uns allen ein Stück Leben — ganz abgesehen davon., dass es notwendig sein wird., Palästina durch Fachleute gründlich erforschen zu lassen. Indes werden sich sicherlich diesen grösseren Arbeiten, die nur eine Frage der Zeit sind, kleinere Zionsreisen anreiben oder dieselben vorbereiten. Die.se Ausrüstung einer solchen Heise hat sich das unterzeichnete Komitee das aus der Initiative der „Vereinigung zionistischer Hochschüler" hervorgegangen ist, zur Aufgabe gemacht und plant eine auf vier bis sechs Wochen berechnete Palästinafiihrt, womöglich schon für die Sommerferien des Jahres 1903. Der genaue Termin wird dem Wunsche der Teilnehmer entsprechend festgesetzt werden. Zwar hindert schon die Kürze der Reisezeit eine wissenschaftliche Arbeit irgendwelcher Art,, aber immerhin kann diese Reise durch eine tüchtige und ernstwillige Teilnehmersellaft einen schönen Inhalt bekommen; sie kann eine anregende Studienreise werden in viel höherem als dem landläufigen Sinne — denn soviel 9 auch über Palästina gesprochen und geschrieben wurde, wie lebendig und wahr, wie innig und gründlich werden wir da schauen, wo die Zukunft unseres Volkes erspriessen soll. Immerhin können wenig betretene Gregenden besucht, kann künftigen Studien eine ernste Anregung gegeben werden. Und den Teilnehmern wird Palästina ewig in Erinnerung bleiben, sie werden durch den innigen Verkehr mit unseren Pionnieren der Arbeit, den jüdischen Ackerbauern, ihre Hoffnungsfreudigkeit und) ihren Arbeitsmut stärken und ein Stück Palästina ihren Brüdern und Schwestern in die Heimat bringen. Der Aufruf richtet sich an diejenigen, die irgend eine Tüchtigkeit und Befähigung zu künftiger Arbeit in sich tragen, zunächst an Zionisten als an diejenigen, denen das Zukunftsland am meisten zu sagen hat, aber auch an alle jene Nichtzionisten, die sich zu einem lebendigen, entwicklungsfähigen Judentum bekennen, er richtet sich ferner zunächst an die Akademiker, als an die zum gründlichen Studium Palästinas berufenste Gruppe. Aber auch Teilnehmer anderen Standes sind uns herzlich willkommen. Das Maximum aller Reisekosten dürfte sich auf 400 Francs per Kopf belaufen; doch plant das Komitee Un.ternehmungen, deren Ertrag einem gemeinsamen Reisefonds zufliessen und ärmeren Reisegenossen bedeutende Erleichterungen gewähren soll. Um einen Ueberblick über die Zahl der Reisenden, ihre Wünsche und Ansichten zu gewinnen und um darnach die Organisation unseres Unternehmens durchführen zu können, fordern wir alle, die es mit der Palästinafahrt ernst meinen, auf, ihre Adressen, Wünsche und Anregungen bis 1. Juli d. J. an Dr. Egon Zweig, IX., Berggasse 8, II. St. Th. 11, bekannt zu geben, die zur Teilnahme Bereiten, eine Angabe von 10 K., 10 Mk. 10 Pres., 10 Sh., 4 Pub. beizuschliessen, die bestätigt, doch nur dann zurückgezahlt wird, wenn die Fahrt gänzlich unterbleibt. Die monatliche Rate beträgt 40 K., resp. den äquivalenten Betrag der betreffenden Landeswährung und ist die erste Rate am 1. August fällig. Unterbleibt die Fahrt eines Angemeldeten, so verfällt bloss die 0 Anzahlung von 10 K. zugunsten des gemeinsamen Reisefonds, der zur Gewährung von Ermässigungen für minderbemittelte Teilnehmer bestimmt ist. So möge denn unser Ruf hinausdringen in die Länder, wo Juden wohnen und ein frohes und mächtiges Echo erwecken. Das Komitee : techn. Ignatz K o h n, Obmann; jur. Josef Meisl, Schriftführer; jur. Hugo Deutsch, phil. Arthur Freud, phil. Bernhard Geiger, techn. Alfred II e r s z 1 i k i e w i c z, phil. Ernst Müller, med. Jakob Söliorr, Dr. Egon Zweig. * Wien. Die „Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern „Bar Giora" hält Montag den 30. d. M. (8 Uhr abends) eine ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses. % Kassaangelegenheiten, 3. Ferialarbeii 4. Eventualia. Ort: VIII. Langegasse 14, II. Stiege, Th. 29. Der provisorische Ausschuss. Anregungen zum Nationatfonds. Sehr geehrter Herr Eedakteur! Heute brachte mir die Post eine Einladung, mit der mir unser Gesinnungsgenosse Herr C. Carlin in Amsterdam von der bevorstehenden Vermählung seiner Tochter Kenntnis gab. Die Einladung trägt auf beiden Seiten Marken des Nationalfonds. Ich halte diese Absicht, die Idee des Nationalfonds zu propagieren, für eine äusserst glückliche und nachahmenswerte. Meines Erachtens sollte aber auch auf derlei Familienmeldungen statt der üblichen Phrase: „Telegrammadresse . . . stehen: „Man bittet, die Glückwünsche in Nationalfonds-Marken zu übersenden." Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie dieser Anregung in Ihrem werten Blatte Baum geben wollten. Ich bin mit Zionsgrüssen Ihr ergebener J. S. . . .

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