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Die Welt · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Article
Thesen zum Referate "Die praktischen Aufgaben und Ziele der Organisationen"
Date
1902-05-16
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 „Die # Wdt^ß Seite 7 6. CJeber Colonisations versuche auf genossenschaftlicher Basis. II. Ausser den sich zu diesen Arbeiten freiwillig Meldenden haben die D.-C, den zionistischen Studentenverbindungen einzelne dieser Arbeiten zuzuweisen. Den Ehrgeiz und die Arbeitsfreude anzuregen, sind von den D.-C. für die besten Monographien Preise auszusetzen. Ausserdem werden die hierzu auserwählten Arbeiten vom L.-C. in Verlag genommen und für deren Verbreitung gesorgt. Die Verfasser participieren an den Erträgnissen dieser Arbeiten. III. Eine wesentliche Basis für alle wirtschaftlichen Unternehmungen ist die Statistik, und zwar zunächst die Personalstatistik. Den Organisationen haben deshalb ehestens entsprechende Formulare zuzugehen, die in tabellarischer Form die bekannten Daten über Geburtsjahr und -Ort, Beschäftigung, Bildungsgang, Familie etc. enthalten sollen, überdies aber mit einem kurzen Lebensabrisse, den Schicksalen und Kämpfen des Befragten — als Anfang — zu versehen wären. Diese ausgefüllten Formulare werden an einen Central-Cataster direct einzuschicken sein, in den nur ganz bestimmte, hierzu gewählte Personen Einblick haben dürfen, die mit der Pflege der Statistik, respective mit der Verarbeitung des statistischen Materials betraut sind. B. Ist die Statistik eine technische Voraussetzung vieler wirtschaftlicher Arbeiten, so ist die Erkenntnis von der Bedeutung der Organisation, der gegenseitigen Hilfeleistung, kurz des für die Wirtschaftsentwicklung so wichtigen Genössenschaftsprincipes eine geistige und moralische Voraussetzung für das Erreichea unserer Ziele. Es bedarf eines einheitlichen, geschlossenen Vorgehens aller Organisationen; das ins Auge fassen g e m e i nsamer, unmittelbarer Actionen ist nothwendig. I. Die erste dieser grossen Aufgaben soll die Errichtung des Conditionslosenfonds, der Ausbau der Central-Stellenvermittlung sein. Nicht nur die Handelsangestellten und Arbeiter, auch der gesammte Mittelstand ist im höchsten Masse daran interessiert, dass eine Vermehrung des Bettelproletariats möglichst hin tan geh alten werde. Der Grundstock zum Conditionslosen-Fonds soll auf Grund des Statuts-Entwurfes (siehe Beilage I) Kr. 10.000.— betragen. Jede österreichische Organisation soll die Beschaffung eines Theiles dieses Betrages auf sieh nehmen und sich bemühen, durch Veranstaltung von Festen, Sammlungen, durch Gesuche an Wohlfahrtsinstitute, Stiftungen und Cultusgemeinden etc. das baldige Insleben treten dieses Fonds zu ermöglichen. IL Eine nicht minder würdige aber unvergleichlich schwerer durchzuführende Action wäre die Errichtung eines Studentenheims, einer jüdischen Mensa und einer Versicherungs- oder Sparcassen-Institution, die den fürsorglichen jüdischen Eltern die Möglichkeit gibt, für ihre zum Studium bestimmten Söhne schon in der Mittelschule Beträge wegzulegen, die dem Hochschüler dann als Prüfungs¬ oder Schulgelder sehr gut kommen würden. Die Durchführung letztgenannter Anregung hängt einerseits davon ab, wie die Organisationen functionieren werden, andererseits, ob ein versierter und versicherungstechnisch geschulter Fachmann an der Spitze dieser Unternehmung stehen wird. Jedenfalls wird das Landes-Comite in stetem Contact mit den Districts-Cornites diese Fragen gründlich zu studieren und den Organisationen von Zeit zu Zeit Bericht über den Stand dieser Angelegenheit zu erstatten haben. III, Selbst diese grossen Aufgaben könnte man unmittelbar in Angriff nehmen, wenn das System der öffentlichen und privaten jüdischen Wohlthätigkeit geregelt wäre. Die grossen Missbräuche auf diesem Gebiete haben eine Verzettelung und Zersplitterung namhafter Summen zufolge, die. wohl einen ausgebreiteten Stand von Gewohnheitsbettlern zeugten, für ,die Consolidierung der schwerbedrückten, schwankenden Existenzen aber leider wenig dienen konnten, trotz der besseren Erkenntnis einzelner Berufener. Eine Aenderung hierin kann nur allmählich angestrebt werden. Den Cultusgemeinden wird es obliegen, die Centralisation des Armenwesens durchzuführen, und zwar unter theilweiser Anlehnung an bereits unternommene Versuche nach dieser Richtung. Die bestehenden Wohlthätigkeitvereine und Institutionen aller Art werden veranlasst, Vertreter zu monatlich stattfindenden Sitzungen, die die Cultusgemeinde einberuft, zu senden. Diese Vertreter bringen genaue Aufzeichnungen über die eingelaufenen und erledigten Gesuche mit; die wesentlichen Daten werden in ein entsprechend angelegtes Buch des Central-Comites eingetragen; die hierbei gemachten Beobachtungen werden erstens eine vernünftige Arbeits- oder Lastenvertheilung zur Folge haben, zweitens einer Reihe von Missbräuchen abhelfen und schliesslich vielleicht auch eine andere Handhabung des bereits recht unjüdisch gewordenen jüdischen Wohlthätigkeitssinnes zur Folge haben. Diese Reform lässt sich nicht decretieren. Die Indolenz oder Arbeitsüberbürdung der Functionäre würde jeden solchen Versuch illusorisch machen. Die so dringende Umgestaltung des Armenwesens ist nur mit Hilfe einer gut disciplinierten, arbeitswilligen Organisation möglich. Die Districts-Cornites werden die bestehenden Wohlfahrtskörperschaften gruppieren müssen und die einzelnen Organisationen zum Eintritt ihrer Mitglieder in die ihnen zugewiesenen Vereine und Comites veranlassen. Diese Mitglieder werden zwar ihre zionistischen Gesichtspunkte stets betonen, eine Verflachung oder auch nur scheinbare Unterdrückung ihrer Gesinnung unter allen Umständen verhindern müssen, in der sachlichen Arbeit sollen sie aber nicht Zerstörer oder Oppositionelle um jeden Preis sein, sondern durch ernste opferwillige Mitarbeit berechtigten Einüuss in diesen Vereinen erlangen. Dann werden auch die nothwendigen Aufzeichnungen geführt und die gemeinsamen grossen Sitzungen regelmässig beschickt werden. Diese Arbeiten fallen in erster Linie den Bürgervereinen zu, deren innerer Thätigkeit, sei es zur Begründung von Credit- und Vorschusscassen, von Los- oder anderen Vereinigungen gewiss hierdurch kein Abbruch geschehen wird. IV. Eine wichtige Function haben die Bürgervereine noch durch Unterstützung und Empfehlung jüdischer Handwerker zu vollführen, damit nicht wie bisher eine grosse Zahl tüchtiger und fleissiger jüdischer Arbeiter durch die christliche und jüdische Boycottierung brotlos werde. Die Frauen- und Mädchenvereine werden die Gründung von Koch-, Näh- und Dienstbotenschulen durchzuführen haben. Nothwendig wäre die Errichtung von Arbeitshallen, in denen wenig beschäftigte Handwerker, Näherinnen etc. vorübergehend Arbeit finden würden. Die jüdischen Hausfrauen würden sich bei entsprechender Leitung des Instituts gerne dazu verstehen, ihre Stickarbeit hier versorgen zu lassen oder von dort Arbeiterinnen ins Haus zu nehmen. Die Arbeitsvermittlung für jüdische Handwerker überhaupt liesse sich hiermit gut verbinden, sowie auch die obengenannten Institutionen der Nähsehulen etc. Die Gründung von jüdischen Schulen, namentlich Volksschulen und Lehrerbildungsanstalten, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Ausführung dieses Themas wird ein bewährter Schulmann übernehmen.

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