Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 19 (9.5.1902)
- Article
- Die österreichischen Cultusgemeinden und der Zionismus
- Date
- 1902-05-09
- Page
- 4 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 4 Die & Welt" Nr. 19 richten, somit sociale, und volkserzieherische Pflichten zu erfüllen. Da aber -unsere Gemeinden diese Pflichten nicht erfüllen, so sollen unsere Zionisten Anträge stellen, und sollten dieselben nicht günstig erledigt aber beobachtet werden, so müssen wir uns an die Landesstellen mit Petitionen wenden, dass die Gemeinden zur Beobachtung des Gesetzes verhalten werden. Zwar wird man uns Kampf zionisten nennen, aber wir werden auch so lange kämpfen, bis die Ideen der jüdischen Moderne in die Köpfe der Gemeindevorsteher eingedrungen sein werden. Nach China! In den Tagesblättern war diese Woche eine kurze Depesche aus Bukarest zu lesen, worin mitgetheilt wird, dass 3000 rumänische Juden sich vereinigt haben, um nach den jüdischen Osterfeiertagen gemeinsam nach — China auszuwandern. Wie viele Leser mögen diese Depesche übersehen und wie viele sie flüchtig gelesen haben, ohne sich weitere Gedanken darüber zu machen?! Und doch, wie viel steckt in dieser kurzen Mittheilung! Welcher Jammer muss da herrschen, wenn sich 3000 Juden, die vom Leben niemals verweichlicht worden sind, entschliessen, das Land, in dem sie geboren worden sind und das die Gebeine ihrer Väter birgt, zu verlassen, die Verhältnisse, die sie wenigstens kennen und denen sie bisher schlecht und recht gewachsen waren durch Verständnis der Sprache, durch Kenntnis der Landessitten und -Gebräuche, in Stich zu lassen, und sich mit ihren armseligen Mitteln hinauszuwagen in das Ungewisse! Ali das ist jedoch schon dagewesen. Diese Auswanderung unterscheidet sich aber von allen früheren. Die früheren Emigrationen hatten meist die grossen angelsächsischen Freistaaten dies- und jenseits des Oceans, von altersher berühmt als Freistätten für alle Verfolgten und Heimatlosen, zum Ziele. Dort trafen die armen Ausgestossenen Brüder, an die sie sich — trotzdem auch sie meist nicht auf Rosen gebettet sind — doch anschmiegen konnten. Die früher Angekommenen konnten den Neuankömmlingen ihre Erfahrungen mittheilen, sie warnen und ihnen den Weg weisen. Kurzum, die Ankömmlinge waren wenigstens nicht verlassen, nicht ganz auf sich allein angewiesen . . . Die jetzt Ankommenden aber stehen vor der Gefahr, dass ihnen die Asylthore — soweit sie nicht schon geschlossen sind — vor der Nase zugeklappt werden ... In der ganzen grossen christlich-arischen Welt ist fast kein Plätzchen mehr übrig für die armen ausgetriebenen Juden, und sie müssen bei einem Volke Zuflucht suchen, das man ungerechterweise als barbarisch bezeichnet, das aber gewiss nicht so intolerant ist, wie die christliche Civilisation! Es sind die ersten Juden, welche in Massen sich in China ansiedeln wollen. Wohl gibt es in China einzelne eingewanderte Juden; es sind dies reiche Handelsherren oder ihre Angestellten . . . Werden diese sich der armen Brüder solcherart annehmen, wie es die Armen den Armen gegenüber thun? Die Sprache ist den Einwandernden absolut fremd, ebenso die Sitten und Gebräuche des Landes. Aber eines besonders ist bei diesem Experiment zu bedenken : Tausende von Chinesen, die das genügsamste und bescheidenste Volk der Welt sind, wandern jederzeit in die Fremde, weil sie in der Heimat keinen Erwerb finden — werden die Ju^en dort reüssieren, werden sie gegen die chinesische Concurrenz aufkommen können? Jedenfalls werden unsere Volksgenossen in weite, weite Ferne versprengt. Und schon einmal sind Juden in China, che vor hinderten von Jahren dorthin verschlagen wurden, von der Umgebung aufgesogen worden. Es ist ja bekannt, dass die Spuren der chinesischen Jaden kürzlich wieder aufgefunden wurden ... Die Notwendigkeit der Auswanderung von Juden nach China, weil für sie in der übrigen Welt kein Platz mehr übrig ist — sie ist so bedeutungsvoll, dass sie wert wäre, die Gehirne des officiellen, philanthropischen Judenthums, der Allianzvorstände und der Curatoren der „Ica* ein wenig zu beschäftigen. Vielleicht würde ihnen die Schaffung einer Zufluchtsstätte für verfolgte Juden doch einleuchten — wenn sie überhaupt noch an die Möglichkeit der Rettung der Juden glauben. O. M. Könnte man die Bundeslade wiederfinden? Von Henning Melander (Stockholm). (Schluss.) Mit der biblichen Darstellung gewisser Ereignisse zur Zeit des Josias stimmt dagegen unser Bericht volkommen überein. Die Erwähnung von der Zusammenberufung der Priester im 19. Regierungsjahre des Königs erinnert nämlich an die Begebenheiten, welche in der Bibel mit der Wiederauffindung des Gesetzbuches durch Hilkia im 18. Regierungsjahre des Josias verknüpft sind. Dieser Fund erweckte nämlich bei Josias ausserordentlichen Schrecken und Eifer. Als der König dieWorte des aufgefundenen Buches hörte, zerriss er seine Kleider, heisst es in 2 Chronik, 34, 18—19, und wie in unserem Berichte erzählt wird, dass der König die Aeltesten in Israel zusammenrief, so versammelte Josias kurz darauf die Aeltesten, denn im unmittelbaren Anschlüsse an die Erzählung, wie er nach der Auffindung des Gesetzbuches seine Kleider zerrissen habe, wird gesagt (V. 29 u. f.): „Und der König sandte Boten aus und liess alle Aeltesten in Juda und Jerusalem versammeln. Er rief sie zusammen, um ihnen im wahren Sinne des Wortes das Gesetz (vor)zulesen*, und bei dieser Gelegenheit mag er die Priester wohl auf die Prohe gestellt haben, wie es in unserem Berichte lautet. Die Bibel hebt ausserdem seine ausserordentliche Strenge gegen die Priester hervor, die sich am meisten versündigt hatten. Diesen wurde verboten, fernerhin auf dem Altare des Herrn in Jerusalem zu opfern (2 Kön. 23, 9), und von einem Theil der Götzenpriester wird sogar berichtet, dass sie auf den Altären geschlachtet wurden (2 Kön. 23, 20). Und wie es in der Schrift des Armius heisst, dass der König nicht nur die Priester zusammenrief und sie über das Gesetz verhörte, sondern dass er auch im Anschlüsse daran die Grube verunreinigte, in welche das Gesetz geworfen wur.de, welche Grube ich natürlich für identisch mit dem unreinen Topheth halte, so steht ebenfalls in 2 Kön. 23, 8—10' von Josias: „Und er liess alle Priester aus den Städten Judas kommen . . und er verunreinigte Topheth im Thaie der Kinder Hinnoms." Die Uebereinstimmung ist offenbar. Die Grundzüge und der ganze Charakter der Erzählung entsprechen in allem der biblischen Darstellung. Das Anhäufen von Feuer und heisser Asche harmoniert ja auch mit den Worten der Bibel hinsichtlich Topheths : „Die Wohnung darinnen hat Feuer und Holz die Menge" (Jes. 30, 33). Dass man heisse Asche in die Grube warf, erinnert an das Verfahren des Josias, als er die Götzenbilder verbrannte und den „Staub" auf die Gräber der gemeinen Leute (2 Kön. 23, 6), sowie den „Staub" der Altäre in den Bach Kidron warf. — Und was wiederum das Verfahren des Königs betrifft, dass er dem erwähnten Berichte nach „die Unr einlichkei t der Stadt in dieselbe