Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · p. 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Article
Josef in Aegypten
Date
1902-04-25
Page
8 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315977-3320438--31780-3320582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 8 „Die $ Welt1* Nr, 17 Die Würde eines Ab ist nach dem Gesagten durchaus mit dem vereinbar, was Josef selber seinen Brüdern über seine Stellung am Hofe mittheilt, dass ihn Pharao zum Herrn über all sein Haus und zum Fürsten in ganz Aegypten gesetzt habe. Der hebräische Text gibt an Stelle der Uebertragung „Fürst" das Wort „Adon", dem im Aegyptischen ein durchaus gleichlautendes Wort „Adon" mit der allgemeinen Bedeutung von „Stellvertreter" in irgend einem höheren Amte entspricht. Ein altägyptischer General z. B. besass seinen A d o n oder Vicegeneral, ein Monarch oder Gaugraf in gleicher Weise seinen Stellvertreter, wie schliesslich der König seinen Vertreter unter dem echt ägyptischen Titel eines „A d o n des ganzen Land ejs", der in den Denkmäler-Inschriften genannt wird, und Wort für Wort der höchsten Würde Josefs nach den biblischen Textworten gegenübersteht Selbst der vielfach besprochene Gruss, welcher nach des Königs Befehl dem Grossvezier Josef von den Aegyptern entgegengerufen werden sollte, zeugt von der gründlichen Kenntnis des hebräischen Verfassers mit der altägyptischen Höflichkeitssprache. Es handelt sich um das Wort „A b r e k". Dem englischen Gelehrten Le Page Renouf, dem gegenwärtigen Director der orientalischen Sammlungen des Britischen Museums in London, ist es yor kurzem gelungen, in einem Papyrus der ägyptischen Abtheilung die wirkliche Grussformel nach ihrer echten altägyptischen Fassung wieder zu entdecken. Sie lautete vollständig: „Ab-re-k suza haak", „Erwünscht bleibe Dein Wort und gesund Dein Leib". Mit der Formel „a b - r e - ktt, die wie ein getreuer Abdruck des unerklärt gebliebenen A b r e k in der Bibel uns entgegentritt, wollte man so viel sagen, als: „Dein Wort oder Dein Ausspruch ist für uns ein Vergnügen/ mit anderen Worten „Wir sind zu Deinen Diensten bereit," und damit sind wie mit einem Schlage alle Schwierigkeiten gelöst und die bisherigen Vermuthungen in den Hintergrund geschoben. Aber auch sonstige Anschauungen echt ägyptischen Inhaltes sind den Erzählern der Geschichte Josefs nicht fremd gewesen, und man wird es kaum als einen Zufall betrachten dürfen, dass die überlieferten einhundertundzehn Lebensjahre ihres Helden in vielen jungen und alten Stein- und Papyrusinschriften als die Lebenszeit durch Gottes Gnade eines gerechten und Gott wohlgefälligen Mannes aufgeführt werden. In der Geschichte Josefs spielt die Episode mit der schönen Frau Potiphar eine bedeutsame Rolle. Sie legt den Grund zu dem späteren Glücke des keuschen Jünglings und bildet die eigentliche Einleitung zu der Entwicklung seines späteren Schicksals bis zu seiner Erhebung am Hofe des Königs, oder, um mich ägyptisch auszudrücken, des Pharao, d. h. „des hohen Hause s". In einem Märchen aus dem neuen Reiche, welches in der Moses-Zeit von den Aegyptern gerne gelesen wurde, kehrt eine ganz ähnliche Geschichte wie ein Vorspiel zu dem Hauptgegenstande der ganzen Erzählung wieder. Es handelt sich darin um zwei Brüder, Landleute, von denen der ältere und beweibte namens Anepu den jüngeren Bata wie ein Vater seinen Sohn behandelte. Die spätere Erhebung B a t a s zum Kronprinzen und künftigen Regenten Aegyptens war eine Folge unkeuscher Anträge der lockeren Schwägerin ihm gegenüber. In dem noch erhaltenen Papyrus mit dem Märchen von den beiden Brüdern rinden sich mannigfaltige Anklänge an die biblische Erzählung. Der keusche Jüngling und das schuldige Weib treten als vollständig gleiche Typen in beiden Schilderungen auf. Die ägyptischen Erinnerungen, welche in so auffallender Weise in der biblischen Geschichte wiederkehren, treten auch in den Träumen und Traumdeutungen, die mit dem Namen Josefs verbunden sind, in den Vordergrund, Eine Reihe von Beispielen bestätigt den Wert, welchen die Aegypter, und an ihrer Spitgse^jder Pharao, aufThräume legten, und erklärt die besondere Gunst, welche der königliche Zeitgenosse Josefs einem hebräischen Traumdeuter fortan zutheil werden liess. Dass Jahre der Hungersnoth im alten Aegypten aufeinanderfolgen konnten, auch dafür bieten die inschriftlichen Ueberlieferungen beredte Zeugnisse. In dem Grabe eines gewissen B a b a, in der Nähe des heute El-Kab genannten Ortes, erzählt der ehemalige Besitzer der antiken Anlage: „Ich sammelte Getreide ein als Freund des Erntegottes und war wachsam zur Zeit der Aussaat. Als nun einmal eine Hungersnoth entstanden war, viele Jahre hindurch, da spendete ich Getreide an die Stadt bei jeder Hungersnoth." Dass hierin auf ein bestimmtes Ereignis angespielt wird, dürfte ausser allem Zweifel stehen, und wenn man dabei an die Zeit Josefs denkt — denn bei einer Hungersnoth haben schon sieben Jahre die Bedeutung von viel — so führt zu diesem naheliegenden Schlüsse die Thatsache, dass die Lebenszeit des Baba in die Epoche des achtzehnten Jahrhunderts gefallen war, als die Hirtenkönige in Unterägypten ihr Wesen trieben und Josef an dem Hofe eines derselben zu Ehren und Würden erhoben ward, infolge seiner Voraussagung der sieben fetten und sieben mageren Jahre. Ein tendenziöser Bericht. Die Berliner Tageszeitung, „Die Post", brachte unter dem Titel: „Das wahre Ziel der Zionisten", einen Artikel, in welchem des Längeren und in höchst unfreundlicher Weise angeführt wurde, dass Herr Doctor Moses aus Mannheim gelegentlich einer Versammlnng in Berlin eine Rede gehalten hätte, in welcher er etwas ganz anderes als das Ziel des Zionismus angegeben Habe, als was wir auf unseren Congressen sagen. Herr Dr. Moses theilt uns mit, dass er der „Post" habe eine Berichtigung zugehen lassen, in der er unter wörtlicher Anführung seiner Ausführungen sich auf die thatsächlichen Unrichtigkeiten bezieht. Auf die persönlichen Bemerkungen des Berichterstatters ist Dr. Moses nicht weiter eingegangen. Er erwartet vielmehr von der „Post", dass die thatsächlichen Unrichtigkeiten, die von Voreingenommenheit zeugen würden, einer parteilosen und objectiven Berichterstattung Platz machen werden. Wir können nur hoffen, dass dieser Appel an die bona fides der Redaction der „Post" von dieser gewürdigt werden wird. Denn in unserer Bewegung ist nichts, was eine öffentliche Discussion zu scheuen hätte, und die grösste Unterstützung, die uns die Presse zutheil werden lassen kann, ist nichts als eine tendenzlose und unparteiische Benachrichtigung der Oeffentlichkeit. Mittheilungen des Actions-Comites. Nationalfonds-Commission. 1. Die Nationalfonds-Commission hat sich definitiv constituiert und durch eine per Circular vorgenommene Wahl zu ihrem Präsidenten Dr. Färbst ein in Zürich gewählt. 2. Dr. Farbstein-Zürich hat einen Vorentwurf für ein Statut der Nationalfonds - Commission ausgearbeitet. Dasselbe wurde vervielfältigt und noch am 14. März den Mitgliedern der Nationalfonds-Commission und den Mitgliedern des grossen Actions-Comites zugesandt. Bemerkungen zum genannten Entwürfe sind spätestens bis zum 10. Mai an den Präsidenten der Nationalfonds-Commission Dr. Farbstein-Zürich zu senden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.