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Die Welt · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Article
Josef in Aegypten
Date
1902-04-25
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 Die j£ Welt0-6 Seite 7 einer einzigen seine ausschliessliche Verehrung zugewendet; dem öotte S u te ch oder Set h, welchem er besondere Hauptheiligthümer aus Stein in seiner neuen ßesidenz Haware, sowie in Bubastis, der späteren Katzenstadt, errichtete. Die bei Tell-el-Bast oder dem ,Hügel von Bubastis" wiederum von Dr. Naville geleiteten Ausgrabungen haben die Reste eines grossartigen Tempelbaues aufgedeckt, die, in der vierten Dynastie unter dem König Cheops, dem Erbauer der höchsten und schönsten Pyramide in Aegypten, angelegt, sich im Laufe der Zeit bis zu den Ptolemäern von Westen nach Osten hin ansehnlich erweiterte. Es hat nicht geringes Staunen erregt, dass vor dem Thüreingange eines mächtigen Tempelsaales die aus schwarzem Granit gemeisselten Statuen von zwei Hyksoskönigen entdeckt wurden, mit allen oben erwähnten Merkmalen des turanischen Typus. Die eine davon (gegenwärtig im britischen Museum in London) trägt den Namen des Königs Apopi, die andere den des bisher völlig unbekannten Fürsten Rei-an oder J an -r e, beide dem Culte des Gottes Seth ergeben, dessen Bilder und Namen unter den Ruinen des Tempelsaales aufgefunden worden sind. Dr. Naville wurde unwillkürlich bei dem einen an Apophis, dem Pharao Josefs, bei dem anderen Rei-an an den König Rian erinnert, der nach arabischer Tradition den Jüngling Josef zu seinem Vezier erhoben hatte. Eines muss daher als wahrscheinlich gelten können, dass nämlich Bubastis, westlich an die Landschaft Gosen stossend, eine der Residenzstädte der beiden Könige, turanischer Herkunft gewesen sein muss. Es sind keilinschriftliche Texte aufgefunden worden, aus denen hervorgeht, dass kurz vor der josefinischen Zeit Turanier von Nordosten her die Euphratstaaten überfielen, Babylonien ausplünderten und ihren Weg nach Aegypten richteten. Von jeher stand Aegypten in dem verdienten Rufe eines reichen und durch seine Culturhöhe ausgezeichneten Landes, und es ist erklärlich, dass vor a]lem die S c h a s u - Beduinen es waren, welche sich den fremden Eroberern anschlössen und gemeinsam mit den Turaniern die Ostmark des ägyptischen Niederlandes überschritten. Mit welchem Erfolge jene Horden „unrühmlichen Geschlechtes", wie es in einer bei Josephus enthaltenen Stelle des manethonischen Geschichtswerkes von ihnen heisst. sich des Landes bemächtigten, davon haben selbst die ägyptischen Inschriften späterer Zeiten die traurige Kunde erhalten. Auf Grund der altägyptischen Denkmälerstudien ist es gelungen, in der Geschichte Josefs, wie sie die biblische Ueberlieferung in ihren Einzelheiten erzählt, auf Schritt und Tritt echt ägyptischen Anschauungen und Gewohnheiten bis zum Hofleben hin zu begegnen, so dass an der Glaubwürdigkeit der Ueberliefernng auch nach dieser Seite hin nicht der mindeste Zweifel gestattet ist. Selbst wenn gemeldet wird, dass die Brüder Josefs die Getreidegeschenke desselben in Säcken auf ihre. Esel, geladen hätten, um sie von Aegypten nach Palästina zu überführen, und später, dass Josef seinem Vater zwanzig mit Gut und Lebenszehrung beladene Esel für die Reise nach Aegypten entgegengesandt habe, so sind diese Stellen eine Bestätigung für die auch durch die Inschriften ersichtliche Thatsache, dass in den Zeiten der älteren Geschichte der Esel die Stelle des damals wenigstens in Aegypten, unbekannten und auch auf Denkmälern niemals abgebildeten Kameeies als Lastthier in der Wüste vertrat. Noch in der Epoche des dreizehnten Jahrhunderts v. Chr. wurden die Kupfererze .der Sinai- Halbinsel auf Eselsrücken den weiten Weg nach Aegypten geschleppt. Eine genauere Prüfung der Josef-Geschichte* wie sie uns heute in ihrem vollständigen Zusammenhange vorliegt, führt sehr bald auf die Wahrnehmung, dass der mit den ägyptischen Dingen und Verhältnissen vertraute Verfasser mehrere Jahrhunderte nach den geschehenen Ereignissen selber gelebt haben müsse, weil seine Angaben in einzelnen Fällen nur für eine spätere Epoche des mächtigen Culturstaates am Nil zutreffend erscheinen. Wenn beispielsweise in der Geschichte Josefs schon die Ramses-Stadt erwähnt wird, so ist dies ein geschichtlich-geographischer Irrthum, da erst beinahe vierhundert Jahre nach der josefinischen Zeit der König Ramses II. diese Stadt aufführen oder eine ältere erweitern und nach seinem Namen benennen Hess. Auch die ägyptische Denkmälerwelt liefert wertvolle Beiträge zu der biblischen Textkritik und gibt Winke, die dem Bibelforscher als bedeutsame Fingerzeige dienen müssen. Hierzu gehören hauptsächlich die ägyptischen Eigennamen, deren Ursprung in eine verhältnismässig späte Zeit, mehrere Jahrhunderte nach Moses, fällt, während sie nach den Angaben der Bibel auf Josef und seinen ägyptischen Schwiegervater bezogen werden. Der letztere, ein Hohenpriester in der Sonnenstadt On-Heliopolis, soll sich' Potifera genannt haben, wofür die Siebzig die griechische Umschreibung Petefres einsetzten. Der Name ist unbedingt ägyptisch. In der Sprache der alten Bewohner des Nilthaies bedeutete Pu-ti-phra soviel als „das Geschenk der Sonn e", passt also vollkommen auf einen Hohenpriester des Sonnengottes, allein seine formale Bildung weist auf eine junge Epoche derägyptischen Geschichte hin. Eigennamen ägyptischer Personen mit dem vorgesetzten P u - t i, Pe-te, „das Gesehen k", und einem folgenden Gottesnamen dahinter erscheinen erst von der Zeit des neunzehnten Jahrhunderts an und sind in den früheren Perioden der altägyptischen Geschichte vollkommen unbekannt. Der letzte Redacteur der Geschichte Josefs, der im übrigen sich bis zur Kenntnis der Sprache hin als äusserst wohlbewandert in ägyptischen Dingen erweist, wählte sich für den Schwiegervater seines Helden einen Namen aus, der seiner Zeit angehörte. Im Uebrigen zeigen die sonst vorkommenden Titel, welche dem jungen Ebräer verliehen wurden, wiederum eine genaue Kenntnis des Schreibenden nicht nur in Bezug auf die altägyptische Sprache, sondern auch in Botreff der Rang Verhältnisse am pharaonischen Hofe. Josef wird von den Midianitern an Potiphar, einen „Kämmerer", verkauft. Derselbe Ausdruck Saris, welchen der biblische Text zur Bezeichnung dieser Würde mit der Grundbedeutung von „Verschnittener", gebraucht, findet sich in mehreren ägyptischen Inschriften aus der Perserzeit wieder, welche von zwei persischen Gouverneuren der oberägyptischen Stadt Koptos reden und worin jeder Einzelne als „Kämmerer aus Persien" mit Anwendung des Wortes Saris bezeichnet wird. Anders verhält es sich mit dem ägyptischen Titel, welcher Josef verliehen worden ist. Mit dem ägyptischen Worte A b, dessen Grundbedeutung dem Sinne von „Stempeln", „mit einem Siegel verschliessen" entspricht, bezeichnet man von den ersten Zeiten des neuen Reiches, also etwa vom Jahre 1700 vor Chr. an, eine besondere Classe von Dienern im Hause und von höheren Beamten am pharaonischen Hofe, denen das Geschäft oblag, Küche und Keller unter Siegel zu halten, mit anderen Worten : durch strenge Ueberwachung von Speise und Trank den Gebieter vor Vergiftung und Verunreinigung durch unsaubere Gerichte und Getränke zu schützen. Sie entsprachen in dieser Rolle den heutigen Ab dar am persischen Hofe, bis zu ihrer fremden, also nicht persischen Abstammung hin; denn es sind Abkömmlinge des türkisch-mongolischen Kadscharen-Stammes, dem die persische Majestät des Schahinschah selber angehört. Trotz ihres bescheidenen Namens Ab dar, der auf einen Wasserschenken hinweist, bekleiden diese Hofbediensteten hohe Aemter und Würden und gemessen das vollste Vertrauen ihres Gebieters.

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