Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Article
- Zangwill über amerikanisches Judenthum
- Date
- 1902-04-25
- Page
- 4 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 4 „Die & Welt" Nr. 17 Leuchttürme, andere Lichter scheinen, und die Sterne sind für alle Steuermänner. Als ein unwissender Laie sehe ich die Weitzukunft für die Synagoge nicht so, wie u^ere albjn Propheten sie vorhersagten,^ wofern sie nicht den breitesten Gedanken ihrer weitdenkendsten Söhne in sich aufnimmt. Die Synagoge, welche die Prediger und Hiob in ihren heiligen Texten umfasst, hat sicherlich Platz genug für alle Manifestationen des jüdischen Geistes. Ahnr wo ist die All-Synagoge, wo sind ihre Aeltesten? Wo ist der Sitz der Autorität urbi et orbi? Mein Toast umfasst mehrere theologische Seminare, jedes für sich seihst gesetzgebend! Mit oder ohne politischen Zionismus ist geistiger Zionismus eine imperative Notwendigkeit. Er ist die Wiederherstellung dieser geistigen Einheit — nicht weniger zersplittert als die politische — welche die höchste Aufgabe der theologischen Seminare wäre, auf die zu trinken ich Sie auffordere. Mögen Sie bald in Wirklichkeit vereinigt sein, wie Sie es in diesem Toaste sind. DTIK .^"W 73." Aus Rumänien. Bukarest. 7. April. Gestern hat hier eine Versammlung der vom altconservati ven Vorstadt-Demagogen undAdvokaten Jancu Bratescu geführten nationalistischen Arbeiterpart ei stattgefunden, in welcher der genannte Partei-Agitator gegen die Regierung den Vorwurf erhob, dass sie das neue Gewerbegesetz durch das von ihren Vertrauensmännern o\ ne Zuziehung von Vertretern des Handwerkerstandes auszuarbeitende VoJlzugsreglement seines wesentlichen Inhalts berauben lassen wolle. Sie thue das aus Furcht vor dem Auslände. Was die israelitischen Handwerker Rumäniens anbelangt, so verlangte Redner, dass sie sich den Bestimmungen der Gewerbegesetze fügen. Sei das aber nicht der Fall, so möge die „Allianc* israelite" wissen., da*s man vor ihr trotz ihrer Millionen ganz und gar keine Furcht habe. Die Presse ab^r möge den Israeliten klar machen, dass, für den Fall, als sie noch weitere Versammlungen in den Synagogen abzuhalten sich unterstehen, die Handwerker dann selbst den Polizeidienst vor den Synagogen übernehmen werden, und dann möge man nur versuchen, noch weitere Versammlungen dieser Art einzuberufen. Die Handwerker wüssten, was sie zu thun hätten, und man möge nur nicht glauben, dass auch sie sich vor dem Auslande fürchten. Ein Manifest jüdischer Handwerker. Bukarest, 13. April. Das Comitö drr Vereinigung der haupistädtischen jüdischer Handwerkerschaft „ Asocia'ia meseriasilor evrei diu capitala" hat folgendes für die Beunheilutig der Ursachen der rumänischen Judenaus Wanderung sehr bezeichnende, Manifest erlassen: „Jüdische Handwerker! Es ist nothwendig, dass wir uns ein-für allemal über die Lage klar werden, in der wir, die rumänischen Juden uns hier befinden. Zahllose Gesetze sind gegen uns geschaffen worden; alle vorgeblich gegen die Fremden erlassenen Gesetze werden in Wirklichkeit nur uns gegenüberangewendet. Obgleich im Laude geboren, werden wir doch als Fremde und zwar als solche ohne jeden Schutz behandelt, als eine Ciasse von Menschen, die jeder nach Gefallen ausbeuten kann, und wenn wir dagegen zu protestieren versuchen, antwortet man uns mit einem 23. November und einem 16. Mai. (Anspielung auf die Antispmitt-nkrawalle der letzten Jahre. Red.) Wei n es sich um Heer und Steuern handelt, sind wir Rumänen, wenn es sich um Schulen und Versammlungsrecht handelt, sind wir es nicht. Nechdem man uns aus den Dörfern verjagt hat, findet man, dass wir in den Städten zu zahlreich sind. Aus Anlass der Votierung des Handwerkergesetzes hatte ein Deputierter vorgeschlagen, diejenigen von uns, die kein anderes Vaterland haben, aus der Masse der übrigen Fremden auszuscheiden; die, R $g^e r$n'j^^t£icÜsdejm wTcf'pxsetzt. Und während später der D o m an e d m i n i st et aus wohl erwogenen Gründen in einer Versammlung der Handelskammer-Delegierten die Erklärung abgab, dass wir in die Rubrik der rumänischen Nationalität eingestellt werden müsseh, hat ein anderer Minister unsere Versammlungen verboten, obgleich die Constitution das Recht hierzu den Angehörigen der erwähnten Rubrik zuerkennt. Die Freiheit der Culte ist allen, mit Ausnahme derjenigen ohne Nationalität, gewähileistet. Am Samstag den 23. März (5. April) hat uns aber die Polizei während der Zeit der Abendgebete in der Synagoge „ Baron Hirsch" durch ihre Werkzeuge aus der Synagoge im Namen der Gesetze und Sr. Majestät des Königs vertrieben; zur Unterbrechung der Gebete gezwungen, haben wir die Synagoge verlassen müssen, von den überaus trivialen Worten begleitet, welche der betreffende Polizeicommibsär gegen unsere Religion richtete. — Die Polizei schickt zu uns, wir sollen uns in die „Liga nationala" (regierungsfreundliche Handwerker-Vereinigung. Red.) einschreiben; Herr Bratescu (der Führer der oppositionellen Handwerkerbewegung. Red.) bedroht uns mit Verwüstungen, wenn wir nicht zu ihm kommen. Alle fürchten sich, dass wir auswandern, weil sie dann niemand m^hr haben, den sie ausbeuten können. Aber wir haben von dieser Liebe genug und genug auch der Erniedrigungen. Wir wollen als Menschen leben und wenn wir das hier nicht können, so werden wir es anderwärts thun und wir können es auch. Keine Freiheit und kein Brot? Wir »b*r wollen beides. Das ist der wahre Grund für die Auswanderung der in Rumänien geborenen Juden." Vor der ernsten und ehrlichen Sprache dieses Manifestes werden die Lügen und Beschönigungen der rumänischen Officiöseu auf ihren wahren Wert reduciert. a-ry . .: - , ..... ...... * : . Der Bukarester „Adeverul" theilt aus sicherster Quelle mit, dass die Regierung, der die Kritik des rumänischen Heimatsgesetzes seitens der ausländischen Presse ausserordentlich unbequem ist, einen Betrag von einer Viertelm.i llion Francs dazu bestimmt hat, diese ausländischen Zeitungen zu bestechen. Andere Zeitungen bestätigen diese Nachricht des „Adeverul", und die Zeitung „Evenimentul" in Jassy kündigt sogar an, dass sie in nächster Zeit die Namen aller derjenigen Personen nennen werde, welche von der Regierung mit dem heiklen Qeschäfte beauftragt worden sind, die ausländische Presse zu bestechen. Ist von unseren Gegnern Loyali,ät zu erwarten? Von Dr. Jänos Rönai (Baläzsfalra). Diese Frage habe ich an mich selbst unzähligeniale gerichtet. Da unsere Gegner in Ungarn denn doch Juden sind, hoffte ich, bei denselben, wenn nicht Zustimmung, so doch mässige Würdigung oder mindestens Ehrlichkeit und Anständigkeit zu finden. Doch all unser diesbezügliches Hoffen und logisches Berechnen erwies sich als Traum. Darum verdienen wir Träumer genannt zu werden. Nach Veröffentlichung unserer Pressburger Grundthesen, mit denen wir übrigens nichts Neues^sagten, bloss das tausendmal Gesprochene und Geschriebene klar präci siert zusammt-nfassten, hofften mit uns viele, dass wir damit eine Brücke gebaut haben, auf der die Wortführer unserer Widersacher ganz zu uns herüber kommen werden. Diese Hoffnung schien mir umso berechtigter zu sein, als ich vor meiner Weiterreise nach Pressburg, in Budapest Rast haltend, mit dortigen hochehienwerten Männern lange und eingehende Berathung gepflogen und mir die Vorstellung zurechtgelegt hatte, dass die neuesten Vorgänge in Canada und Rumänien, wie auch die Be-