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Die Welt · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Article
Grossherzog Friedrich
Date
1902-04-25
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Sich zur Ehre und seinem Fürsten zum Dank. Denn blühend in allem, was die geistige und materielle Wohlfahrt eines Landes ausmacht, ist das Grossherzogthum im...; deutschen Südwesten durch den lichten Mann geworden, dessen Walten auf dem Throne zugleich so mild und so verlässlich ist, so befruchtend und beglückend wie der Sonnenschein, der über den Wipfeln der Schwarzwaldtannen leuchtet. An Regierungsjubiläen in unserem Zeitalter der Jubelfeste ist kein Mangel. Aber dasjenige des Grossherzogs F riedrich ist ein ganz besonders köstliches Jubiläum. Nicht bloss weil der Grossherzog seit fünfzig Jahren den Thron ziert, denn dessen würde nur sein badisches Volk allein sich zu freuen haben. Auch nicht bloss, weil wohlverdienter historischer Ruhm und nationaler Dank seine greise Stirne kränzt, denn dessen eingedenk zu sein geziemt in Ewigkeit dem deutschen Volke. Nein, weil Grossherzog Friedrich in allen, auch den schicksalsschwersten Stunden seiner Regierung der herrliche Mensch geblieben, der von seinem Throne in alle Weiten hinaus mitempfand und mitdurchlebte, was der Gang der Geschichte allem Glück und . allem Leid der Völker in unserer bewegten Zeit an Hoffnung und an Resignation, an Ermuthigung und an Enttäuschung beimischte, deshalb umgibt am fünfzigjährigen Gedenktage seines Regierungsantrittes ein besonderer Glanz seine leuchtende Gestalt., Alle Guten und Freien, alle Hoffenden und Ringenden in der gebildeten Welt grüssen ihn als das Vorbild unter den Fürsten, neben dem Weisheit und Güte, Gerechtigkeit und Mitleid auf dem Throne sitzen, mit freudig blitzenden Augen und fromm bewegten Herzen. Macte dux! Hunderte von Federn rühren sich in diesen Tagen, um zu verzeichnen, was Grossherzog Friedrich seinem badischen Volke, was er der deutschen Nation und was er seiner Z it bedeutet. Und fürwahr, es ist viel an ihm zu preisen, „Wär' ich der Schwarzwald!K beginnt ein herrliches Gedicht Ferdinand Freili graths an den schwäbischen Dichter, dem Grossherzog Friedrich allezeit Gunst und Verehrung erwies. Dieser Dichter war der Jude Berthold Auerbach. Und fünfundzwanzig Jahre sass ein anderer Jude, E11 i n g e r, unter den Rathgebern des Grossherzogs im Ministerium in Karlsruhe. Wir citieren diese zwei Beispiele nicht, um ein einzelnes Moment in den Mittelpunkt unserer Betrachtung zu rücken. Wir citieren sie, um zu zeigen, wie fern diesem edlen Fürsten stets das Vorurtheil blieb, das unsere Zeit vergiftet. Grossherzog Friedrich ist eine von jenen hervorragenden Menschengestalten, auf die Schillers Wort passt: „Denn hinter ihm im wesenlosen Scheine lag, was uns alle bändigt, das Gemeine." Das weiss und empfindet sein badisches Volk, der in Gultur, Wohlfahrt und Bildung fortgeschrittenste unter allen deutschen Stämmen. Schon in den ersten Jahren seiner Regierung sprach bei feierlicher Gelegenheit der Grossherzog das unvergessliche Wort: „Ich kann nicht finden, dass ein feindlicher Gegensatz sei zwischen Fürstenrecht und Volksrecht." Er war, ein Schüler Dichtmanns und Ernst Moritz Arndts, geradewegs von der Bonner Universität heimgekommen, um in der ersten Kammer des badischen Landtages seinen Platz zu finden und wenig später als Regent für seinen unheilbar erkrankten Bruder die Zügel der Regierung in die Hand zu nehmen. Und so schwierig und verantwortungsvoll inmitten der stürmisch anwachsenden deutschen Einheitsbewegung gerade in derjsüdwestlichen Ecke — „unter den Kanonen von Strassburg* — die Aufgabe sich gestaltete, Grossherzog Friedrich hörte keinen Augenblick auf, seines eigenen Ausspruches zu gedenken: „Wir müssen uns alle bewähren als wahre Freunde der Freiheit, jener Freiheit, die sich selbst beherrscht, und jenes Fortschritts, der, aus der Einsicht des Bedürfnisses hervorgehend, sich in besonnener Erwägung des Staatsrechtes verwirklicht." Wir erzählen nicht weitläufig, weil alle es wissen, wie er in nirnrner versagender weiser Entschlossenheit von seinem Throne aus die nationale Einigung förderte,

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