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Die Welt · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Article
Chad Gadja
Date
1902-04-18
Page
15 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 „Die jfr Welt" Seite 15 Er stiehlt sich leise durch die halbgeöffnete Thüre hinaus, durchsehreitet den geräumigen Flur, der reich ist an Bildern und Waffen und Teppichen, steigt die imposante Stiege hinab und tritt in den grossen Hof, dessen Aehnlichkeit mit einem Friedhofe — insbesonders wegen des eisernen Wasserthores — er verblüfft bemerkt. Er öffnet es sachte und tritt hinaus in die weiche Frühlingsluft. Alles ist still. Sein Schatten sieht gespensterhaft aus. Der enge Seitencanal zeigt einen Mondscheinstreifen. Der gegenüberliegende Palast erscheint schwarz; nur ein Fenster zeigt einen Lichtfleck, der von einem Reflex im Glase herkommt. In der engen Spalte von dunkelblauem Himmel oberhalb ist eine Sternenschar gleich einem Vogelflug sichtbar. Das Wasser schlägt traurig gegen die Marmortreppe an, und die an den Pfahl festgebundene Godel scheint sich zu ihrem dunklen Schatten im Wasser zu beugen. Er geht dorthin, wo die Wasserstrasse den tieferen Canal grande erreicht, und gleitet mit einem weichen, unterdrückten Plätschern in das Wasser. Unbewusst beginnt er mit. dem Wasser zu ringen, aber er besiegt den instinctiven Willen zum Leben. Wie er zum letztenmale untertaucht, vermischt sich das Mysterium der Nacht und der Sterne und des Todes zu einem seltsamen Wirbel mit den Kindheits-Erinnerungen, und aus seiner Kehle kommen unbewusst in gurgelndem Tone die Worte heraus, mit denen ein guter Jude sein Leben beschliesst: „Höre, o Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einig-einziger Gott/ Durch die offene Thüre aber hört man die letzten Worte der Hymne und der Feier: Gott richtet Welt und Wesen, Die Guten wie die Bösen, Dem Würger gab er Tod zum Lohn, Weil er gewürgt des Menschen Sohn, Der hingeführt zur Schlächterbank Den Ochsen, der das Wasser trank, Das ausgelöscht den Feuerbrand, In dem der Stock den Rächer fand, Den Stock der ohne Recht und Fug Den Hund todt auf der Stelle schlug, Der in der Wuth die Katz' zerriss, Die das unschuldige Lämmchen biss. Das Lämmchen meinem Vater war; Er kauft es für zwei Suse bar. Das Lämmchen! Das Lämmchen! Chad Gadja! Chad Gadja! Wegen Raummangels erscheint die Fortsetzung des Romans „Zweierle Juden", von Max Viola, erst in nächster Nummer. Von unserer Volksbildungsbewegung. Jüdische Volksuniversität in Paris, 33, Rue Saint-Antoine. Programm der Lehrcurse und Vorlesungen für den Monat April 1902. Montag den 7. und Montag den 14.: Herr ß. Chapira: Hebräische Conversation. Dienstag den 1. und Dienstag den 15.: Herr Dr. Kritschewsky: Wie kann man einen Arzt entbehren? Mittwoch den 2. und Mittwoch den 16.: Herr N. Slouchz: Der König David. — Pessach. Mittwoch den 9. undMittwoch den 30.: Dr. Jacobson: Die jüdisch-römischen Kriege. Mittwoch d e n 23.: Hebräischer Vortrag. Donnerstag den 3., 10., 17. und 24.: Die Herren Lunz und Schereschewsky: Französisch. Samstag den 12.: Herr S chmerkin:DieCooperativgenossenschaften. Samstag den 26.: Literarischer Abend. Sonntag den 13.: Herr Dr. Alexander Marmorek: Die Mikroben. Sonntag den 6. und Sonntag den 20.: Herr Schereschewsky: Französisch. Mittheilungen des österreichischen Landes-Comites „Verband Zion". Tagesordnung des II. österreichischen Zionisten- Tages. 1. Begrüssung durch die Einberufer. 2. Wahl des Bureaus. 3. Rechenschaftsbericht. 4. Organisation. a) Technische Organisation. Ref. Dr. Egon Zweig, Wien. b) Die nächsten Aufgaben der einzelnen Organiationen. Referenten Dr. David Malz, Lemberg, und Alfred Weissberge r, Wien. 5. Agitation. Ref. Karl Rezek, Prag. 6. Stellungnahme zu den nichtzionistischen Gruppen in Oesterreich. Ref. Egon L e d e r e r, Wien. 7. Eine nationale Ackerbauschule für Palästina. Ref. Cultusrath Isidor Gewitsch, Wien. 8. Presse. Ref. Dr. S. Krenberge r, Wien. 9. Stellungnahme zu den Congressen. Ref.MaxHickl Brünn. 10. Budgetierung. Bestimmung der Parteisteuer. Ref. S. Mohr, Wien. 11. Wahl des Landes-Comites. 11 Bestimmung des Ortes für den nächsten Parteitag. * Die Vorbesprechung der Delegierten findet am 17. Mai 8 Uhr abends, im Restaurant Langer (Bahnstrasse) statt, wo rituelle Küche geführt wird. Der Preistarif ist vom vorbereitenden Bielitzer Comite geprüft. Die Verhandlungen selbst finden im Saale des „Hotel Kaiserhof' statt, wohin vom Bahnhofe directe Tramwayverbindung ist. Am 18. Mai 8 Uhr abends ist im Saale des Hotels „Schwarzer Adler" grosser Festabend. Am 19. Mai findet abends ein geselliger Ausflug der Delegierten mittels Tramway in den Zigeunerwald und ein gemüthlicher Abschiedsabend bei Langer statt. Die Mitglieder des Empfangs-Comites werden am 16. und 17. Mai am Bahnhofe die Delegierfcen;empfangen und durch eine weiss-blaue Schleife zu erkennen sein. Im Geschäftsiocale des Herrn Goldwurm in Bielitz (Schloss) sind mündlich oder schriftlich die Anweisungen für die Hotelzimmer zu erfragen oder entgegenzunehmen. Wer freies Quartier in Anspruch nimmt, muss dies spätestens bis 8. Mai an die obgenannte Adresse oder an sein Districts-Comite melden. Die Legitimationskarten werden von Bielitz aus jedem Delegierten zugesandt. Obmann des Comites für Einquartierung, Empfang und sonstiges Administrative ist Herr Paul Braff. Obmann des Press-Comites ist Herr Dr. S. W a h rhaftig (in Kanzlei des Dr. Gross in Biala). * Wir fordern die P. T. Districts-Comites und Vereine dringend auf, die Wahl der Delegierten raschest vornehmen zu lassen un d un s d a s E r g e b n i s der Wahl sofort mitzuth eilen. Briefkasten der Administration. Unter Spenden können wir nur solche Beträge veröffentlichen, die bei uns einlaufen. Die Veröffentlichung dient zugleich als Quittung. Nr. 1, 2, 3 von diesem Jahre werden für 40 Heller per Nummer zurückgekauft. Wir ersuchen abermals, fremde Briefmarken nur in kleinen Beträgen, demnach unter 1 Rubel, 1 Franc, 1 Mark, also nur für kleine Münzen, einsenden zu wollen. Spenden. Für den jüdischen Nationalfonds: Dr. Th. Herzl, Wien Kr. 1000.-, „Tikwath Zion«, Ceres, Cap-Colonie 3 jüd. Col.-Actien ä 5 Pfd. und 10 Pfd. Kr, 600.—, Familie Schiresohn, Kibardy anlässlich Ver-

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