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Die Welt · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Article
Die Juden in Dänemark
Date
1902-04-11
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 15. Wien, II. April 1902. 6. Jahrgang Die Juden in Dänemark. Von Joseph Michaelsen (Kopenhagen.) Die Juden Dänemarks, etwa 4000 an der Zahl und beinahe alle in Kopenhagen wohnhaft, leben im ganzen unter glücklichen Verhältnissen. Die politische und bürgerliche Gleichstellung, die ihnen längst zutheil geworden ist, haben sie dazu benützt, Wohlstand und Bildung zu erringen. Die übergrossen Reichthütner, die man hie und da unter den Juden in Europa und Amerika antrifft, wird man hier vergebens suchen; anderseits findet man hier auch nicht die tiefe Kluft, die anderswo Juden von einander scheidet. Auch die sociale Gleichstellung ist durchgeführt, das heisst, soweit es die latente Rassenantipathie erlauben will. Ich sage „latente", denn der offene Antisemitismus hat vor unsern Küsten Halt machen müssen, und für Judenhass und Judenhetze ist hier kein Boden. Die Religion legt den dänischen Juden kein Hindernis in den Weg; die Orthodoxen sind in grosser Minderzahl, ganz wie es unter ihren christlichen Mitbürgern der Fall ist, und es erweckt d°her kein Aufsehen, wenn ein Jude wie Hermann Trier gleichzeitig Präsident der Deputiertenkammer und Vorstand des Kopenhagener Communalrathes ist. Oder wenn Herr Marcus Rubin, wie es in diesen Tagen geschehen ist, mit einem der allerhöchsten administrativen Aemter betraut worden ist. Es wäre vielleicht doch hinzuzufügen, dass die beiden Herren sehr hervorragende und überaus qualifizierte Männer sind und insoweit ohne ebenbürtige Concurrenten waren. Wenn kein Jude bis jetzt ein Richteramt bekleidet hat, liegt der Grund hierfür in dem höchst lobenswerten Takte, der die hiesigen Juden auszeichnet, eine Errungenschaft eben ihrer relativ grossen Bildung, die mindestens auf der Höhe der ihrer christlichen Mitbürger steht, so hochstehend diese auch sein mag. Denn die Dänen sind ein hochcultiviertes Volk. Mit dem freien dänischen Bauernstande und dem hiesigen Arbeiterstande werden keine Bauern und keine Arbeiter in anderen Ländern sich in civilisatoriseher Beziehung messen können. Ein Bauer ist jetzt Minister des Ackerbaues, und es gibt unter unseren organisierten Arbeitern Männer, die ohne weitere Vorbereitung in den Staatsrath eintreten und ein Ministerium, z. B. das Handelsministerium, mit Erfolg leiten könnten. Es folgt aus dem oben Gesagten, dass die dänischen Juden häufig den ersten Rang einnehmen in dem Grosshandel wie in der Grossindustrie, in der Literatur und in der Wissenschaft, namentlich in der Jurisprudenz und in der Medicin, und auf diesen Gebieten Männer aufzuweisen haben, die sich einen europäischen Namen, ja Weltruhm erworben haben; ich brauche hier nur den Namen Georg Brandes zu nennen. Was ich von den hiesigen Juden in intellectueller Beziehung geäussert habe, gilt auch hinsichtlich der Moral. Christ und Jude stehen hier auf ganz gleichem Fusse. Soll ich aber unserem Herrn Moses Melchior Glauben schenken, wozu ich sehr geneigt bin, so ist diese moralische Gleichheit nicht genügend. Er fordert mehr. Er sagt: Um kraft der Gerechtigkeit auf sociale Gleichstellung mit ihren christlichen Mitbürgern Anspruch machen zu können, müssen die Juden besser sein als diese. Herr Melchior hat hier, ohne es zu wissen, dem heimlichen Gedanken des Zionismus Ausdruck gegeben, und niemand ist auch hierzu mehr befugt als er. Denn Herr Moses Melchior ist ein ebenso hochverdienter als angesehener Mann; er ist Mitglied des hiesigen Handelssyndicats sowie des See* und Handelsgerichtes und steht an der Spitze einer grossen ererbten überseeischen Handlung und Rhederei.. Was aber mehr ist: sein Herz ist so reich wie sein Haus, und es ist daher von Bedeutung, dass dieser Mann in den letzten Tagen sich dem Zionismus genähert hat in gerechter Anerkennung der grossen Dinge, die diese zugleich ideelle und praktische Erhebung in so kurzer Zeit vollbracht hat Ich habe Grund zu hoffen, dass Herr Moses Melchior nicht der einzige von unseren hervorragenden Juden bleiben wird, welcher mit Rath und That den Zionismus zu fördern bereit ist, sondern dass mehrere seinem Beispiele folgen und eine grössere Anzahl unserer bisher indifferenten Brüder mit sich ziehen werden. Denn indifferent sind sie, wie gesagt Es folgt dieses schon aus ihrer im ganzen glücklichen Lage sowie namentlich aus ihren lückenhaften Kennt-» nissen von ihren unglücklichen Brüdern einerseits und vom Zionismus andererseits. Hier ist daher PJatz für

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