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Die Welt · 1902-03-28 · 13 (28.3.1902) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
13 (28.3.1902)
Article
Cecil Rhodes als Colonialpolitiker
Date
1902-03-28
Page
14 (sequence 3)
Language
German
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Seite 14 #Me % Wel* Nr. 13 eoloniale Gedanken liegen in der Luft Der klage Engländer hat diesen Gedanken für seine Heimat glücklich ausgelöst; wir, die für unsere Brüder ein Gleiches anstreben, werden bei der Cultivierung des Landes unserer Väter vieles von dem, was er bereits geschaffen, nachahmen. So ist Cecil Rho des unser colonialpolitischer Vorbildner gewesen. Dr. M. W. Zweierlei Juden. Roman von Max Violm, (Fortsetzung.) „Nein, Sie sind es auch dem Gefühle nach nicht. Sie sind einfach Jude, weil Sie von Juden abstammen. Kommen Sie zuweilen zu mir, bloss auf ein Stündchen; ich will mit Ihnen die Geschichte der Leiden des jüdischen Volkes lesen, und Sie werden begreifen, dass es endlich eine Stelle geben muss, wohin die Verfolgten flüchten können, von wo ein Veto gegen die Drangsalierung der Juden eingelegt werden kann. Der Zionismus will nicht allein ein Leuchthurm für die auf branden den Wogen Umhergeschleuderten sein, sondern auch eine Zinne sein, von welcher den Bedrängten verkündet wird: Die ihr bisher als heimatlos verfolgtet, die sind es nicht mehr. Das Vaterland breitet die Fittige über seine Kinder und beansprucht jene Achtung für sie, die allen Völkern zutheil wird, welche eine Heimat besitzen." Paul hörte Dr. Goldner missmuthig zu Ende. Er war um eine grosse Hoffnung ärmer geworden. Er wollte Mirjam zur Gattin und bekam eine Predigt über den Zionismus zu hören. Nein, auch da ward ihm keine Hilfe, er musste selbst zusehen, wie er die Geliebte errang. Er erhob sich, um sich zu verabschieden. Er wolle einmal wiederkommen und sich über die Notwendigkeit des Zionismus belehren lassen, lieber wäre es ihm aber, wenn der Herr Doctor einen anderen Weg fände. „Wir wollen sehen," meinte Goldner. ,.Geht es so nicht, so muss es eben anders gehen. Mirjam liebt Sie, und dieees Kind darf nicht unglücklich werden.*' X. Paul verbrachte eine schlaflose Nacht, und als er sieh am späten Morgen erhob, schmerzte ihn das Haupt vom vielen Nachdenken, ohne dass er zu einem Eesultafc gekommen wäre. Er stand meilenweit von Mirjam entfernt, und sah keinen Weg, der zu ihr führte. Ihr Vater hatte einfach Nein gesagt und damit war es zu Ende. Dieser Mensch war nicht zu erweichen. Und auf der anderen Seite der Oheim mit seinem Zionismus. Er müsste sich Stirnlöckchen wachsen lassen oder ein Makkabäer, ein Zionsritter werden. Heller Wahnsinn! Sollte er Mirjam zur Flucht überreden? Sie wäre vielleicht bereit, aus Liebe zu ihm zu sterben, doch mit ihm fliehen würde sie niemals. Und er fand keine Lösung, fand keine, wie er sich auch das Hirn zerquälte. Als er vormittags durch die Gassen schlenderte, kam ihm plötzlich ein Gedanke, der Rettung verhiess. Er fand vielleicht irgend einen Winkelrabbiner, der ihn mit Mirjam für ein gutes Stück Geld im geheimen traute? Dann mag sie zu ihrem Vater heimkehren, doch als seine Frau. Er wusste, dass sehr fromme Juden eine von einem Rabbi vollzogene Trauung, auch wenn sie ohne jede Ceremonie, ohne Einwilligung der Eltern und Behörden vor sich gieng, als bindend erachten. Hat er doch irgendwo gelesen, es geniige, dass ein Mann einem frommen Judenmädchen einen Ring an den Finger stecke und einen gewissen Spruch dazu hersage, damit sie keinem anderen angehören dürfe. Er wollte sich über diese Dinge genau unterrichten lassen und dann handeln. Mirjam muss darein willigen, auf die Gutheissung ihres Vaters zu verzichten, wenn er ihr vor Augen führt, dass sie sich anders nie angehören würden. Zuversichtlicher als er von daheim fortgegangen war, näherte er sich nun dem Hause Mirjams, um ihr einen stillen Morgengruss zu bieten. Sie erwartete ihn beim Fenster. Sie musste viel geweint haben, doch als er nun mit kleinen langsamen Schritten vorübergieng, da färbten sich ihre Wangen und ihre Augen flammten auf. Sie schien es ihm ins Herz brennen zu wollen, dass sie ihn unendlich, unsagbar liebe, dass sie bloss an ihn denke und keinen anderen Gedanken hege, und er sprach ihr mit einem Lächeln, mit dem Neigen seines Hauptes Muth zu. Noch einigemale gieng er vor ihrem Fenster auf und ab. Ihre Augen hielten innige Zwiegespräche, sie sagten sich Dinge, die ihre Lippen nicht verständlicher auszuprägen vermocht hätten, doch plötzlich musste Paul weitergehen, denn im gegenüberliegenden Fenster zeigte »ich Vögele Nock, die alte Klatschbase, und lugte scharf zu ihnen, hinüber. Er verliess die kleine Gasse und gieng heimwärts. Er wollte seinen Oheim ins Gebet nehmen, er sollte ihm sagen, wie das mit einer geheimen Trauung sei, doch er fand Finkelstein nicht im Laden. Er war nach Ecnenmarkt gegangen, um seine säumigen Schuldner zu mahnen. So setzte er sich auf die Bank vor dem Hause, neben die Grossmutter; die war aber heute in ihrer Schweigelaune und gab ihm auf seine Fragen keine Antwort. Er gieng ins Haus und wollte arbeiten, allein er fand die nothwendige Sammlung nicht. Schliesslich schlug er Mirjams Porträt in ein grosses Tuch, belud den Knecht seines Onkels damit und schritt ihm voraus auf Ebersdorf zu. Der Weg dünkte ihm diesmal länger, als da er ihn zum erstenmale unternommen, und als er endlich im Parke war und auf einen Bediensteten stiess, sagte man ihm. die Gräfin sei verreist. Nun wusste er nicht, was er beginnen sollte. Das Gemälde einem Diener übergeben? Da« Porträt der Geliebten solchen Händen anvertrauen? Niemals! Er stand noch vor dem Castell und gieng mit sich zurathe, als Baron Niesenberg erschien. „Die Gräfin ist abwesend,* sagte er kurz angebunden, ohne Gruss. „Lassen Sie das Bild hier und reichen Sie die Rechnung ein." „Es gibt keine Rechnung," versetzte Paul, „und das Porträt kann ich bloss der Frau Gräfin selbst ausfolgen." „Damit sie es gleich bezahle? Wie? Na, fürchten Sie nichts. Ihr Geld ist sicher, die Gräfin wird in kurzem wieder über Millionen verfügen. — He, Franz!" rief er in den Park. „Franz! Er soll da das Bild übernehmen/ sagte er einem herbeieilenden Dienstmädchen. Franz kam nach einigen Minuten, griff aber nicht nach dem Bilde, sondern meldete gehorsamst, dass der Jud' abermals da sei und nicht von der Schwelle weiche. „Du Hundstott, habe ich Dir nicht einfür allemal befohlen, ihn 'rauszuschineissen?" „Verzeihen, Herr Baron, das habe ich ja bereits zweimal gethan, aber ..." „Aber? Er hat Dir Geld gegeben, hat Dich bestochen, Du Coujon? Gehe und sage ihm, die Gräfin sei nicht hier, und wenn er sich nochmals nach Eberdorf wagt, lasse ich ihn auspeitschen." Der Diener wendete sich zum Gehen, im selben Augenblicke aber stand der Jud' bereits vor dem Baron. Es war Herr Archibaid Ritter von Tulpenthal. „Entschuldigen Sie, Herr Baron", begann er, ich muss mit der Frau Gräfin sprechen. Die Frau Gräfin ist gerecht, und sie wird nicht zugeben, dass man meine Tochter unglücklich mache. Ich werde ihr erzählen, welche Verpflichtungen der Herr Graf Brandt übernommen hat, und sie wird ihm nicht verzeihen, sie wird nicht noch einmal seine Frau werden wollen." „Wird se nicht wollen, Herr Tulpenthal? Wird se ja wollen!" höhnte der Baron. „Ich habe Ihnen schon wiederholt sagen lassen, Sie mögen sich zum Teufel scheren. Schauen Sie, dass Sie fortkotnmen." „Herr Baron, um Gottes willen, ein unglücklicher Vater spricht zu Ihnen. Mein Herz ist zerrissen . .. Wissen Sie doch nicht, was vorgefallen ist?" „Alles weiss ich. Der Graf hat von Ihnen einen Vorschuss erhalten; den wird er zurückzahlen. Er hat aber auch von Ihrer Tochter einen Vorschuss bekommen, nun den kann er allerdings nicht ersetzen. Uebrigens vielleicht auch das. Mit Geld ist ja bei Euch Juden alles zu machen?!" Paul hatte, beiseite sehend, diese Auseinandersetzung mitangehört. Bei den letzten Worten des Barons wandte er sich an Tulpenthal und sagte zu ihm: „Die Frau Baronin ist thatsächlich abwesend, und wenn Sie mit ihr sprechen wollen, müssen Sie ein andermal kommen. Ich will Sie begleiten, Herr Tulpenthal. Gehen wir beisammen." „Ja, gehen Sie beisammen," rief der Baron. „Unterwegs können Sie sogar machen ein Geschärt miteinander. Der Herr Ritter von Tulpenthal wird sich ausgleichen mit dem Herrn Rosenstein, und wenn der Herr Tulpenthal etwas daraufzahlt, wird es der Herr Rosenstein nicht so genau nehmen mit dem Vorschuss, den Herr Graf Brandt von seiner Tochter bekommen hat." „Sie haben Recht, Herr Baron, spotten Sie, stossen Sie mir das Messer bis ins Heft in die Brust," rief Tulpenthal und sefüuehzte laut auf, während Paul bleich wurde bis an die Sttrne. „Es ist wahrlich kein Beweis allzu grossen Zartgefühls, dem Vater eines unglücklichen Mädchens derlei ins Gesicht zu schleudern," sagte er zum Baron, ^Zartgefühl wollt Ihr, Juden? Macht Euch auf die Strümpfe und sehaut, dass Ihr hinauskommt!"

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