Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 13 (28.3.1902)
- Article
- Cecil Rhodes als Colonialpolitiker
- Date
- 1902-03-28
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 18 „Die # Welt*6 Seite 13 Nachdem Cecil Rh od es in England seine Gymnasialstudien vollendet hatte, gieng er wieder nach Afrika und siedelte sich in Natal an, wo er mit seinexn geringen Capital eine Baumwollenplantage errichtete. Kaum hat er sieh mit derselben ein paar tausend Pfund erworben, als die ersten Diamanten in Kimberley gefunden wurden. R h o d e s überlegte nicht lange und eilte zu den Diamantenfeldern, dem neuen Eldorado. Hier lernte er auch Dr. Leander Starr Jameson kennen und aus dieser Bekanntschaft .entwickelte sich eine innige und dauernde Freundschaft fürs ganze Leben. Eine Zeitlang arbeitete Cecil Rh od es in den Minen als gewöhnlicher Diamantengräber und theilte die Mühen und Entbehrungen der anderen Leute, die nach Kimberley gekommen waren, um in dem neuen Eldorado Schätze und Reichthümer zu suchen. Auch während seines Aufenthaltes in Afrika blieb Cecil mit seiner Familie und seinem Heimatlande in steter Fühlung und setzte seine Studien fort. Zum nicht geringen Erstaunen seiner Kameraden verliess er plötzlich die Diamaatenfelder und liess sich an der Oxforder Universität als Student einschreiben. Schon damals machte R h o d e s von seiner Absicht, Millionär werden zu wollen, kein Hehl. Er gieng geradeaus auf sein Ziel los, zog einige Freunde ins Vertrauen und setzte ihnen auseinander, dass die Diamantenindustrie in Südafrika nur dann prosperieren könnte, wenn die verschiedenen Minen in einer Hand vereinigt wären. Als Rhodes nach Kimberley zurückgekehrt war, fand er Gelegenheit, sein ausserordentlich grosses diplomatisches Geschick zu bethätigen. Unterstützt von einigen Geldleuten, die er für seinen Plan der Verschmelzung aller Minen gewonnen hatte, verstand er es, sämmtliche Antheilscheine (Claims) an sich zu bringen, und jetzt beherrschen die De Beers- und Kimberley-Minen den gesammten Diamantenhandel der Welt, wobei es Rhodes stets von Anfang an so einrichtete, dass die Zufuhr afrikanischer Diamanten auf den Weltmarkt gegen die Nachfrage stets ein wenig zurückblieb. Nachdem Cecil Rhodes der Besitzer fast sämmtlicher Actien der De Beers-Gesellschaft geworden war, und ein ungeheures Vermögen erworben hatte, wandte er sein Interesse der Politik der Cap-Colonie zu und legte einen Theil seines Vermögens in Goldminen dßs Transvaal an. Mit den reichen Ergebnissen, die er aus den Transvaaler Goldminen zog, gründete er die Chartered Company, deren Aufsichtsraths- Vorsitzender kein geringerer als der Herzog von Fife, der Schwiegersohn der englischen Königs, ist. Vor zwölf Jahren wurde Rhodes, dessen finanzielles Genie man bald in Südafrika erkannte, Finanzminister der Cap-Regierung, und er spielte von nun an eine grosse Rolle in-der Politik dieses Landes. Man weiss, welchen Antheil Rhodes an dem unglücklichen Einfalle Jame s o n s hatte. „Ja", sagte er darüber, „ich hatte damals unrecht, haupsächlich deshalb, weil ich keinen Erfolg hatte." Von da an zog er sich immer mehr zurück, und nur einmal trat er noch an die-Oeffentlichkeit, als er sich für eine directe Bahnverbindung zwischen Capstadt und Cairö einsetzte. Man erinnert sich noch des Aufsehens, welches er erregte, als er in einen gelben Sacco und mit einem Strohhut zu Kaiser Wilhelm II. in Audienz kam. Als ihn seine Leute auf den Verstoss gegen die Hofetikette aufmerksam machte, erwiderte er ihnen: „Ich war nicht respectlos, weil ich es nicht sein wollte. Der Kaiser wusste, dass ich mit ihm über ernste Geschäfte sü sprechen habe, und er hat mich nicht zu sich bestell!, um mich in ejnem Hofkleide aufgeputzt zu sehen, das zu tragen ich nicht gewohnt bin.44 Einen ebenbürtigen Gegner fand Cecil Rhodes in „Ohm" Paul Krüger, dem Präsidenten derBoeren- Republik. Der „Napoleon d< s Cap" musste vor diesem Manne der ungewöhnlichen Verachtung alles Englischen zurückweichen. Interessant ist es, Näheres über die versuchte Annäherung zwischen Rhodes und Krüger zu erfahren. Rh o des erzählt darüber selbst Folgendes : „ . . . Mir hatten die Holländer ihre vollständige Gleichstellung mit den Engländern am Cap zu verdanken. In England nannte man mich damals einen Verräther meiner Nation. Der ganze Afrikander-Bond stand hinter mir und Krüger musste sich denken, ich sei nicht nach Pretoria gekommen, um mit ihm über Nichtigkeiten zu reden. Ich ersuchte ihn durch einen Freund, mir am Tage meiner Ankunft eine Unterredung zu gewähren; Krüger liess mir antworten, es sei Samstag, Markttag, und er habe den ganzen Tag seine Burghers zu empfangen." „Also morgen!" wagte ich vorzuschlagen, „Morgen ist Sonntag und da kümmere ich mich nicht um Geschäfte", liess mir Krüger antworten. „Also Montag zwischen 5 und 6 Uhr morgens, damit ich um 8 nach dem Cap abreisen kann," und Herr Krüger antwortete darauf: „Jeder Morgen ist für die Besuche meiner Burghers reserviert; Mr. Rhodes solle nur warten!K „Ich habe nicht gewartet, und was ich ihm zu sagen hatte, war doch sehr wichtig. Er hat nicht gewollt, umso schlimmer für ihn!" Das Chef d'oeuvre Cecil Rhodes' ist und bleibt die Gründung und Schaffung Rhodesias, eines Landes, das nahezu fünfmal so gross ist wie England, und das, bebaut, unzähligen Menschen Nahrung und Unterkunft verschaffen kann. Rhodes erschloss diese weite Einöde, als ein moderner Mensch, nicht an der Spitze von Bajonnetten, nicht mit der Gewalt der Kanonen, sondern vermittelst papierner Mittel, vermittelst Actien und Shares. Er gründete eine Gesellschaft von Friedensmännern, die nie ein Gewehr getragen, noch eine Flinte abgeschossen, um ein Land zu erobern, und es gelang ihm, bis zu einem gewissen Grade wenigstens. Rhodesia ist erschlossen und seine Bevölkerung vermehrt sich stetig durch Zufluss und Einwanderung, wenn auch nicht so stark, wie es sich Rhodes gedacht. Denn darauf hat der nüchterne Engländer vergessen, dass bei allen grossen Gründungen dem Volke ein Ideal, ein heiliges und unverrückbares Ideal vorschweben müsse, wenn es den aufgepflanzten Fahnen in hellen Scharen folgen soll. Rhodes sprach von den materiellen Vortheilen, von den Reichthümern und Schätzen der neuen jungfräulichen Erde, aber eine höhere Idee fehlte. Darum fehlte ihm für Rhodesia das wichtigste Element: der cultivierende und schaffende Mensch, der nicht von Brot allein lebt. Das Capital war da, die Subscription gieng glänzend von statten. Man riss sich um die Shares Rhodesias, aber die Pionniere, die das geschaffene Land zu einem Gan Eden gestalten sollten, strömten nicht im gleichen Masse herbei. Für unsere zionistische Idee ist Cecil Rhodes' Wirken nicht umsonst gewesen. Er war unser grosser Wegweiser, er zeigte uns, wie man durch Vergesellschaftungen, wie man durch Gründungen von Limiteds heutigen Tages die Mittel, welche zur Erschliessung uncultivierter Territorien nothwendig sind, schafft. Rhodesia ist uns ein wertvolles Beispiel für die kommende Entwicklung Palästinas. Grosse, fruchtbare