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Die Welt · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
8 (21.2.1902)
Article
Der jüdische "Bettelstudent"
Date
1902-02-21
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 8 „Die s> Welt** Seite 7 Bibliothek ohne jede Auswahl zufällig in die Hand kommt und nimmt, ohne die Leitung eines Lehrers und oft auch eines Lehrbuchs verschiedene Kenntnisse in sich auf. die durch ihre Zusamnaenhangslosigkeit und Unklarheit seinen Geist viel eher verwirren als aufklären. Diese Entwicklung vollzieh^; sich zunächst im geheimen. Doch bald wird sie ruchbar und nun beginnt ein erbitterter Kampf gegen seine ganze Umgebung, den er schliesslich, da ihm in der Heimat jede Möglichkeit zur Weiterentwicklung abgeschnitten ist* durch eine Auswanderung nach dem Auslande beendet. Und so wird er während seiner tiefsten inneren Zerfahrenheit, da er am dringendsten der sorgfältigsten äusseren Schonung bedarf, um die innere Krisis zu überstehen, aus seinem Kreise gerissen und in eine unbekannte Fremde hinausgetrieben, in der er auch für sein äusseres Dasein mit feindlichen Mächten einen erbitterten Kampf aufnehmen muss. Was ist wohl natürlicher, als dass er, eines festen inneren wie äusseren Haltes entbehrend, im Gewühle des aufreibenden doppelseitigen Kampfes oft den Kürzeren ziehen muss. (Schluss folgt.) Die vereinigten Shareclubs in London. Dienstag den 11. d. M. hat die monatliche Versammlung der Delegierten aller Londoner Clubs stattgefunden. Der Präsident Dr. Liebster schilderte in seiner Eröffnungsrede die rege und segensreiche Thätigkeit der Clubs. Der Cassier verlas den Rapport von den 10 Monaten, seitdem die Joint Share Clubs sich gebildet haben. Aus dem Rapport geht Folgendes hervor: Der Head Office der Joint Share Clubs zählt im ganzen 40 Clubs und hat eine Centrale in Rumänien, Bukarest, die vortrefflich arbeitet. Dieselbe existiert erst circa 3 Monate. In London sind 23 Clubs, in der Provinz 13, in Frankfurt a. M. 1, in Genf 1, in Jerusalem 1, in Lemberg 1. Von den Clubs sind bis zum 1. Februar für Maiken eingelaufen Pfd. St. 1209,19,9, für Shares und Allotmentbriefein barem Pfd.St. 119,2,5, von der rumänischen Centrale erhalten Pfd. St. ll&S1^. öumrne Pfd. St. 1400,10,5l/2. An die Jüdische Colonialbank wurde gezahlt Pfd. St. 1281,16,1. An die Clubs 6 Pence in die N.-F.- Commission gezahlt Pfi. St 12,19,572. Für Anschaffung von Nationalfonds-Marken (zum Verkauf) Pfd. St. 5. Ausgaben für 4000 Marken bogen, den Block, 4t00 Markenbüohiein, 3000 Statuten (deutsch und jüdisch), andere Drucksachen, Porto u. a. Pfd. St. 89,8,6V,. Cassa Pfd. St. 11,6,4-W Totalsumme Pfd. St. UOOjiOjö1/^ L. Straschun, Secretär. Zionistische Propaganda-Versammlung in Antwerpen. Der erst vor kurzem gegründete Zionisten-Verein „Agudath Sion" in Antwerpen entfaltet eine überaus regsame Agitations-Thätigkeit. Im Jänner hatte er die Gelegenheit der Rückreise Zangwills vom Congre-se nach England benützt, um den grossen Dichter zu einem Vortrage in Antwerpen zu veranlassen. Samstag den 8. d. M. war Dr. Alexander Marm orek aus Paris gekommen, um für den Verein eine Conference zu halten. Der Saal Sibicq, einer der grössten Antwerpens, war — doch wir wollen, um ganz objectiv zu sein, gar nicht unsere Wahrnehmungen mittheilen, sondern nur die Berichte der grossen politischen Tagesblätter beider Sprachen (französisch und vlämisch) reproducieren. Der Antwerper „Matin" schreibt: „Der neugegründete hiesige Zionisten-Verein hat gestern hier eine Versammlung abgehalten. Am Rednertische erschien Dr. Marm orek aus Paris. Die Zuhörer waren nicht wenig überrascht, in dem berühmten Gelehrten, dessen Name allbekannt ist, einen noch sehr jungen Mann zu erblicken, der kaum die Dreissiger überschritten haben dürfte. Der Doctor ist einer der Führer dieser merkwürdigen zionistischen Bewegung, welche darauf hinausläuft, den Juden gleich allen anderen Menschen ein eigenes Vaterland und unantastbare Bürgerrechte in demselben zu schaffen. In französischer und deutscher Sprache hat der Vortragende mehr als anderthalb Stunden mit einem geradezu sich übertragenden und hinreissenden Enthusiasmus die Wege und Ziele der Realisierbarkeit der Idee in klarer und überzeugender Weise dargelegt. Er hat von den Gegnern der Bewegung gesprochen, aber auch von den Freunden und Anhängern, die in selbstlosester Hingabe zu allen Opfern für die Sache ihres Volkes bereit sind und schon grosse Erfolge aufzuweisen haben. Die zionistische Bewegung ist eine proletarische. Sie bezweckt die Erlösung der in ihrer grossen Mehrzahl schwer bedrückten Masse des jüdischen Volkes. Es ist umso anerkennenswerter, wenn Männer von hoher Stellung sich muthig und selbstlos der Sache ihrer armen und leidenden Brüder annehmen. Dr. Marmore k gehört gewiss zur Elite seines Volkes, das hat er gestern aufs neue im drückend überfüllten Saale Sibicq durch seine Conferenz bewiesen, welche ihm enthusiastischen Beifall eintrug. Der Zionismus aber ist eine so erhabene und grosse Idee, dass man — wenn dieselbe nur von berufener Seite auseinandergesetzt und dargelegt wird — überzeugt wird, dass er durchaus keine Utopie ist. Schon heute machen wir unsere Mitbürger daher darauf aufmerksam, dass — wie wir hören — der berühmte Dr. Nord au demnächst in Antwerpen ebenfalls einen zionistischen Vortrag halten wird." Und die vlämische „N i e u w e Gazet" schreibt: „Wir können diese Conferenz Dr. Marmoreks nicht genug loben . . ." Tribüne. Jüdischer Verlag, Berlin. Modernes Verlags-Unternehmen auf Subseriptions-Basis zur Förderung jüdischer Literatur," Kunst und Wissenschaft. Leitendes Comite*: Martin Buber, Berthold Feiwel, E. M. Lilien, Dr. Alfred Nossig. Adresse für Briefe: Berthold Feiwel, Berlin SW., Schönebergerstrasse 2. Erster Ausweis über die bis zum 7. Februar eingelaufenen Garantiefondszeichnungen: Sigismund Veit, Basel, 100 Mk.; Dr. Philipp Schreier, Brünn, 100 Mk.; Gustav Schwabe, Varel, 100 Mk.; E. M. L i 1 i e n , Berlin, 100 Mk.; I. L. Goldberg. Wilna, 100 Mk.; Josef C o w e n , London, 500 Mk.; Dr. E. Simonson, Berlin, 100 Mk.; Grigory L o u r i e , Pinsk, 100 Mk.; J. Benjacob, Wilna, 100 Mk.; Dr. Theodor Zloc i s t i, Berlin, 100 Mk.; Dr. N. Katzenelsohn, Libau, 200 Mk.; D. Wolffsohn, Cöln, 100 Mk.; L. Schalit, Eiga, iOO Mk.; Heinrich Rosenbaum, Tirgu-Neamtu, 100 Mk.; Dr. Adolf Bergmann, Pardubitz, 100 Mk. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Wie alle Volksbewegungen hat auch die moderne jüdisehnationale Bewegung, der Zionismus, in den letzten Jahren eine umfangreiche und vielseitige Literatur gezeitigt. Wenn dieses neue Schriftthum sieh nur in äusserst geringem Masse in die interessierten Kreise Eingang zu verschaffen vermochte, wenn es nicht die Wirkung erzielt hat, die seinem epochalen Inhalt entspricht, so ist dies hauptsächlich dem Mangel jeglicher Organisation der Herausgabe zuzuschreiben. Die einzelnen Schriften, die heute theils im Selbstverlage localer, in ihrem Wirkungskreise beschränkter Corporationen, denen es überdies an fachverständigen Factoren mangelt, erscheinen, theils von Privatunternehmern, die an der Sache nur rein geschäftliches Interesse nehmenJ herausgegeben werden, bleiben auf einen minimalen Leserkreis beschränkt. Dem grossen jüdischen Publicum sind die Producte der neuen Aera im Judenthum unbekannt und selbst denen, die activ in der Bewegung stehen, wird es schwer, die Entwicklung der jungen jüdischen Literatur auf allen Gebieten zu verfolgen. Wie hemmend dieser missliche IJebelstand wirkt, ist von Einsichtigen längst erkannt. Der Jüdische Buch- und Kunstverlag in Brünn ist zu dem Zwecke gegründet, um in dieser Richtung Abhilfe zu schaffen. In sorgfältig redigierten, gut ausgestatteten und, preis würdigen Ausgaben sollen die Werke der neuen und alten jüdischen Universalliteratur dem Publicum übergeben werden: sowohl im Original, als auch in gediegenen üebertragungen. Durch Schaffung technisch vollendeter Eeproductionen soll der speeifisch jüdischen Kunst würdige Pflege zutheil werden. Das österr. Landes- Comitö lässt dem Unternehmen seine Unterstützung angedeiJien. In nächster Zeit erscheinen folgende Schriften in unserem Verlage: Dr. Max Nordau: .»Der Zionismus" (Neuerscheinung). Herausgegeben im Auftrage des österreichischen zionistischen Lan.des-Comite*s. Dr. Theodor H e r z 1 : :;JDer Judenstaat" (Neuauflage). Mathias Ach er (Dr. N. Birnbaum): „Jüdische Moderne" (Neuauflage). Mathias Ächer : „Cyklus von Vorträgen über den Zionismus" (1898—99) (Neuerscheinung).

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